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Verkehrskonzept: Die Altstadt soll für Autofahrer unattraktiv werden

Bürgermeister-Stellvertreter Harry Preuner ist von seinem Konzept überzeugt. ÖVP
Bürgermeister-Stellvertreter Harry Preuner ist von seinem Konzept überzeugt.

Bürgermeister Stellvertreter Harry Preuner (ÖVP) stellte am Mittwoch ein neues Verkehrskonzept für die Salzburger Altstadt vor. Der „ungewöhnliche“, neue Ansatz soll Autofahrer regelrecht aus der Altstadt rausekeln.

Kaum ein Thema hat Salzburg im Sommer mehr bewegt als die Innenstadtsperre. Am Mittwoch hat Bürgermeister Stellvertreter Harry Preuner (ÖVP) ein neuartiges Verkehrskonzept für die Altstadt vorgestellt, welches ohne Sperren auskommen soll. „Ich bin der festen Überzeugung, dass dem Stückwerk ein umfassendes Gesamtkonzept entgegengesetzt werden muss. Eine innovative und vor allem dauerhafte Lösung, die eine kurz-, mittel- und eine langfristige Planung berücksichtigt. Es geht um Berechenbarkeit in der Verkehrspolitik. Daher mein Vorschlag, der in einigen Punkten sicherlich ungewöhnlich ist: shared space nach Berner Vorbild und die Halbierung der Durchfahrtsgeschwindigkeit“, so Harry Preuner.

Verkehr beruhigen

Anstatt Sperren setzt Preuner auf Verkehrsumleitungen und den sogenannten „Shared Space“. Auch eine Attraktivierung der Park&Ride-Plätze und Garagen in der Altstadt, sollen den Verkehr flüssiger machen und ihn aus der Kernzone verbannen. Zur Erreichung dieser Ziele will Preuner folgende Schwerpunkte verfolgen.

  • Verkehrsberuhigung in der Griesgasse
  • Installierung eines Kreisverkehrs am Franz-Josefs-Kai/Museumsplatz
  • Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten im gesamten Bereich zwischen Müllner Hügel, Staatsbrücke und Neutor durch eine Geschwindigkeitszonenverordnung von maximal 25 km/h.

Die Vorschläge

Die Griesgasse wird verkehrsberuhigt. Dazu soll die Führung des Individualverkehr vom Neutor kommend in Richtung Staatsbrücke künftig nicht mehr über die Griesgasse, sondern über den Anton-Neumayrplatz/Museumsplatz/Franz-Josef-Kai erfolgen. Die derzeitige Führung des vom Neutor kommenden Öffi-Anteils über die Griesgasse wird beibehalten. Eine Kreisverkehr-Lösung am Museumsplatz mit Aus- und Einfahrt für den Rot-Kreuz-Parkplatz.

Die Griesgasse bleibt für den Lieferverkehr sowie für Taxi und Fiaker offen, die Buchten zum Aufstellen der Lieferfahrzeuge und Taxis sowie die Situierung der Fahrspur in der Griesgasse sind städtebaulich zu gestalten. Der öffentliche Verkehr von Mülln kommend in Richtung Staatsbrücke bleibt am Kai. Für den Hanuschplatz ist ein Plan vorzulegen mit folgenden Maßnahmen: Zwei Fahrspuren zwischen Kai und Staatsbrücke, eine attraktive Haltestellensituation für Busse, eine Wendemöglichkeit aus der Griesgasse Richtung Kai. Die Auto-Spur soll vom Neutor kommend über Münzgasse und Anton-Neumayr-Platz (Kreisverkehr) direkt zur Staatsbrücke führen. Vom Museumsplatz kommend Richtung Neutor wird der Verkehr wie bisher durch das Gstättentor geführt.

Die Details

Der Verkehr am Franz-Josef-Kai bis zur Griesgasse wird im Gegenverkehr geführt. Das heißt, dass der Individualverkehr, der vom Müllner-Hügel Richtung Staatsbrücke fährt, nicht mehr über den Museumsplatz/Anton-Neumayr-Platz und die Griesgasse, sondern über den Kai sowie Hanuschplatz und Staatsbrücke geführt wird. Der Individualverkehr von Schwarzstraße bzw. Imbergstraße kommend, fährt im Gegenverkehr den Kai entlang bis zum Kreisverkehr, von dort weiter nach Mülln oder aber über Museumsplatz, Anton Neumayr-Platz, Gstättengasse Richtung Neutor.

