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Warum Salzburg im Jahr 1920 die Sommerzeit verweigerte

Salzburg drehte die Uhr im Jahr 1920 um eine Stunde zurück. LMZ
Salzburg drehte die Uhr im Jahr 1920 um eine Stunde zurück.

Noch knapp einen Monat läuft die Online-Befragung zur Sommerzeitregelung der EU-Kommission. Ob die Zeitumstellung abgeschafft wird, steht derzeit noch in den Sternen – unmöglich scheint es aber nicht. Die Diskussion über ihre Abschaffung ist nicht neu. So hielt sich das Land Salzburg 1920 als einziges Bundesland in Österreich nicht an die Vorgabe und ging seinen ganz eigenen Weg.

Wagt man einen tieferen Blick in die Geschichte der Zeitumstellung, wird schnell klar, dass diese alles andere als leicht durchzusetzen war. Nämlich schon vor der eigentlichen und langfristigen Einführung der Sommerzeit im Jahr 1979 unternahm man in Österreich immer wieder – teils klägliche – Versuche, die Zeit im Sommer um eine Stunde vorzustellen. So verordnete Österreich-Ungarn mitten im Ersten Weltkrieg die Sommerzeit mit dem Argument, die energieintensiven Materialschlachten des Kriegs zu unterstützen, indem an langen Sommerabenden weniger Beleuchtung nötig war.

Hasenauer: "Wir brauchen keine Zeitumstellung"

Nach Kriegsende wurde die Umstellung 1919 kurzerhand abgesagt, aber im Folgejahr in ganz Österreich wieder eingeführt. Anfangs auch in Salzburg. Doch Salzburg wehrte sich – und war erfolgreich: So stimmten die Mitglieder der provisorischen Landesversammlung mehrheitlich für eine Rücknahme der Zeitumstellung. „Nachdem wir den Krieg hinter uns haben, brauchen wir keine Sommerzeit mehr. Es wird darum ersucht, dass von Seiten des Landesrates unbedingt dahin gewirkt wird, dass diese Verfügung, die allen republikanischen Anschauungen widerspricht und nur zum Zwecke des Krieges und der Menschenabschlachtung gestellt war, außer Kraft gesetzt wird", stand im Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Johann Hasenauer und "Genossen". Sein Parteikollege Johann Eiböck sah eine ungünstige Zweiteilung der Zeit, da sich die Bauern weiterhin nach der Sonne, die Industriebetriebe aber nach der verordneten Sommerzeit richten würden.

Originaldokument des Salzburger Landtages aus dem Jahr 1920./LMZ Salzburg24
Originaldokument des Salzburger Landtages aus dem Jahr 1920./LMZ

Salzburg der Zeit voraus

Einen Monat nach der österreichweiten Einführung wurden die Uhren am 1. Mai in Salzburg also wieder um eine Stunde zurückgedreht. Ausnahmen bestätigten aber auch hier die Regel. Denn die Staatsbahnen in Salzburg fuhren weiterhin nach der Sommerzeit, bestätigt Stefan Mayer und Grenzfall-Experte des Landes Salzburg auf Anfrage von SALZBURG24. Erstaunlich und untypisch war jedenfalls, dass der Bund den Salzburgern ihren Willen ließ. Das wäre aus heutiger Sicht jedenfalls nicht (mehr) denkbar, da der Bund die alleinige Kompetenz besitzt, die entsprechenden Regelungen zu treffen.

„Ich mutmaße, dass anno 1920 die Ermächtigung des Bundesgesetzgebers in dieser Frage einfach nicht so klar geregelt war und das Salzburger 'Vorpreschen' zumindest geduldet und ohnehin durch das Auslaufen der Sommerzeit im Folgejahr rechtlich saniert war“, so Mayer.

Mit der österreichweit letzten Sommerzeit bis zu den Jahren im Zweiten Weltkrieg dürfte Salzburg mit seiner „Extrawurst“ also den Trend bereits vorweggenommen haben.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:28 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/warum-salzburg-im-jahr-1920-die-sommerzeit-verweigerte-58645969

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