Jetzt Live
Startseite Stadt
Stadt

Werner Purkhart im Sonntags-Talk: "Es muss sich etwas rühren in Salzburg!"

16 Jahre lang war Werner Purkhart in der Salzburger Veranstaltungsszene aktiv. Unter anderem gehen der Movida Beach, sowie die Event-Reihen Anderswelt und Trommel & Bass auf sein Engagement zurück. Im Sonntags-Talk haben wir uns mit dem Salzburger und früheren Club-Betreiber über seine Beweggründe, Erfahrungen mit der Stadt-Politik und die Wichtigkeit des Nachtlebens unterhalten.

Werner Purkhart hat das öffentliche Leben in der Stadt Salzburg stark mitgeprägt. Mit dem Movida Beach richtete der Veranstalter einen sommerlichen Treffpunkt für junge Menschen im Volksgarten ein. Auch mit seinen Veranstaltungsreihen sicherte er sich einen Fixplatz in der Salzburger DJ-Szene. Zuletzt führte Purkhart noch den Club Felsenkeller, zog sich dann allerdings gezwungenermaßen komplett aus dem Veranstalter-Bereich zurück.

SALZBURG24: Du bist vor allem als umtriebiger Veranstalter in Salzburg bekannt. Woher nimmst du die Motivation, das kulturelle Angebot in Salzburg abseits der Festspiele aufzupeppen?

WERNER PURKHART: Ich war früher einfach immer schon gerne auf richtig guten Partys. Doch die gab es hier dann plötzlich nicht mehr. Die Salzburger Herangehensweise in so einem Fall ist es ja, zu jammern und nichts zu tun. Das wollte ich so aber nicht hinnehmen und habe dann angefangen gemeinsam mit anderen selbst Feste zu veranstalten. Unsere ersten Goa-Partys waren Ende der 1990er-Jahre auf diversen Almhütten. Damals kamen schon um die 300 bis 400 Leute, der Bedarf an den Events war also durchaus vorhanden. Ein paar andere und ich, wir haben uns dann daran gemacht, Psytrance (Anm.: Psytrance und Goa sind Formen elektronischer Musik und stellen ein Subgenre der Trance-Musik dar) aus der Schmuddelecke zu holen und haben die Feste ordentlich organisiert. Im Jahr 2000 war dann die erste Anderswelt im Rockhouse. Unser Antrieb war damals eigentlich nichts Geringeres, als unsere Stadt zu verändern. Ziel war es auch, den Jugendlichen den Stolz zurückzugeben, Salzburger zu sein.  

Woher kommt eigentlich der Psytrance-Einfluss in deinen Veranstaltungen?

Psytrance ist eine meiner großen Lebenslieben. Mit 19 Jahren war ich das erste Mal auf einer – damals noch geheimen – Outdoor-Psytrance-Veranstaltung. Das hat mich sofort fasziniert. 1993 bin ich dann das erste Mal nach Indien gefahren. Allerdings nicht nach Goa, denn dort wäre ich sicherlich nicht mehr weggegangen. Goa und Psytrance hat es in Salzburg natürlich schon vorher gegeben. Mit der Anderswelt haben wir uns aber zur ältesten Psytrance-Crew in Österreich entwickelt.

"Silent Disco zu laut": Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Das Vorgehen der Stadt in Bezug auf die Silent Disco war eines der Paradebeispiele, wie man etwas nicht machen sollte. Vorangegangen ist dem Ganzen ja ein Streit um die Müllentsorgung. Im Jahr vor besagter Silent Disco haben wir ausgemacht, dass sich die Stadt um die Entsorgung kümmert. Das wurde aber leider nicht gemacht und man hat versucht, mir die Sache anzuhängen. Im Jahr 2014 musste ich deshalb die Silent Disco kurzfristig absagen. Der Bürgermeister hat dann auch noch den Fehler gemacht und vorlaufender Kamera gesagt, dass es eine Beschwerde wegen Lärmbelästigung gegeben hat. Da sind sie natürlich PR-technisch ins offene Messer gelaufen, sogar die Zeit im Bild und FM4 haben damals darüber berichtet.

Wer tritt in die Lücke, die der Felsenkeller hinterlässt?

