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Vinothekar Karl-Heinz Robitschko im Sonntags-Talk: “Die Herzblut-Winzer sind alle verliebt in ihren Weingarten“

Karl-Heinz Robitschko führt seit zwei Jahren eine Vinothek in der Stadt Salzburg. Bilderbox/SALZBURG24/POSANI
Karl-Heinz Robitschko führt seit zwei Jahren eine Vinothek in der Stadt Salzburg.

Seit gut zwei Jahren berät der gebürtige Steirer Karl-Heinz Robitschko die Salzburger auf ihrer Suche nach dem perfekten Wein. In seiner Vinothek De Gustibus in der Salzburger Innenstadt führt der 53-Jährige ausschließlich österreichische Weine – sein Sortiment wird von über 200 Winzern gefüllt. Im Sonntags-Talk verrät er uns, was guten Wein ausmacht, erklärt, wieso die Österreicher mehr Bier als Wein trinken und spricht über Weinbau in Salzburg. 

Die Tür zur Vinothek de Gustibus in der Bergstraße steht an diesen sommerlich-warmen Abenden sperrangelweit offen. Vor dem Geschäft befindet sich ein einzelner hölzerner Stehtisch, an dem sich bereits ein bunter Mix an Gästen tummelt. Im Inneren der Vinothek ist es angenehm kühl, Inhaber Karl-Heinz Robitschko wartet bereits auf das S24-Interview. Zum Trinken steht Wasser bereit, daneben zwei Achterl sommerlich-leichter Weißwein aus dem Burgenland.

SALZBURG24: Herr Robitschko, warum ist Wein besser als Bier?

KARL-HEINZ ROBITSCHKO: Ich weiß nicht, ob Wein besser als Bier ist. Ich finde das Eine tun und das Andere nicht lassen, ist sehr in Ordnung. Viele meiner Winzer sind Biertrinker, weil sie sagen, Weinkosten macht so durstig. Es hat beides nebeneinander seine Berechtigung.

Der durchschnittliche Österreicher trinkt 103 Liter Bier pro Jahr. Der Weinkonsum liegt bei 27 Litern pro Kopf. Sind wir ein Bier-, aber kein Weinland?

In Salzburg liegt sicher der Schwerpunkt auf Bier. Im Osten Österreichs ist es umgekehrt.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass der Weinkonsum nicht mit dem Bierkonsum in Österreich mithalten kann?

Wein ist kein Getränk, das man in Mengen hinunterschüttet. Ein Wein ist ein Getränk, das man bei einer guten Gelegenheit miteinander genießt. Daher wird Wein sicher nicht in denselben Mengen getrunken wie Bier.

Sie führen seit gut zwei Jahren die “Vinothek De Gustibus“ in der Salzburger Innenstadt. Wie kam es dazu?

Ich interessiere mich schon lange für Wein. Ich bin gebürtiger Steirer, hatte es daher nicht weit bis zur Weinstraße. Ich finde, eine gute Vinothek hat in Salzburgs rechter Altstadt noch gefehlt. Speziell eine Vinothek, die auf österreichische Weine spezialisiert ist.

Müssen Sie als Vinothekar diszipliniert sein, um nicht zu viel Wein zu trinken?

Wenn es viel zu feiern gibt und man eingeladen wird, dann muss man diszipliniert sein und sich auch bremsen. Man sollte nicht jeden Tag Wein trinken, sondern sehr bewusst. Wasser dazu trinken ist ebenfalls wichtig.

Der Name Ihres Lokals ist angelehnt an einen lateinischen Spruch, der übersetzt so viel heißt wie: Über Geschmäcker kann man nicht streiten. Lässt sich über guten Wein streiten?

Man kann über Geschmack streiten – wenn man einen hat. Über Wein kann man sich natürlich trefflich austauschen. Es gibt Menschen, die sagen, dass der Grüne Veltliner pfeffrig sein muss, andere wiederum sagen, er muss sehr gereift sein und ins burgundische gehen. Das ist dann aber nicht streiten, sondern Meinungs- und Erfahrungsaustausch.

Die Vinothek De Gustibus lädt zum Verweilen ein. /SALZBURG24/POSANI Salzburg24
Die Vinothek De Gustibus lädt zum Verweilen ein. /SALZBURG24/POSANI

Kann ein Wein aus dem Supermarkt für zwei Euro auch ein guter Wein sein?

