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Telefonseelsorge Salzburg: "Einsamkeit wird unterschätzt"

Viele fühlen sich besonders an Weihnachten einsam. APA/BARBARA GINDL
Viele fühlen sich besonders an Weihnachten einsam.

142 – unter dieser Nummer ist die Telefonseelsorge Salzburg 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar. Auch am Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen kümmern sich ehrenamtliche Mitarbeiter um die Sorgen und Nöte der Salzburger, bei Tag und bei Nacht. Dabei begleitet sie ein zentrales Thema: Einsamkeit.

Die Telefonseelsorge der katholischen und evangelischen Kirche Salzburg feiert 2018 ihr 40-jähriges Bestandsjubiläum. Rund 130 Mitarbeiter in der Zentrale in der Landeshauptstadt und an den Außenstellen in Tamsweg und Zell am See nehmen pro Jahr zwischen 15.000 und 16.000 Anrufe entgegen. „Der Gesprächsbedarf ist enorm und wir kennen nur die Spitze des Eisbergs“, erzählt der Leiter der Telefonseelsorge Gerhard Darmann im Gespräch mit SALZBURG24. Es seien nicht immer akute Lebenskrisen, die die Salzburger jeden Alters zum Telefonhörer greifen lassen, sondern oft auch einfach die Sehnsucht nach jemandem der zuhört.

Einsamkeit in Salzburg unterschätzt

Einsamkeit, Vereinsamung und Isolation spielen eine zentrale Rolle, nicht nur zu Weihnachten. „Das ist ein Thema, das leider oft unterschätzt wird“, so Darmann. Zwei Drittel der Anrufer geben an, dass sie alleine leben. Diesen Menschen biete man in der Telefonseelsorge ein offenes Ohr, die Möglichkeit sich etwas von der Seele zu reden, man begleite sie ohne ersetzen zu wollen oder Ratschläge zu erteilen. „Wir versuchen behutsam die Leute dazu zu motivieren, sich wieder soziale Kontakte aufzubauen – auch wenn bei manchen aufgrund von gesundheitlichen Problemen das Netz sehr fragil ist“, so Darmann. Das Gefühl der Einsamkeit trete aber nicht nur in der Isolation auf, sondern könne auch innerhalb einer Partnerschaft oder einer Familie präsent werden, macht der ausgebildete Theologe und Psychotherapeut aufmerksam.

Gerhard Darmann und Gudrun Köck Salzburg24
Gerhard Darmann und Gudrun Köck

Weihachten als besondere Herausforderung

Weihnachten sei für viele Salzburger, vor allem für jene, die seit kurzer Zeit alleine sind, eine besonders große Herausforderung. Jeder habe eine fixe Vorstellung von dem Familienfest im Kopf und wenn es dann plötzlich nicht so ist, spüre man die Einsamkeit noch viel stärker als sonst, schildert Seelsorgerin und Supervisorin Gudrun Köck. Tipps zu geben, sei immer schwierig, da jeder Mensch andere Bedürfnisse habe. Wenn man zu Weihnachten einfach nur mit jemandem reden möchte, könne man jederzeit auf das Angebot der Telefonseelsorge zurückkommen. Will man das nicht, sei es oft auch hilfreich Vertrautes zu finden oder etwas zu tun, das einem gut tut, so Köck. „Denn was gut tut, ist gut.“ Für jene, die am Heiligen Abend gerne unter Menschen sein möchten, gebe es Angebote, wie etwa Weihnachten im ABZ, dem Haus der Möglichkeiten in Itzling.

Konflikte innerhalb der Familien

Neben dem „Sich-Alleine-Fühlen“ stehen an den Weihnachtsfeiertagen häufig auch familiäre Themen im Vordergrund. Vieles werde oft schnell hochgeschaukelt. So gebe es etwa Konflikte beim Zusammenleben von Generationen oder Fragen wie: „Wer feiert mit wem?“, „Wer gehört dazu und/oder wer gehört nicht dazu?“ Neben der Telefonseelsorge bieten speziell zu Weihnachten und Neujahr aber auch zahlreiche andere Krisentelefonnummern eine 24-stündige Erreichbarkeit.

Krisen-Telefonnummern des Landes Salzburg im Überblick./Land Salzburg Salzburg24
Krisen-Telefonnummern des Landes Salzburg im Überblick./Land Salzburg

Telefonseelsorge auch an Weihnachten im 24-Stunden-Dienst

In den Räumlichkeiten der Telefonseelsorge in der Stadt Salzburg ist zu Weihnachten eine besondere Atmosphäre zu spüren. „Wir wollen den Rahmen unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nett gestalten, es gibt einen kleinen Weihnachtstisch und ein paar Kerzen. Im Dienstzimmer ist es aber wie immer“, beschreibt Köck die Stimmung. „Es ist schon etwas sehr besonderes, wenn die Mitarbeiter freiwillig auf ein paar Stunden Zuhause verzichten, damit sie hier sein können.“

Wer helfen möchte, ist willkommen

Freiwillige Mitarbeiter werden laufend gesucht, vorwiegend Männer oder jüngere Personen. Die Ausbildung zum Telefonseelsorger dauert zwei Jahre. Geübt und gelernt werden müsste vor allem, Balance zwischen Geben und Nehmen – denn nur so sei es möglich, sich selbst nicht zu belasten und den Anrufenden wirklich zu helfen, erklärt Darmann, der selbst Ausbildner ist. Die Telefonseelsorge setze daher auf ein großes Netz an Mitarbeitern – niemand solle mehr als 12 Stunden im Monat dieser Tätigkeit nachgehen. Mitzubringen seien eine gute Portion Offenheit und die Bereitschaft, Krisen und Probleme in einer Gruppe auszutauschen.

Neben der telefonischen Beratung bietet die Telefonseelsorge auch eine Email- und Chatberatung an und für Kinder und Jugendliche gibt es die kids-line, die täglich von 13-21 Uhr unter der Nummer 0800 234 123 erreichbar ist. Wer lieber chattet: unter www.kids-line.at ist der kids-line Chat erreichbar.

Aufgerufen am 18.12.2018 um 01:39 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/telefonseelsorge-salzburg-einsamkeit-wird-unterschaetzt-57590497

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