Verkehrsführung von der Schwarzstraße bzw. Imbergstraße:

Diese erfolgt über die Staatsbrücke, den Hanuschplatz - Franz-Josef-Kai bzw. Kreisverkehr weiter Richtung Mülln bzw. über den Museumsplatz/Anton-Neumayr-Platz –Gstättengasse zum Neutor.

Verkehrsführung vom Neutor:

Karajanplatz - Münzgasse - Anton-Neumayr-Platz/Museumsplatz bzw. Kreisverkehr weiter Richtung Mülln bzw. Franz-Josef-Kai im Gegenverkehr - Hanuschplatz – Staatsbrücke.

Verkehrsführung von Mülln:

Kreisverkehr weiter Richtung Staatsbrücke im Gegenverkehr bzw. Museumsplatz/Anton-Neumayr-Platz - Gstättengasse - Karajanplatz - Hofstallgasse bzw. Neutor.

Ergänzende Maßnahmen

Hildmannplatz

Der Individualverkehr kann bei diesem Modell von der Riedenburg kommend die Parkgaragen über die Neutorstraße und den Hildmannplatz anfahren. Durch entsprechende Busbeschleunigung in der Neutorstraße stadteinwärts kann der Individualverkehr noch gedrosselt werden.

„Shared Space“ Griesgasse

Für Bgm.-Stv. Harry Preuner liegen die Vorteile dieses Verkehrskonzeptes „Neu“ auf der Hand: „Ich stelle mir vor, dass der zur Verfügung stehende Raum durch eine Abflachung der Gehsteige noch vergrößert wird. Da in der Griesgasse der Durchzugsverkehr entfällt, nur die Busse, Taxis und der nötige Lieferverkehr verbleiben hier, bleibt genügend Platz zur Verfügung, um hier eine echte Begegnungszone als „Shared Space Griesgasse“ zu schaffen. Es könnten daher auch Schanigärten entstehen, es wäre Platz für eine ansprechende Gestaltung des Straßenraumes. Es entstünde damit eine erweiterte Fußgängerzone oder ein salzachseitig gelegenes Entree zur Altstadt.“ Die Gestaltung soll durch Grünflächen und Bäume erfolgen und soll zum Flanieren in der Innenstadt anregen.

Autofahrer sind unerwünscht

„Eine direkte Durchfahrtsmöglichkeit durch die Griesgasse entfällt nach meinen Konzeptvorstellungen für den motorisierten Individualverkehr. Um weiter zu kommen, muss über den angedachten Kreisverkehr am Franz-Josef-Kai gefahren werden. Damit und auch mit einem sehr weitreichenden Tempolimit von 25 km/h wird signalisiert, dass der Durchzugsverkehr eigentlich nicht gewünscht ist, gleichwohl aber möglich bleibt. Die Altstadt ist damit erreichbar, die negativen Wirkungen einer Sperre treten nicht ein. Das Durchfahren wird erschwert. Damit wird eine gewisse Hemmschwelle aufgebaut, durch die Innenstadt zu fahren.“ Diese Hemmschwelle soll durch einen für Autofahrer „unfreundlichen“ Belag erhöht werden. Damit will man zumindest die „wissenden“ Salzburger aus der Altstadt ekeln, die Touristen und sonstigen Auto-Lenker seien nicht so schlimm, antwortete Preuner auf die Frage von SALZBURG24.

Neues System ab 1.1. 2013

Zwingend notwendig ist eine Verkehrsstromerfassung im Herbst 2012 auf den Schnittstellen Müllner-Hügel, Neutor, Schwarzstraße, Imbergstraße und Rudolfskai, um den Ziel- und Quellverkehr bzw. Durchzugsverkehr exakt zu quantifizieren. Darauf aufbauend kann die neue Verkehrsführung in der Innenstadt mit 1. Jänner 2013 probeweise umgesetzt werden.

Preislich sieht Preuner die Umsetzung seiner Idee ungefähr auf Augenhöhe mit den Gesamtkosten der Poller. Er spricht von einer Summe von zirka 700.000 bis 800.000 Euro.

