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Wie entkommt man einem Urlaubs-Fiasko?

Die Salzburger Arbeiterkammer gibt wertvolle Tipps wie man sich unliebsame Urlaubserfahrungen sparen kann.

Ein Salzburger Ehepaar erlebte im Urlaub die Hölle: Am Strand tummelten sich so viele lärmende Badegäste, dass das Militär anrücken musste, um für Sicherheit zu sorgen. Es gab zu wenig zu essen, dafür umso mehr Müll, Dreck, Krawall und sogar teilweise Badeverbot. Von einem erholsamen Karibik-Urlaub war für ein Salzburger Ehepaar keine Rede. Das ist kein Einzelschicksal, wie die Arbeit der AK-Experten zeigt. „Jeder hat sich nach einem Arbeitsjahr Erholung verdient. Wir schauen darauf, dass Urlaub nicht zum Schreckgespenst wird!“, sagt Salzburgs AK-Präsident Siegfried Pichler. Die Fachleute der Arbeiterkammer haben viele Tipps für eine gelungene Sommerfrische parat.

Für Reiseveranstalter gilt die Prospektwahrheit

AK-Expertin Andrea Kinauer: „Der Reiseveranstalter ist für die ordnungsgemäße Durchführung der Reise verantwortlich. Dazu gilt die Prospektwahrheit. Aus unserer Sicht hat im konkreten Fall der Urlauber ein Recht auf Entschädigung!“. Kinauer ist überzeugt, dass eine Gesamtpreisminderung in der Höhe von 50 Prozent des Reisepreises angemessen ist. Der Reiseveranstalter bietet bisher aber nur 10 Prozent an. „Das ist zu wenig, wir werden nochmals intervenieren“, sagt Kinauer.

Zahl der unzufriedenen Urlauber steigt

Der Fall des Lehrer-Ehepaares ist kein Einzelschicksal. So wie den beiden Salzburgern geht es leider jedes Jahr vielen Erholungssuchenden. Ein Fünftel (19 Prozent)  der 1.577  Konsumentinnen und Konsumenten, die 2011 in der AK Rat in Reiserechtfragen gesucht hatten, schlugen sich mit Mängel herum, die während der Reise oder des Urlaubs aufgetreten sind. Insgesamt  ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 11 Prozent (1.408 Reise-Anfragen im Jahr 200). „Die verlorene Erholung können wir den Menschen nicht ersetzen, aber wir können dafür kämpfen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten wenigstens eine angemessene Entschädigung bekommen!“, sagt dazu AK-Präsident Siegfried Pichler.

Was im Prospekt steht, muss wahr sein

Grundsätzlich gilt das Prinzip der Prospektwahrheit: Alles, was der Reiseprospekt beschreibt oder bebildert, gilt als Vertragsbestandteil. Fehlen versprochene Leistungen, oder werden diese nur minderwertig erbracht, hat der Reisende Recht auf Gewährleistung. Wenn man am Urlaubsort keine Verbesserung erreichen kann, sowie im aktuellen Fall, gilt es, Beweise mit Fotos und Videos zu sichern und sich eine schriftliche Mängelliste von der örtlichen Reiseleitung bestätigen zu lassen. Nach der Rückkehr vom Urlaub sollten diese Mängel unverzüglich beim Reiseveranstalter geltend gemacht werden. Die Reklamation sollte schriftlich erfolgen und alle Kritikpunkte detailliert enthalten. Die Reisepreisminderungen sollten in bar gefordert werden. Bei Preisminderung oder Schadenersatz muss man sich nicht mit einem Gutschein zufrieden geben, es besteht Anspruch auf Geldersatz.

Frankfurter Tabelle schafft Abhilfe

Hilfreich bei der Bewertung der Probleme und Mängel ist die sogenannte „Frankfurter Tabelle“. Dort finden sich die häufigsten Mängel und die dazugehörigen Preisminderungssätze in Prozent, ausgehend vom Gesamtreisepreis. Die angeführten Prozentsätze sind allerdings nicht verbindlich, sondern stellen nur Richtwerte dar. In der AK-Broschüre „Ihre Rechte im Urlaub“ und in der AK-Broschüre „Die Koffer sind gepackt“ findet sich diese Frankfurter Tabelle im Anhang. Die Gewährleistungsansprüche verjähren übrigens innerhalb von zwei Jahren nach der Rückreise. Dies gilt, sofern die Buchung in Österreich vorgenommen wurde. Wenn der Reiseveranstalter einen erheblichen Teil der vertraglich vereinbarten Leistung nicht erbracht hat und dies auf einem dem Reiseveranstalter zurechenbaren Verschulden beruht, hat der Reisende überdies auch Anspruch auf angemessenen Ersatz der entgangenen Urlaubsfreude, so z.B. bei Mängel durch verdorbenes Essen oder Verletzungen etwa durch lose Fliesen. Dann kann man neben der Gewährleistung auch Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude, abhängig von der Dauer und Schwere des Mangels, dem Grad des Verschuldens des Reiseveranstalters, dem Zweck der Reise und der Höhe des Reisepreises geltend machen. Die Erheblichkeitsgrenze liegt bei derzeitiger Rechtsprechung bei etwa 30 bis 40 Prozent, also bei einem Mangel, der zu einer Preisminderung von 30 bis 40 Prozent des Reisepreises berechtigt, abhängig vom Einzelfall. Der Ersatz ist mindestens 50 Euro pro Tag und Person zu bemessen.

Buchungen sind Verträge mit allen Konsequenzen

Rund um das Buchen einer Reise gibt es weit mehr zu beachten, als in der Urlaubs-Vorfreude oft bedacht wird. AK-Konsumentenschützerin Andrea Kinauer: „Konsumentinnen und Konsumenten geraten vielfach in Nachteil, weil sie nicht ausreichend informiert sind. Vielen ist beispielsweise nicht klar, dass eine Reisebuchung ein Vertrag ist, mit allen Konsequenzen. Gut informiert zu sein, verhindert Probleme und macht stark, wenn es nachträglich doch zu solchen kommt!“ Grundsätzlich kann ein Reisevertrag schriftlich, mündlich oder im Internet abgeschlossen werden. Der Vertragspartner ist dabei der Reiseveranstalter, der damit auch für die Durchführung der gebuchten Reise verantwortlich ist. Das Reisebüro (auch das virtuelle) ist lediglich Vermittler. Wichtig für die Konsumentinnen und Konsumenten sind Fakten wie: Firmenname und Adresse des Vertragspartners (Vorsicht vor Postfachadressen!), Gesamtreisepreis, Zahlungsbedingungen, inkludierte Leistungen, Transfer, Unterbringung, Verpflegung, Reisezeitraum, Insolvenzabsicherung, Kontaktmöglichkeiten, Stornobedingungen, Widerrufsmöglichkeit. Wenn sämtliche Informationen zur Verfügung stehen, ist der Vertragsabschluss unbedenklich.

Last minute muss einen Preisvorteil bedeuten

Die AK Wien hat übrigens 2009 beim Oberlandesgericht Wien eine Entscheidung erwirkt, dass eine als Last Minute ausgeschilderte Reise billiger sein muss als im Katalog. Wenn es keinen Preisvorteil gibt, wird der Konsument getäuscht und das ist unzulässig und unlauterer Wettbewerb. „Es gibt sogar Fälle, in denen Last Minute teurer ist als im Katalog“, wissen die AK-Experten.
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 02:00 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/wie-entkommt-man-einem-urlaubs-fiasko-59357398

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