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Tierschützer appellieren an Politik: Salzburg braucht einen Taubenschlag

Einer Schätzung aus dem Jahr 2016 zufolge gibt es 2.800 Stadttauben in Salzburg. Stadt Salzburg/Archiv
Einer Schätzung aus dem Jahr 2016 zufolge gibt es 2.800 Stadttauben in Salzburg.

Tauben gehören mittlerweile zum Erscheinungsbild nahezu jeder größeren Stadt dazu – so sind die Vögel auch in Salzburg vielerorts anzutreffen. An die 3.000 Tiere soll es derzeit in der Mozartstadt geben. Bei der ARGE Stadttauben Salzburg befürchtet man durch fehlendes Eingreifen der Stadtpolitik einen Anstieg. Wir haben mit beiden Seiten gesprochen.

Tauben zählen ohne Frage nicht zu den beliebtesten Tieren. Vielerorts versucht man sie zu verscheuchen und greift dabei des Öfteren zu unlauteren Methoden. So würden sie Opfer von Giftködern oder verletzten sich an Abschreckungsvorrichtungen, prangert die Tierrechtsorganisation Peta in einer Aussendung an. Für das Wohl des Federvolks setzt sich in der Stadt Salzburg die ARGE Stadttauben unter der Führung von Hans Lutsch und seiner Frau Gabriela Arnold ein. "Aus unserer Erfahrung kann ich sagen, dass die Ablehnung gegenüber den Tauben viel geringer ist, als man glaubt. Wir werden immer wieder informiert, wenn Menschen in Salzburg auf verletzte Tauben aufmerksam werden", erzählt Lutsch im Gespräch mit SALZBURG24. Für ihr Engagement wurden die Salzburger kürzlich von Peta Deutschland mit einer "Helden für Tiere"-Urkunde ausgezeichnet.

Gabriela Arnold und Hans Lutsch sorgen sich um das Wohl der Stadttauben./Lutsch Salzburg24
Gabriela Arnold und Hans Lutsch sorgen sich um das Wohl der Stadttauben./Lutsch

ARGE Stadttauben für kontrollierte Population

Laut einer Schätzung der ARGE Stadttauben aus dem Jahr 2016 gibt es rund 2.800 Tiere in der Stadt Salzburg. Vor der Installierung des Taubenschlags am Bahnhof im Jahr 2010 habe es an die 4.000 Tiere gegeben, so Lutsch. Nach dessen Schließung im Jahr 2012 sowie der Räumung einer Auffangstation auf einem ÖBB-Grundstück am Alterbach in Itzling im Jahr 2016 sieht er wieder einen Anstieg. Derzeit gibt es im Stadtgebiet keine weitere Pflegestation.

Stadttauben seien von der Art her keine Wildtauben, sondern es handle sich dabei um verwilderte Haustiere. Sie seien häufig die Nachfahren von Zuchttauben oder so genannten "Brieftauben", klärt Peta auf. Die Salzburger Arbeitsgemeinschaft setzt sich insbesondere für die Kontrolle der Stadttaubenpopulation durch betreute Taubenschläge ein. "Wir sind nicht der Überzeugung, dass es mehr Stadttauben geben soll, sondern weniger", stellt Lutsch klar, "diese sollen aber unter artgerechten Bedingungen leben können". Die Eier werden in den Taubenschlägen ausgetauscht. Durch regelmäßige Fütterung werden die Tauben an diese Standorte gewöhnt und gebunden. Auch Krankheiten und Infektionen könne man so eindämmen. Tauben, die einen Heimatschlag haben, würden des Weiteren dort auch ihren Kot absetzen.

Suche nach neuem Taubenschlag in Salzburg

Im Taubenschlag habe man etwa 3.000 Eier jährlich austauschen können. Da die Tauben aber nun wieder wild brüten würden, sei dies deutlich schwieriger geworden. Die Population wachse dadurch. Als idealen Platz für eine Station schlägt Lutsch den Lehener Park vor. "Einen Taubenschlag kann man nicht irgendwo in die Wildnis setzen, das macht keinen Sinn. Sondern er sollte in der Nähe von neuralgischen Plätzen sein. Sonst werden die Vögel nicht umsiedeln", sagt er. Bei der Stadt stoße er allerdings auf taube Ohren, beklagt Lutsch. "Vom Stadt-Gartenamt wird dieser Standort aus fachlicher Sicht nicht befürwortet", erklärt Heinrich Luks aus dem Büro von Bürgermeister Harry Preuner (ÖVP) auf SALZBURG24-Anfrage. In unmittelbarer Nähe befinde sich außerdem ein Spielplatz.

Für das Projekt an sich gibt es aber lobende Worte. "Der Erfolg vom Taubenschlag am Bahnhof ist unbestritten", so Luks. Deshalb sei man derzeit auch auf der Suche nach einem geeigneten Platz, bislang aber noch nicht fündig geworden. Lutsch ortet in der Ablehnung allerdings lediglich Prokrastination, um nicht tätig werden zu müssen. Denn in der Vergangenheit seien bereits andere Vorschläge abgelehnt worden.

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