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Vom Gymnasium zur Hochschule

Wie sich die Uni Salzburg in 398 Jahren verändert

Zurück bis zu den Anfängen um Paris Lodron

Theologische Fakultät, Uni Salzburg, Hofstallgasse Neumayr
Die Katholisch-Theologische Fakultät gilt als Keimzelle der Universität Salzburg.

Die Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) steht vor einer großen Umstrukturierung. Wir haben uns aus diesem Grund die Entwicklung und Geschichte der Bildungseinrichtung angesehen und gehen bis an ihre Anfänge vor fast 400 Jahren zurück.

Salzburg

Die Alma mater Paridiana wird 1622 vom damaligen Fürsterzbischof Paris Lodron gegründet. Sie entsteht aus einem Gymnasium. Als Gründungsjahre kursieren daneben aber auch noch die Jahre 1620 und 1625.

Unterschiedliche Daten zur Gründung der PLUS

Erste kaiserliche Privilegien zur Gründung der Universität sind nämlich bereits auf 1620 datiert, doch Paris Lodron soll die Einschränkungen auf „freie Künste und philosophische Studien“ nicht akzeptiert haben. Am 4. Oktober 1622 treffen schließlich die geforderten Papiere ein. Offiziell ausgestellt werden die Privilegien schließlich im Jahr 1625. Der erste Rektor – der Benediktiner Albert Keuslin, späterer Abt von Salzburg – wird 1622 gewählt.

Das ist auch das Jahr, das die Universität Salzburg heute als ihr Gründungsjahr betrachtet. Somit wird die Hochschule 2022 ihr 400-jähriges Bestehen feiern.

Uni Salzburg, Hofstallgasse Neumayr
Salzburg und seine vier Wissenschaften. Wandbild am Uni-Gebäude in der Hofstallgasse.

Vier Wissenschaften in Salzburg

Ab dem 17. Jahrhundert werden in Salzburg theologische, philosophische sowie juridische und medizinische Vorlesungen gehalten. Träger der Universität sind damals 33 Benediktiner-Abteien aus Süddeutschland, Österreich, der Schweiz und Salzburg. So sind auch die Professoren großteils Angehörige der Kirche – ausgenommen der Juristen.

Universität wird wieder zu Gymnasium

Zu Zeiten der Aufklärung verliert die kirchliche Universität immer mehr an Bedeutung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts seien nur noch rund 500 Studenten immatrikuliert gewesen, heißt es in überlieferten Dokumenten. Im Jahr 1810 – der Angliederung Salzburgs an Bayern – wird die Hochschule schließlich aufgelöst. Durch den Zugewinn neuer Gebiete in der Zeit der Koalitionskriege verfügt das Königreich offenbar über zu viele Universitäten. Die Benediktineruniversität in Salzburg wird zu einem Gymnasium degradiert.

 

Neugründung der Uni Salzburg im Jahr 1962

Erst 152 Jahre später – im Jahr 1962 – erfolgt die Neugründung mit einer Katholisch-Theologischen und einer Philosophischen Fakultät. Der Lehrbetrieb startet 1964. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät folgt 1965. Zehn Jahre später erfolgt die Gliederung in fünf Fakultäten: Eine Katholisch-Theologische, eine Rechtswissenschaftliche, eine Geisteswissenschaftliche und eine Naturwissenschaftliche Fakultät sowie in eine Medizinische Fakultät, welche aber bis heute noch nicht realisiert ist. Das Medizinstudium ist in Salzburg auf der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) möglich.

NaWi und Unipark als Neubauten

Während viele der Fakultäten bis heute in historischen Altstadtbauten untergebracht sind, wird im Jahr 1986 die Naturwissenschaftliche Fakultät (NaWi) in Salzburg-Freisaal fertiggestellt. Im Jahr 2011 folgt mit dem Unipark Nonntal ein weiterer Neubau. Dieser beheimatet zahlreiche gesellschaftswissenschaftliche Fachbereiche. Heute hat die Universität rund 18.000 Studierende auf vier Fakultäten und 32 Studienrichtungen verteilt.

Rektorwechsel nach 18 Jahren

Nach 18 Jahren im Amt erfolgt im letzten Jahr ein beinahe historischer Wechsel an der Uni Salzburg. Rektor Heinrich Schmidinger, der 19. Rektor seit der Neugründung im Jahr 1962, verabschiedet sich. Kurz vor seinem Abgang zieht er im Sonntags-Talk mit SALZBURG24 Bilanz (hier nachzulesen).