Kurzfristige Maßnahmen

  • Dynamisches Parkleitsystem entlang der Autobahn (Abfahrt Süd bis Abfahrt Nord) mit entsprechenden Hinweisen, über welche Abfahrten Zentrum und freie Parkplätze am Besten erreichbar sind.
  • Attraktivierung der P&R-Parkplätze Flughafen und Messezentrum durch direkte Shuttle-Bus-Verbindungen speziell in den Sommermonaten.
  • Schlechtwetterverordnung soll für die Sommerzeit weiterhin in Kraft bleiben. Allerdings mit flexiblerer Handhabe nach Auslastung der Innenstadtgaragen.

Mittelfristige Maßnahmen

  • Erweiterung der Mönchsberggarage
  • Eine zusätzliche Garage im Süden Salzburgs
  • Weitere zentrumsnahe Garagen im Bereich Andräviertel und Riedenburg
  • Ausbau von P&R-Parkplätzen, speziell vom Knoten Nord und Süd kommend, bzw. B 1 von Wolfgangsee und Wiener Bundesstraße kommend. Sowie speziell gekennzeichnete Shuttlebusse, die nonstop in die Altstadt und zurück pendeln.

Langfristige Maßnahmen

  • Innerstädtische Verkehrserschließung durch den Kapuzinerberg - ähnlich dem Neutor, für IV mit zentraler PKW- und Bus-Garage.
  • Mit der Umsetzung dieser Maßnahme sind eine starke Verkehrsberuhigung an der Imbergstraße (UKH, Staatsbrücke), sowie eine entsprechende Verkehrsreduktion in der Schwarzstraße zwischen Makartplatz und Staatsbrücke möglich.
  • Stadtregionalbahn entweder unterirdisch bis zum Mirabellplatz oder oberirdische Führung durch Innenstadt

„Die Debatte in diesem Sommer sollte nun allen klar gemacht haben, dass es eines Neuansatzes in der Verkehrspolitik bedarf. Das Herumdoktern an verschiedenen Enden und Ecken, das uns bisher schon nicht weiter gebracht hat, sollte beendet werden. Auch hilft es nicht weiter, die einzelnen Gruppen der Verkehrsteilnehmer gegeneinander auszuspielen. Unter dem produzierten Stau leiden schließlich alle. Diskussionen um Sperren schädigen das Image und bringen uns auch nicht weiter. Wohin die Reise gehen kann, habe ich mit dem Verkehrskonzept „Neu“ aufgezeigt. Dieses Verkehrskonzept werden wir weiters dem Altstadtverband zur Kenntnis bringen und in Form eines Antrages im Herbst in die gemeinderätlichen Gremien einbringen und damit auf die Tagesordnung setzen. Ich appelliere an die politischen Mitbewerber dieses Konzept weiter zu verfolgen. Dies wäre ein Schritt, der Salzburg insgesamt vorwärts bringt“, so Bgm.-Stv. Harry Preuner weiter.

Preuner hofft auf „Vernunft“ seitens Rot-Grün

Da die ÖVP nur ein Viertel aller Stimmen im Stadtrat hat, hofft Preuner auf ein Einlenken seitens Bürgermeister Padutsch (SPÖ) und Planungsstadtrat Johann Padutsch (Grüne). Ohne deren Unterstützung bzw. Zustimmung wäre das Projekt nicht umsetzbar. „Ich hoffe auf einen vernünftigen Dialog mit Rot-Grün“, so Preuner am Mittwoch. Grünes Licht und Zuspruch erhält Preuner von der Salzburger Wirtschaftskammer und Landeshauptmann Stellvertreter Wilfried Haslauer.

Unterstützung von Haslauer

"Ich begrüße die heute von Bürgermeister-Stv. Harry Preuner unterbreiteten Vorschläge zu einem neuen Verkehrskonzept für die Salzburger Innenstadt ausdrücklich. Sie sind ein wertvoller Beitrag auf dem Weg zu einer lebenswerten Stadt, die Lebensqualität und wirtschaftliche Perspektiven bietet. Sie sind eine Einladung an alle Einheimischen und Gäste in die Stadt zu kommen und dennoch vom Geist getragen, dass die Stadt zum Verweilen, Flanieren für die Menschen da sein soll. Ich hoffe sehr, dass die heutigen Vorschläge von allen Parteien und Interessensgruppen in der Stadt als Einladung zum Gespräch und Auftakt zu einer guten Lösung für die Zukunft gesehen und nicht reflexartig abgelehnt werden", sagte Haslauer.

