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Was Start-ups in der Flüchtlingskrise tun können

Abdelhameed Sharara und sein Team beim Erfahrungsaustausch in Salzburg Coworking Salzburg/Sigl
Abdelhameed Sharara und sein Team beim Erfahrungsaustausch in Salzburg

Die Flüchtlingskrise hat einen wirtschaftlichen Aspekt. Auf Herkunftsseite müssen Perspektiven für junge Leute geschaffen werden, eine Beschäftigung zu finden, die das Überleben sichert. In den Zielländern – wie Österreich – braucht es dagegen Initiativen, die angekommenen Flüchtlingen und hier angesiedelten Unternehmen ermöglicht, zueinander zu finden. Beides passiert gerade. Und in Salzburg laufen die Fäden zusammen.

Anerkannte Flüchtlinge suchen nach Jobs und viele einheimische Unternehmen sind auch bereit, sie einzustellen. Auf beiden Seiten gibt es aber viele Unsicherheiten. Das Team um Mario Wagner, Wolfgang Tonninger, Michaela Binder und Romy Sigl, allesamt Unternehmer aus der Salzburger Start-up-Szene, will Unternehmen und anerkannte Flüchtlinge miteinander vernetzen. Mit der Initiative Fair Matching helfen sie einerseits Qualifikationen und Jobwünsche von Asylberechtigten aufzunehmen und beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen. Andererseits sei auch die Unsicherheit der Unternehmen groß, was auf sie zukommt, wenn sie Asylberechtigte einstellen, erklärte der Software-Entwickler Mario Wagner im Gespräch mit SALZBURG24. Dabei haben Flüchtende, sobald sie einen positiven Asylbescheid bekommen, die gleichen Rechte wie Österreicher. Für den Arbeitgeber macht es also rechtlich keinen Unterschied, wen er anstellt.

Fair Matching: Das Genie unter anerkannten Flüchtlingen finden

Das Ideal der Fair-Matching-Initiative: Den nächsten Steve Jobs finden, meinte Coworking-Salzburg-Gründerin Romy Sigl. Neben Erfolgsgeschichten von Flüchtlingen, die schnell in qualifizierten Jobs in der Arbeitswelt Fuß fassen, stehen auch schwierigere Fälle. Gerade Afghanen tun sich im Bewerbungsprozess oft schwer und haben auch keinen Computer zur Verfügung, auf dem sie eine schreiben könnten. Hier hilft Fair Matching. Zwölf Flüchtlinge betreut man derzeit intensiv, drei wurde in den ersten Monaten schon zu Jobs verholfen. Eine aufwendige Tätigkeit, der alle neben ihren Vollzeit-Brotberufen nachgehen.

SALZBURG24-Redakteur Florian Gann im Gespräch mit Abdelhameed Sharara./Coworking Salzburg/Sigl Salzburg24
SALZBURG24-Redakteur Florian Gann im Gespräch mit Abdelhameed Sharara./Coworking Salzburg/Sigl

Blühende Szene in Ägypten

Auch die Start-up-Szene in Ägypten spielt eine Rolle im Flüchtlingsthema. Das Land hat in den letzten Jahren viel durchgemacht. Die Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jungen, ist seit der Wirtschaftskrise 2008 hoch, seit dem arabischen Frühling prägt politische Instabilität den nordafrikanischen Staat. So zumindest die Wahrnehmung aus europäischer Perspektive. Dabei gibt es in dem Land eine blühende Start-up-Szene. Allerdings eine lose Szene, die untereinander lange nicht „connected“, also verbunden war. Abdelhameed Sharara, der mittlerweile als einer der einflussreichsten Jungunternehmer Ägyptens gilt, wollte das ändern. Er gründete mit seinen Partnern das Unternehmen Rise Up, das ein Bindeglied unter Start-ups werden sollte. Im November 2013 ging der erste Gipfel, der Rise Up Summit über die Bühne. Das Datum fiel etwa mit dem Geburtstag des ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah al Sisi, kontroversen Gedenk-Veranstaltungen und einem Fußball-Spiel zwischen Ägypten und Ghana zusammen, Panzer waren auf den Straßen. Trotzdem fanden sich 2.000 Menschen bei dem Event am Greek Campus in Kairo ein.

Einen Teil der Rise-Up-Geschichte gibt's hier zum Nachhören. Sharara und Coworking Salzburg pflegen seit einem Coworking Camp 2014 engen Kontakt.

Start-ups schaffen Perspektiven für Syrer

Bis 2015 stieg die Teilnehmerzahl auf 4.600. 1.700 Start-ups aus dem mittleren Osten sind über Rise Up vernetzt. Was die Unternehmer dabei von anderen unterscheidet, ist, dass sie nicht nur profitgetrieben sind, sondern auch ein Effekt oder das Lösen von sozialen Problemen im Fokus steht.

Wie das mit dem Thema Flucht und Migration zusammenhängt? Erfolgsgeschichten wie jene um Rise Up schaffen für junge Ägypter eine Perspektive und zeigen, was in ihrer Heimat möglich ist. Auch viele Syrer gründen in Ägypten Start-ups, beide Länder pflegen historisch bedingt enge Verbindungen. Syrer haben so einen Grund, in der Region zu bleiben und sich dort eine Zukunft aufzubauen.

 

Aufgerufen am 18.02.2019 um 09:00 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/was-start-ups-in-der-fluechtlingskrise-tun-koennen-53118160

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