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Vergessene Nazi-Zwangsarbeitslager aufgespürt

Thomas Weidenholzer präsentierte in der TriBühne Lehen am Donnerstagabend vergessene Nazi-Zwangsarbeitslager in der Stadt Salzburg. Der Historiker deckte vergessene Gräueltaten auf.

Weidenholzer war bei seinen Recherchen auf ein Arbeitslager an der Kleßheimer Allee und in der Paumanngasse in Lehen gestoßen. Das Polizeigefängnis am Rudolfsplatz habe als Sammellager zum Weitertransport nach Dachau gedient, aber auch als Exekutionsort für entflohene „Ostarbeiter“. Weidenholzer konnte die Namen von 9.000 dort inhaftierten Menschen, zumeist östlicher Herkunft, ausfindig machen und stieß auf viel mehr Todesopfer als bisher bekannt. In der Glockengießerei Oberascher fand er ein Barackenlager für Zwangsarbeiter. Die Gießerei stellte 1939 auf die Produktion von Haubitzengeschoßen um.

Rassistische Bürokratie im Zwangsarbeitslager Der Historiker war besonders erschüttert, als er Dokumentationen von Exekutionen fand. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Mitgefangene der Zwangsarbeitslager die Exekutionen durchgeführt mussten. Weidenholzer deckte auch eine extrem rassistische Bürokratie auf: „Auf 48 Quadratmeter wurden entweder 20 Deutsche oder 45 Ausländer untergebracht“ so der Historiker. Ende 1941 verwaltete die Gauhauptstadt Salzburg rund 350 Kriegsgefangene in ihrem Zwangsarbeitslager an der Paumanngasse. Sie verlieh diese an Salzburger Betriebe und verbuchte Einnahmen und Ausgaben konsequent als Wirtschaftsförderung.

Rigorose Separation Thomas Weidenholzer deckte ebenfalls auf, dass jede Hilfestellung an Ausländern von den Nazi-Behörden rigoros geahndet wurde. Das Herschenken von Zigaretten an einen Polen brachte Franz H. fünf Monate ins Gefängnis. Von 1940 bis 1945 wurden 104 Personen wegen verbotenem Geschlechtsverkehr angeklagt. Das Strafmaß lag zwischen einem und viereinhalb Jahren Kerker bzw. Straflager, je nach Abstammung des Partners.

Abtreibungen um Arbeitskraft der Frauen zu erhalten Während das Verbot von Abtreibungen bei deutschen Frauen im Frühjahr 1943 verschärft wurde, wurde es zugleich für Ostarbeiterinnen und später Polinnen aufgehoben: Von März bis Dezember 1943 wurden an der Frauenklinik im Landeskrankenhaus 45 Schwangerschaftsunterbrechungen vorgenommen. Zynischerweise wurden die Kosten der Abbrüche vom Arbeitsamt getragen. Die Hintergründe dieser Aktion waren, dass die Arbeitskraft der Frauen erhalten wurde und die Vermehrung „fremdländischen Blutes“ zu verhindern.
(Quelle: S24)

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