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Nachgefragt beim Abfallservice

"Was im Restmüll landet, ist für immer verloren"

Was läuft in Mozartstadt gut beim Mülltrennen, wo gibt's Defizite?

Reste vom Obstsalat, das leere Pestoglas oder alte Zeitungen können schnell im falschen Abfallbehälter landen – das dürfte wohl jedem von uns schon mal passiert sein. Vieles findet sich im Restmüll wieder, was darin eigentlich nichts verloren hat. Wenn aber von Beginn an richtig getrennt würde, könnte einiges an Abfallwirtschaftsgebühr gespart werden, sagt der Leiter des städtischen Abfallservice beim SALZBURG24-Besuch.

Salzburg

Um 5 Uhr in der Früh – wenn die allermeisten Bewohner der Landeshauptstadt noch tief und fest schlafen – starten die Müllfahrzeuge ihre Touren durch die noch leeren Straßen Salzburgs. Rund 70 der insgesamt 109 Mitarbeitenden beim städtischen Abfallservice sind allein für die Entsorgung der Dinge verantwortlich, die wir tagtäglich in die verschiedenen Mistkübel werfen. Gegen 12.30 Uhr beenden die eifrigen Müllsammler in ihren orangen Lastern die Schicht, obwohl die Müllabfuhr gesetzlich sogar bis 19 Uhr möglich wäre. "Fahrten am Nachmittag machen aber nicht viel Sinn, weil die großen Fahrzeuge den Verkehr massiv behindern würden", erklärt Jürgen Wulff-Gegenbaur, Leiter des Abfallservice der Landeshauptstadt, beim Besuch von SALZBURG24.

Müllentsorgung in Stadt Salzburg, Recyclinghof, symb_Müllabfuhr Stadt Salzburg / J. Knoll
Mehr als 100 Menschen arbeiten beim Salzburger Abfallservice.

Restmüll wird verbrannt

Und in den Mülltonnen würden noch immer zu viele Sachen landen, die darin eigentlich nichts zu suchen haben. "Die Hälfte von dem, was wir in der Restmülltonne finden, gehört da nicht rein", berichtet der Amtsleiter. Das Problem ist, dass dieser Abfall thermisch verwertet, also verbrannt, wird. "Wenn es einmal im Restmüll ist, ist es für immer verloren." So kann weder Biomüll in Kompost umgewandelt noch Papier bzw. Kartonagen wiederverwertet werden. "Man könnte sich einiges an Abfallwirtschaftsgebühr sparen, wenn von Beginn an richtig getrennt würde", so Wulff-Gegenbaur. "Und das muss schon daheim in der Küche passieren und nicht erst an der Mülltonne."

 

Die gesamte Restmüllmenge 2021 in der Stadt Salzburg betrug übrigens nahezu unvorstellbare 33.264 Tonnen. Das entspricht dem Gewicht von mehr als 5.500 Elefanten.

Müllentsorgung in Stadt Salzburg, Recyclinghof, Stadt Salzburg / Alexander Killer
Das Recyclinghof-Team um Amtsleiter Wulff-Gegenbaur (li.).

Das Bewusstsein zum Mülltrennen sei bei vielen Salzburgerinnen und Salzburgern ohnehin groß, "vor allem bei den Jüngeren", wie der seit 2017 tätige Abfallservice-Leiter betont. In weniger dicht besiedelten Gebieten würde das besser funktionieren als etwa in größeren Wohnsiedlungen. Dabei gibt es in Österreich eine Mülltrennpflicht, die sich aus verschiedenen Paragrafen ergibt. Kontrolliert wird das letztlich aber nicht.

Was kommt in Mülltonne, was zum Recyclinghof?

Neben der Mülltonne vor dem Wohnhaus gibt es freilich auch zahlreiche öffentliche Sammelstellen im Salzburger Stadtgebiet, um Altglas, Alttextilien, Altpapier und Co wegzuschmeißen. Elektro-Altgeräte, Bauschutt, Sperrmüll, Metalle sowie Eisen, Leuchtstofflampen und Problemstoffe müssen gesondert im Recyclinghof in Salzburg-Maxglan abgegeben werden, genauso wie Batterien.

"Das Sammelsystem in der Stadt Salzburg ist so gut ausgebaut und vergleichsweise günstig, dass es nicht nötig ist, den eigenen Müll einfach am Straßenrand oder im Wald zu entsorgen", sagt Wulff-Gegenbaur und führt aus: "Aber es gibt nun mal einige wenige Menschen, denen es wurscht ist und die Dinge einfach wegwerfen."

"Wir müssen alle umdenken"

Darum – und um das Bewusstsein in der Bevölkerung noch weiter zu stärken – sind in der Stadt Salzburg insgesamt drei Abfallberater in Kindergärten, Siedlungen und Co unterwegs, "um den Menschen so früh wie möglich beizubringen, warum Mülltrennen so wichtig ist." Über kurz oder lang "sägen wir uns sonst den Ast ab, auf dem wir selbst sitzen", verbildlicht der Chef des städtischen Abfallservice das grundsätzliche Problem. "Wir können nicht den ganzen Müll vergraben oder wiederholt verbrennen", mahnt der Amtsleiter zum Recyceln. Im gleichen Atemzug nimmt er auch die Hersteller in die Pflicht und fordert eine Produzentenverantwortung: "Wenn nicht so viel Plastik produziert würde, dann kann es der Endkonsument auch nicht wegschmeißen. Wir müssen alle miteinander beginnen umzudenken."

Weniger Müll während Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie ist die gesamte Müllmenge übrigens weniger geworden: So kamen im Jahr 2019 insgesamt 81.696 Tonnen zusammen, 2020 waren es 79.184 Tonnen und im vergangenen Jahr 79.789 Tonnen. Dass mehr Müll anfallen würde, weil die Menschen corona-bedingt die meiste Zeit daheim waren, sei ein Trugschluss. "Durch Schließung der gesamten Tourismusbranche ist so viel Müll weggefallen, den die privaten Haushalte gar nicht aufholen können", weiß Wulff-Gegenbaur. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 ist die Restmüllmenge aus einer Woche im März im Vergleich mit jener aus dem Vorjahr um insgesamt 58,4 Tonnen gesunken.

Und auch wenn andere große Nationen in Sachen Mülltrennung, Recycling und Co einiges an Nachholbedarf hätten und (noch) nicht am gemeinsamen Strang ziehen würden, könne man hierzulande dennoch einen Beitrag leisten: "Es ist wichtig, dass etwas gemacht wird – und einer muss ja damit anfangen."

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 08.02.2023 um 02:11 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/warum-muelltrennung-so-wichtig-ist-117240238

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