Ist die Amtszeit von Schmidinger nicht wirklich durch großangelegte Veränderungen geprägt, geht sein Nachfolger, der deutsche Internist Hendrik Lehnert, einen deutlich anderen Weg.

Löwe????? Logo! Die Uni hat ein neues Branding. Inspiriert vom Wappenlöwen des Paris Lodron. Ihr wollt wissen, was hinter...

Gepostet von Universität Salzburg am Montag, 15. Juni 2020

Neues Logo läutet Umstrukturierung ein

Aktuell findet ein großer, allen voran umstrittener Umstrukturierungsprozess statt. So sollen Studienassistenzstellen abgebaut werden sowie Fachbereiche und Fakultäten neu organisiert (wir berichten hier ausführlich).

Als erstes sichtbares Zeichen wird das vor 16 Jahren eingeführte Logo der Paris Lodron Universität mit dem Wappentier von Paris Lodron, einem Löwen mit Brezelschweif ergänzt.

(Quelle: SALZBURG24)

"Die Konflikte werde ich nicht vermissen"

Nach 18 Jahren verabschiedete sich Langzeit-Rektor Heinrich Schmidinger im Vorjahr. Im Sonntags-Talk zog der 65-Jährige Bilanz über seine Amtszeit, sprach über die Herausforderungen der letzten Jahre und, weshalb er jetzt nur mehr das machen wird, worauf er wirklich Lust hat. Hier könnt ihr das Interview nachlesen:

Schon am 5. Juni 2019 hat die Universität das bisherige Rektorat unter der Führung von Heinrich Schmidinger verabschiedet. Offiziell übernahm sein Nachfolger, der deutsche Internist Hendrik Lehnert, mit dem ersten Tag des neuen Herbstsemester das Amt des Rektors.

SALZBURG24: Die kommende Woche ist ihre allerletzte Arbeitswoche als Rektor der Uni Salzburg. Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, dass nun Schluss ist?

HEINRICH SCHMIDINGER: Ich fühle mich immer besser (lacht). Habe ja selbst beschlossen, dass ich mich nicht mehr bewerbe. Dieser letzte Tag als Rektor wurde von mir selbst herbeigeführt und ich habe mir das freilich gut überlegt. Dem schaue ich jetzt sehr erleichtert entgegen, denn die Verantwortung in dieser Position ist eine sehr große, manchmal auch drückende bis erdrückende.

18 Jahre sind eine lange Zeit. Wenn Sie zurückblicken: Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Grundsätzlich müssen andere bilanzieren, was ich gemacht habe. Ich glaube aber, dass wir die Universität Salzburg ganz gut vorangebracht haben. Ich sage ausdrücklich WIR: Ich lege sehr wert darauf, zu sagen, dass das ein gemeinsames Tun war. Meine Aufgabe bestand vor allem darin, diese Gemeinsamkeit herzustellen. Das ist die wichtigste Aufgabe, die ein Rektor an einer Universität hat. Man muss die Leute motivieren und ins selbe Boot holen. Sonst kommt man nicht weit.

Gibt es etwas an der Universität, das Sie besonders vermissen werden?

Das Wichtigste in dieser ganzen Zeit war für mich immer, dass ich etwas gestalten konnte. Ich möchte nichts abwerten, aber es gibt schon Einrichtungen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Dazu gehört das Stefan-Zweig-Zentrum auf der einen Seite und das Literaturarchiv auf der anderen.

Und was werden Sie bestimmt nicht vermissen?

Was ich sicherlich nicht vermissen werde, das sind die Konflikte, die man hat in so einem Amt. Da bin ich froh, wenn ich das los hab.

Sie haben es schon angeschnitten, die Aufgabe ist mit großer Verantwortung verbunden. Was waren die größten Herausforderungen für Sie?

Die größte Herausforderung war sicher die Implementierung des neuen Universitätsgesetzes 2002. Dieses Gesetz hat alle Universitäten in Österreich fundamental verändert. Die Universitäten sind im Zuge des Gesetzes autonom geworden. Alle großen, wichtigen Entscheidungen im Personal- und im Finanzbereich, aber auch hinsichtlich der Strategie, der Organisation – das liegt seither alles bei der Universität. Und ich würde sagen, dass diese Herausforderung immer noch gegeben ist.

Die zweite große Herausforderung hat mit dem Standort zu tun. Dazu muss man sagen, dass die Universität Salzburg erst 1962 wieder errichtet wurde, zuvor hat es sie 152 Jahre nicht gegeben. In der Zwischenzeit hatten sich Land und Stadt fundamental verändert. Die Wiedererrichtung kam einer völligen Neugründung gleich. Es kommt dazu, dass der Standort kein großer ist. Ein kleiner Standort wiederum muss sich gerade in Zeiten, in denen die Konkurrenz sehr groß ist, noch viel mehr behaupten als eben größere Standorte.

