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In dieser Werkstatt wird Inklusion gelebt

Bei der Lebenshilfe arbeiten Salzburger mit Beeinträchtigung

Ob Hochzeitskerzen, Produkte aus Holz oder Sammelaussendungen: In der Werkstatt Fürbergstraße der Lebenshilfe in der Stadt Salzburg arbeiten 45 Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung tagtäglich hart und größtenteils selbstständig. Betreuer und FC-Pinzgau-Kicker Lukas Schubert hat uns einen Einblick in seine Tätigkeit gewährt und erzählt von den Herausforderungen bei seiner Arbeit.

Salzburg

Mit sportlich schnellen Schritten kommt uns Schubert vor dem Eingang der Werkstatt entgegen und holt uns ab. Er erklärt uns, dass im Haus aufgrund der Corona-Pandemie Maskenpflicht herrscht und die einzelnen Gruppen daher derzeit getrennt voneinander arbeiten. Wir begleiten Lukas in den zweiten Stock der Werkstatt. Dort befinden sich der Speisesaal und ein Aufenthaltsraum. Im Speisesaal stellt uns der Lebenshilfe-Mitarbeiter drei Beschäftigte vor, die heute Küchendienst schieben. "Ich kann mir mein Leben eigentlich nicht mehr ohne der Werkstätte Fürbergstraße vorstellen“, sagt er im Gespräch mit SALZBURG24. Der Ex-Bundesliga-Profi arbeitet seit seiner Rückkehr des Auslands-Abenteuers (von 2016 bis 2018 als Legionär in Irland und den USA, Anm.) für die Lebenshilfe in Salzburg.

Was Schubert bei der Lebenshilfe macht

"Meine offizielle Bezeichnung lautet Unterstützer für Menschen mit Beeinträchtigung", erzählt der 31-Jährige. Sein Arbeitsplatz ist die Werkstätte der Lebenshilfe in der Fürbergstraße.

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S24-Redakteur Johannes Posani (li.) beim Lokalaugenschein mit Lukas Schubert.

Hier arbeiten 45 Menschen mit Beeinträchtigung verteilt auf drei Ebenen. "Es gibt die 'Wachs-Kreativ-Gruppe', die beispielsweise Tauf- oder Hochzeitskerzen produziert, dazu gibt es die 'Holzgruppe', die aber vermehrt auf Industriearbeit umschwenkt", berichtet Schubert. Die "Wachs-Kreativ-Gruppe" verkauft zudem ihre Erzeugnisse in den Geschäftsräumlichkeiten, die sich ebenso in Werkstatt-Gebäude befinden. Im so genannten "Letter-Shop" werden Sammelaussendungen bearbeitet, die ausgedruckt, kuvertiert, gewogen und zur Post gebracht werden.

Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigung

Schubert ist Unterstützer der Haushaltsgruppe. In dieser sorgt der Ex-Bundesliga-Spieler gemeinsam mit sieben Klientinnen und Klienten dafür, dass im Speisesaal aufgedeckt und das Essen aufgewärmt wird, zudem achten sie darauf, dass es im Haus nirgends an Kaffee und Tee mangelt. Unter den 45 Beschäftigten gibt es Menschen mit Down-Syndrom und Turner-Syndrom, andere haben in der frühen Kindheit Krankheiten erlitten und Folgeschäden davongetragen. "Ein Klient ist beispielsweise als Kleinkind aus dem zweiten Stock gefallen", erzählt der Unterstützer.

Beschäftigte gefördert und gefordert

In der Werkstatt werden die Klientinnen und Klienten gefördert und gefordert. Angedacht ist, dass 80 Prozent der Tätigkeiten die Beschäftigten übernehmen, 20 Prozent die Unterstützer. "Das klappt nicht immer, aber oft", berichtet Schubert.

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S24-Redakteur Johannes Posani (li.) mit Lukas Schubert (mi.) beim Lokalaugenschein mit Lukas Schubert.

Ziel ist es, eine offene Werkstatt zu schaffen, sodass nicht mehr starr in Gruppen gedacht wird, sondern die Beschäftigten sich selbst aussuchen, welche Arbeit sie machen möchten. "Es gibt natürlich Klienten, die weniger flexibel sind und mehr in ihren Routinen stecken als andere, so wie das bei Menschen eben normal ist", berichtet der 31-Jährige. Küchendienst sei im Übrigen nicht besonders beliebt, schmunzelt Schubert.

Zwischen Werkstatt und Fußball

Der Alltag des Salzburgers ist aktuell zweigeteilt: "Ich arbeite 19 Stunden pro Woche in der Fürbergstraße und spiele dazu in der Regionalliga für den FC Pinzgau“, erklärt der Fußballer. Bei einem Aufstieg winkt Schubert gar ein Profivertrag in Saalfelden. In die Lebenshilfe ist er als Quereinsteiger gekommen: "Ich habe mich dort beworben und zur Probe gearbeitet, seitdem lerne ich jeden Tag dazu." Durch seine Arbeit hat Schubert "eine Seite der Gesellschaft entdeckt, die eigentlich oft sehr versteckt ist. Ich bin ein großer Anhänger der Inklusion."

 

Für die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung sollte man am besten ein bisschen Geduld aufbringen können: "Es ist doch alles ein bisschen entschleunigt", erklärt der Lebenshilfe-Mitarbeiter.

Schubert wünscht sich mehr Inklusion

Dass Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung auch in regulären Betrieben wertvolle Arbeit leisten, zeigen einige Erfolgsgeschichten. "Wir versuchen Praktika bei Firmen zu organisieren, wo einzelne Beschäftigte ein- oder mehrmals die Woche arbeiten können", erzählt Schubert. Das klappe oft sehr gut. "Eine Klientin packt beispielsweise einmal pro Woche die Waren in einem Modegeschäft aus. Das macht sie bereits seit Jahren."

 

Dennoch gestalte sich die Suche nach Praktika oft schwierig. "Ich würde mir noch mehr Inklusion in der Gesellschaft wünschen", erklärt der Lebenshilfe-Mitarbeiter, der sich zudem sicher ist "dass jeder Mensch mit intellektueller Beeinträchtigung auch in der freien Wirtschaft für Firmen einen Mehrwert bieten kann."

(Quelle: SALZBURG24)

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