"Als Verkehrs- und Tourismusreferent der Salzburger Landesregierung biete ich meine volle Unterstützung bei den kommenden Gesprächen über eine tragfähige Zukunftslösung an und werde noch im Herbst zu Gesprächen einladen. Aus Salzburg darf nie mehr das Signal kommen, die Stadt sei gesperrt, sondern das Signal, das Gäste und Einheimische willkommen sind. Das sind wir den Kaufleuten, Standlern, Gastronomen, die heuer zum Teil schwere wirtschaftliche Einbussen hinnehmen mussten, das sind wir deren Mitarbeitern, das sind wir vor allem aber dem Ruf unserer schönen Stadt schuldig - setzen wir uns zusammen und finden wir eine Lösung", schloss Haslauer.

Bürgerliste an Board?

"Erfreulich, wenn die ÖVP jetzt auf eine vernünftige Linie einschwenkt. Ich frage mich allerdings, wozu sie den ganzen Sommer zusammen mit Wirtschaftskammer und  Wirtschaftsbund die Öffentlichkeit mit Panikmache genervt hat, wenn sie jetzt erkennt, dass es ohne Verkehrsberuhigung und eine Eindämmung des Durchzugsverkehrs auf der linken Altstadtseite nicht gehen wird", wundert sich BL-Klubobmann Helmut Hüttinger ein wenig über den plötzlichen Stimmungsschwenk.

Die Maßnahmen des heurigen Sommers waren zweifellos ein Erfolg, ob die von der ÖVP vorgeschlagenen Veränderungen aber tatsächlich ausreichen, ist fraglich.

"Shared space und Tempolimit werden von der Bürgerliste befürwortet, aber der neuralgische Abschnitt liegt zwischen Neutor und Hanuschplatz. Der Lieferverkehr soll hier zugänglich sein, der Durchzugsverkehr muss unterbunden werden. Wir werden nun das machen, was wir bereits angekündigt haben: Die heurigen Regelungen mit dem Ziel evaluieren, ab dem kommende Jahr eine ganzjährige Regelung zu implementieren", so Hüttinger in einer Aussendung.

FPÖ kritisiert Verkehrskonzept

"Preuner tritt offensichtlich mit Padutsch in einen Wettstreit um das nutzloseste Verkehrskonzept in der Stadt Salzburg. Nach dem sinnlosen Kreisverkehr in der Bürglsteinstraße, ist es erneut die ÖVP, die ihre Liebe zum Kreisverkehr wiederentdeckt hat. Anscheinend hat die ÖVP aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt. Es muss endlich Schluss sein mit der Fortsetzung von Kreisverkehrsexperimenten", so FPÖ-Klubobmann Andreas Schöppl am Mittwoch

Als Hohn wertet der freiheitliche Klubobmann den Vorschlag Preuners, die Griesgasse als erweiterte Fußgängerzone zu etablieren. In seinem Konzept wird die Griesgasse ja immer noch von Bussen, Taxis und Lieferantenverkehr frequentiert. Dies ist ein klarer Etikettenschwindel, denn um eine Flaniermeile handelt es sich dabei wirklich nicht. Auch der Vorschlag ein Tempolimit von 25 km/h zu verordnen, sei aberwitzig. Wenn Preuner nur einmal selbst durch die Griesgasse fahren würde und sich nicht immer mit seiner Dienstlimousine chauffieren ließe, würde er merken, dass man tagsüber dort ohnehin nicht schneller als 25 km/h fahren könne, kommentiert Schöppl.

"Wir Freiheitliche fordern ernstzunehmende Lösungen für die Innenstadt. Dies kann nur gemeinsam mit den Innenstadtkaufleuten, den Verkehrsplanern, der Politik und den betroffenen Anrainern erarbeitet werden. Verkehrspolitische Alleingänge der ÖVP sind entbehrlich und verzichtbar. Man muss zuerst mit den Betroffenen reden, bevor man parteipolitisches Kleingeld machen will", so der freiheitliche Klubobmann abschließend.

(Quelle: S24)

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