Das ist schwer vorstellbar. Wenn du ein Steak grillen willst, gehst du auch zum Fleischer deines Vertrauens und kaufst ein Produkt, das sein Geld wert ist. So ist es auch beim Wein. Es ist schwer möglich ohne qualitative Einbußen zu einem Dumping-Preis zu produzieren.

Wie kann ich bei der Qualität in der Weinproduktion sparen?

Die Herzblut-Winzer sind alle verliebt in ihren Weingarten und ihren Weinkeller. Sie kennen ihre Rebstöcke. Der erste Abstrich in Sachen Qualität beginnt dort, wo Reben zugekauft werden und wo die Qualität selbst nicht kontrolliert wird. Der Weinmacher, der alles selbst macht, produziert nie in großen Mengen, weil er sich sonst nicht mehr persönlich darum kümmern könnte. Das ist für mich ein Nachweis von Qualität.

Sie führen ausschließlich Weine aus Österreich. Wieso?

Wir wollten keine Vinothek sein, wo es von allem etwas gibt, sondern wir wollten Österreich repräsentieren. So können wir auch eine Geschmacksreise durch Österreich bieten. Die Südsteiermark liegt mir am Herzen, da komme ich her und kenne mich am besten aus. Das größte Weinbundesland ist Niederösterreich und bei Rotwein ist das Burgenland unverzichtbar.

Gibt es Wein aus Salzburg?

Es gibt Weinbau in Salzburg, am Rainberg und in Großgmain. Aber ich würde als Tourist lieber eine Mozartkugel mitnehmen (schmunzelt). Der Weinbau hängt von Klima und Boden ab. Und da gibt es begünstigtere Regionen als Salzburg.

Zum Thema Wein halten sich auch zahlreiche Alltagsmythen. So wird gesagt, dass zu weißem Fleisch nur Weißwein passe, zu rotem Fleisch nur Rotwein. Stimmen Sie dem zu?

Grundsätzlich ist das eine Faustregel, die man gelten lassen kann. Zu Fisch hat sich Weißwein bewährt, der dafür zu Steak oder Gulasch nicht so gut passt. Aber man kann die Regel genauso gut brechen, wenn man etwas Neues erfahren will. Es ist alles erlaubt, solange es schmeckt.

Gibt es so etwas wie Kochwein?

Ich würde immer den gleichen Wein zum Kochen hernehmen, den es dann auch bei Tisch gibt. Ist der Wein zu schlecht, um getrunken zu werden, ist er auch zu schlecht, um beim Kochen verwendet zu werden. Zum Kochen vielleicht noch eine Empfehlung: Du brauchst dazu immer drei Flaschen Wein: Eine für das Gericht, eine bei Tisch – und eine für den Koch.

Welche Temperatur soll Wein für den perfekten Weingenuss haben?

Wenn man Rotwein bei circa 16 bis 18 Grad genießt, ist er in meinen Augen richtig. Wenn der Wein um die 20 Grad warm ist, verliert er viel Geschmack und es sticht der Alkohol hervor. Bei Weißwein ist es umgekehrt. Das Weinglas muss nicht anlaufen vor Kälte. Weil auch dann kann sich nicht der komplette Geschmack entfalten, den der Wein eigentlich mitbringt. Sechs bis zehn Grad sind bei Weißwein okay. Tendenziell rate ich dazu, den Rotwein ein bisschen kühler und den Weißwein ein bisschen wärmer zu trinken. Dann hat man mehr Wein im Mund.

Muss ich den Wein vor dem Trinken tatsächlich atmen lassen?

Es gibt Weine, die brauchen ein bisschen Luft, damit sie ihr Aroma entfalten können und es gibt Weine, denen das gar nicht guttut. Wenn ich einen sehr gereiften Wein stundenlang stehen lasse, dann verliere ich das ganze Aroma und habe nichts mehr davon im Mund. Ich würde sehr vorsichtig mit dem Belüften umgehen.

Haben Sie einen Lieblingswein?

Es gibt wechselnde Lieblingsweine. Ich habe gerade eine neue Lieferung von der burgenländischen Weinbäuerin Heidi Schröck bekommen, der Wein nennt sich "Phoenix aus der Flasche". Das ist eine Cuvée aus Weißburgunder, Welschriesling und Chardonnay. Der Wein ist leicht, macht Spaß und passt genau in die Jahreszeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.09.2019 um 04:41 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/vinothekar-karl-heinz-robitschko-im-sonntags-talk-die-herzblut-winzer-sind-alle-verliebt-in-ihren-weingarten-58402585

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