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Angriff auf Taxifahrer

Wachmann wegen schwerer Körperverletzung verurteilt

Sechs Monate Bewährung für 63-Jährigen

Gericht, Staatsanwaltschaft, SB APA/BARBARA GINDL
Der 63-Jährige stand wegen versuchten Mordes an einem Taxifahrer vor Gericht. (SYMBOLBILD)

Wegen versuchten Mordes an einem Taxifahrer stand heute ein 63-jähriger Security-Mitarbeiter vor Gericht. Er habe dem Mann ein Messer in den Bauch gerammt und bekannte sich zum Teil schuldig. Er wurde wegen fahrlässig schwerer Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Salzburg

Ein 63-jähriger Security-Mitarbeiter ist am Donnerstag wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes vor einem Geschworenengericht in Salzburg gestanden. Der bisher unbescholtene Österreicher soll am 15. März 2021 in der Salzburger Altstadt einem Taxifahrer im Streit einen Messerstich in den Bauch versetzt haben. Das Opfer wurde nicht lebensbedrohlich verletzt. Der Angeklagte bekannte sich zum Teil schuldig. Er habe den Chauffeur aber nicht verletzen wollen, betonte er.

Geschworene stimmen gegen versuchten Mord

Das Opfer wurde durch den Messerstich nicht lebensbedrohlich verletzt. Der Angeklagte bekannte sich zum Teil schuldig. Die Geschworenen haben einstimmig die Frage nach einem versuchten Mord verneint. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil der Staatsanwalt keine Erklärung abgegeben hat. Der 63-Jährige wurde laut Verteidiger nach dem Prozess enthaftet.

Fahrer schläft in Taxi

Zu der Auseinandersetzung war es um 1.50 Uhr im Festspielbezirk vor der Universitätsaula gekommen. Der aus dem Jemen stammende Mitarbeiter eines Wachdienstes wollte den 48-jährigen Taxifahrer darauf hinweisen, dass er dort nicht parken dürfe. Er leuchtete mit der Taschenlampe in das Auto, auf dessen Fahrersitz sich der Lenker gerade ausruhte, und soll laut Aussagen des Opfers auch auf den Wagen geklopft haben. Die Aufforderung des Wachmanns, mit dem Pkw wegzufahren, gipfelte zunächst in ein Wortgefecht. Der Taxifahrer soll dem Security-Mitarbeiter zugerufen haben, "schleich dich, lass mich in Ruhe und lerne Deutsch".

Messer "ungewollt" in Bauch des Opfers geraten

Der Angeklagte schilderte dem vorsitzenden Richter Philipp Grosser, dass sich der Taxler sehr aggressiv ihm gegenüber verhalten habe. "Er ist sehr aufgebracht und sehr wütend aus dem Auto ausgestiegen. Ich habe gezittert. Da habe ich mein Taschenmesser raus getan und gesagt, er möge sich entfernen." Er habe sich gedacht, wenn er dem Taxifahrer das Messer zeigt, hört dieser auf, ihn zu attackieren. Doch der Mann sei auf ihn losgegangen und habe ihm einen Stoß gegeben. Da sei das Messer, das er in der Hand gehalten habe, ungewollt und von ihm unbemerkt in den Bauch des Chauffeurs geraten.

Security-Mitarbeiter wirft Messer in Mülltonne

Danach habe er sich zu Fuß entfernt, schilderte der Angeklagte. Als er an seinem Messer, das eine Klingenlänge von rund sechs Zentimeter gehabt habe, Blut sah, habe er es in eine Mülltonne geschmissen. "Es tut mir leid. Ich wollte dem Mann nicht wehtun. Ich hatte ja keinen Grund dazu, ich kenne ihn nicht", entschuldigte sich der Beschuldigte und führte ins Treffen, dass er schon 16 Jahre lang als Wachmann arbeite und bisher noch nie etwas vorgefallen sei.

Warum hat er denn nicht Hilfe für den Taxifahrer holte, wenn er doch das Blut an seinem Messer entdeckt hat, fragte der Richter den Angeklagten. "Ich hatte Angst vor der Polizei, und dass ich meine Arbeit verliere", antwortete der 63-Jährige. Der Mann sei ja noch aufrecht gestanden, als er weggegangen sei.

Festnahme in Getreidegasse

Der Wachmann wurde kurz danach in der Getreidegasse festgenommen. Damals hat er die Tat noch geleugnet. Das türkisch-stämmige Opfer erlitt eine drei Zentimeter lange Stichwunde im Mittelbauch und wurde ins Spital gebracht. Die Bauchhöhle war durch den Stich geöffnet worden. Eine akute Lebensgefahr bestand nicht, innere Organe wurden nicht verletzt.

Der Täter habe es aber ernstlich für möglich gehalten, dass der Stich zu tödlichen Verletzungen führen könne, sagte der Staatsanwalt. Um den Tatbestand des Mordes oder Mordversuchs erfüllen zu können, reiche vom Gesetz her zumindest schon ein bedingter Tötungsvorsatz.

"War nie versuchter Mord"

Verteidiger Wolfgang Lang konnte den Anklagevorwurf allerdings nicht nachvollziehen. "Es war nie ein versuchter Mord, weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht. Das ist völlig absurd." Er bezeichnete den Beschuldigten als einen friedlichen, ruhigen und kleinen, schmächtigen Mann. Der Taxifahrer ist bereits mehrmals wegen Körperverletzungsdelikten vor Gericht gestanden.

Ein Urteil in dem Prozess am Landesgericht Salzburg wird vermutlich heute gesprochen.

(Quelle: APA)

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