Ich finde, dass die bestehende Clublandschaft nicht die Lücke füllen kann, die der Felsenkeller hinterlässt. Ich sehe das Potential weder im Atrium noch in der Innenstadt. Es ist natürlich immer eine Frage von Angebot und Nachfrage. Ich wüsste allerdings nicht, wer sich das aktuell dazu bereit erklärt, seinen Kopf in die Schlinge zu halten. Du musst eigentlich partiell wahnsinnig sein, wenn du heutzutage in diese Branche einsteigen möchtest. Es fehlen die Leute, die sich dafür stark machen und einen Zugang zur Jugend haben. Das hat die Stadt Salzburg komplett verloren.

Hast du jemals mit dem Gedanken gespielt, selbst in die Politik zu gehen?

Durchaus. Ich muss klar sagen, dass es mir grundsätzlich Spaß machen würde, mit interessanten und fähigen Leuten eine eigene Partei zu gründen. Ich habe zwar eine grundsätzlich sozialdemokratische Ausrichtung, sehe mich aber in keinem politischen Lager vertreten. Vielleicht ändert sich das ja noch. Das Problem in Salzburg ist aber auf jeden Fall das Proporzsystem.

Was schätzt du an der Stadt Salzburg?

Ich bin schon wirklich ein Salzburg-Fan. Vor der Schönheit der Stadt muss man wirklich den Hut ziehen. Man darf sich täglich beeindrucken lassen, wenn man mit offenen Augen durch Salzburg geht. Wenn ich in der Früh meinen Kleinen in die Krabbelstube bringe, dann geht mir jedes Mal das Herz auf. Es sind eben auch manche Viertel abseits des Stadtkerns, die ihren Charme haben.  

Wirst du jemals aufhören, dich in der Stadt Salzburg zu engagieren?

Schwierige Frage. Das Veranstalten auf selbstständiger Basis habe ich nun 16 Jahre lang gemacht, derzeit ist es nicht mein beruflicher Lebensmittelpunkt. Ich brauche sicherlich etwas Zeit, denn auch meine Wunden aus dieser Zeit müssen heilen. Um die Frage zu beantworten, ich glaub nicht, dass ich jemals aufhören werde mich zu engagieren. Grundsätzlich muss ich mich nicht in Form von Partys einbringen, im weitesten Sinne soll es aber mit Jugendkultur zu tun haben.

Es muss sich einfach etwas rühren in Salzburg, sonst will ich in dieser Stadt nicht leben!

Worauf bist du besonders stolz?

Auf die Unite Parade-Abschlusskundgebung am Residenzplatz. Das Ganze mit einer 70.000-Watt Anlage – das war scharf! Noch dazu war das damals mein 30. Geburtstag. Wie ich da den Regler nach oben geschoben habe und plötzlich 70.000 Watt loslegten, das stellt es mir heute noch die ‚Ganslhaut‘ auf.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich will weiterhin für die Allgemeinheit nützlich sein und positive Inputs geben. Außerdem will ich die Kraft haben, Dinge zum Guten zu ändern. Für Salzburg wünsche ich mir, dass sich die richtigen Leute finden und das Potential der Stadt wieder hervorbringen. Sie sollen die Blockaden, die Salzburg so in kultureller Geiselhaft halten, wegsprengen!

 

Vielen Dank für das nette Gespräch Werner, nun haben wir noch ein paar Entweder-Oder-Fragen für dich, können wir loslegen?

Aber natürlich.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Frühaufsteher

Lederhose oder Anzug? Anzug

Fleisch oder vegetarisch? Vegetarisch

Spontan oder durchgeplant? Durchgeplant

Imbiss oder Sterneküche? Thai-Imbiss

Festspiele oder Jugendfestival? Jugendfestival

Bier oder Wein? Wein

Band oder DJ? DJ

Kaffee oder Tee? Tee

Berge oder Strand? Strand

Fahrrad oder Auto? Fahrrad

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 12.05.2021 um 09:30 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/werner-purkhart-im-sonntags-talk-es-muss-sich-etwas-ruehren-in-salzburg-55316017

Kommentare

Mehr zum Thema