Ist diese lange Zeit ohne Universität auch ein Grund dafür, weshalb Salzburg nicht als Studierendenstadt gilt?

Das spielt sicherlich auch eine Rolle. Jedoch nicht die ausschlaggebendste: Wichtiger scheint mir, dass unsere Universität eine Pendleruniversität ist. Der größte Teil der Studierenden, aber auch der Professorinnen und Professoren, pendelt jeden Tag. Und das wirkt sich zwangsläufig auf die Studierendenszene aus.

Wie sehr haben sich die Studierenden, aber auch die Universität selbst, in den 18 Jahren Ihrer Amtszeit verändert?

Zunächst einmal ist die Universität stark gewachsen. Wir haben noch nie so viele Studierende gehabt, noch nie so viel Personal und noch nie ein so großes Budget, wie gegenwärtig. Die Universität Salzburg ist groß geworden, auch in qualitativer Hinsicht. Drittmittel etwa wirbt man nicht einfach ein, sondern muss man beantragen. Da kommt nur das Qualitätsvolle durch. Begonnen habe ich bei acht Millionen Euro, heute sind wir bei 24 Millionen Euro.

Wir lassen die Universität regelmäßig evaluieren und in der Regel bekommen wir ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Nicht zuletzt von den Studierenden, das freut mich immer am allermeisten.

In welchen Bereichen hat die Universität Aufholbedarf?

Wir waren eine Zeit lang in einigen Fächern von Studierenden sehr stark überlaufen und da hatten wir Betreuungsprobleme. Stark nachgefragt ist derzeit die Erziehungswissenschaft, dort sollte hinsichtlich Betreuungsrelationen einiges geschehen. Ebenso müssen wir bei den Lehramtsstudien am Ball bleiben. In den letzten Jahren wurde dieser Bereich stark ausgebaut. Da hat man jedoch nie genug getan, weil sich im schulischen Bereich ununterbrochen viel ändert.

Apropos Veränderung: Seit 2013 gibt es in Österreich kein eigenes Wissenschaftsministerium. Das haben auch Sie damals stark kritisiert. Sind Ihre Befürchtungen eingetreten?

Nein. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Minister, die seither im Amt waren, sich sehr engagiert haben. Dass wir gerade in dieser ersten Zeit finanziell gut ausgestiegen sind, verdanken wir Reinhold Mitterlehner (ÖVP, Anm.). In dessen Zeit ist auch vorbereitet worden, was unter Faßmann (ÖVP, Anm.) umgesetzt wurde – die Studienplatzfinanzierung. Dank der letzten drei Minister – Töchterle (ÖVP, Anm.), Mitterlehner und Faßmann – haben sich die österreichischen Universitäten gut entwickelt.

In internationalen Rankings spielt man trotzdem keine Rolle. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Diese internationalen Rankings schauen immer die Universität als Ganzes an. Ich empfand das stets als ungerecht, weil es innerhalb jeder Universität Einrichtungen gibt, die weltweit hoch anerkannt sind. Wenn man sich auf sie fokussieren würde, sähe das Bild gleich ganz anders aus. Natürlich spielt auch die Größe eine Rolle sowie die finanzielle Ausstattung. Man kann klare Korrelationen herstellen zwischen den Universitäten, die im Ranking weit vorne sind, und dem Budget, über das sie verfügen. Aber, dass man immer besser werden sollte, ist auch klar.

Was folgt für Sie, wenn Sie nach 18 Jahren aus dem Rektorenbüro ausgezogen sind?

Ich werde zuerst einmal tief Luft holen. Dann möchte ich die Forschungsfreisemester, die mir zustehen – ich habe in meinem Leben nie eines genommen –, nützen und diese in einer anderen Umgebung verbringen. Eine Zeit will ich bei meinem Zwillingsbruder in Madrid sein und mir Kastilien ansehen. Ab Anfang nächsten Jahres werde ich mich phasenweisen in Rom aufhalten, wo ich studiert habe. Zudem habe ich einige Schreibverpflichtungen übernommen. Ich mache ab jetzt überhaupt nur mehr das, worauf ich Lust habe. Das andere habe ich genug getan.

Herr Schmidinger, Ihnen alles Gute und vielen Dank für das Gespräch!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 16.05.2021 um 12:00 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/uni-salzburg-wie-sich-die-universitaet-seit-1622-entwickelt-hat-90502336

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