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Winterbilanz: Wärmer, trüb und viel Schnee

Der Winter war zwar wärmer als im Schnitt, brachte aber viel Schnee. APA/Gindl/Archiv
Der Winter war zwar wärmer als im Schnitt, brachte aber viel Schnee.

Der Winter 2017/2018 verlief bisher recht unterschiedlich, jeder Monat hatte seine eigene Charakteristik. So viel lässt sich vorwegnehmen: Es war warm, trüb und es gab viel Schnee.

Den meteorologischen Winter 2017/18 prägten drei sehr unterschiedliche Monate: Im Dezember war es in den Niederungen etwas zu mild und auf den Bergen relativ kalt, dann folgten der drittwärmster Jänner der Messgeschichte und ein kalter Februar. Auf den Bergen war es sogar einer der vier der kältesten Februar-Monate der letzten 32 Jahre (gemeinsam mit 2012, 2005 und 1986).

Fast 45 Grad Unterschiede in Höchst- und Tiefstwert

"Das ergibt insgesamt einen leicht zu milden Winter, mit 0,8 °C über dem vieljährigen Mittel", zieht Alexander Orlik eine erste Bilanz, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Beachtlich ist die große Temperaturspanne: Der Höchstwert dieses Winters wurde mit 19,1 °C am 29. Jänner in Eisenstadt gemessen. Ende Februar kühlte es dann in bewohnten Regionen unter -25 °C ab, wie am 26.2. in Flattnitz in den Gurktaler Alpen und in St. Michael im Lungau. Auf den Bergen, wie am Sonnblick in Salzburg und am Brunnenkogel in Tirol, lagen die Tiefstwerte Ende Februar sogar unter -30 °C."

Ein Viertel mehr Schnee und Regen

25 Prozent mehr Regen und Schnee bedeuten einen der vier niederschlagsreichsten Winter der letzten 30 Jahre. Die regionale Auswertung zeigt allerdings sehr große Unterschiede: Sehr viel geregnet und geschneit hat es vor allem im Großteils des Berglands. Zum Beispiel gab es in Teilen von Tirol und Kärnten rund 50 bis 130 Prozent mehr Niederschlag als in einem durchschnittlichen Winter. Um 15 bis 40 Prozent zu trocken war es dagegen besonders entlang der Donau und nördlich davon sowie stellenweise im südlichen Niederösterreich und im Mürztal.

Größtenteils viel Schnee und wenig Sonne

In vielen Regionen des Berglands lagen auch die Schneedeckentage und die Neuschneesummen deutlich über dem Mittel. So war zum Beispiel die Neuschneesumme im Gebiet vom Arlberg bis zum Hochschwab-Gebiet um rund 50 bis 100 Prozent über den Werten eines durchschnittlichen Winters.

Sonne kommt in diesem Winter selten durch

Die Zahl der Sonnenstunden lag im meteorologischen Winter 2017/18 um 15 Prozent unter dem vieljährigen Mittel. Das ist der trübste Winter seit 2009/10.

Der drittwärmste Jänner der instrumentellen Messperiode begünstigte einen Blühbeginn von Vorfrühlingspflanzen, wie Hasel, Schneeglöckchen und Winterling, der etwa drei bis vier Wochen früher als im langjährigen Schnitt einsetzte. Während des deutlich kühleren Februars sind lediglich die Haselkätzchen in den tiefen Lagen abgeblüht und hie und da öffneten sich die ersten Kätzchen der Sal-Weide.

Trend zu milderen Wintern hält an

Der Winter 2017/18 zeigt deutlich, wie groß die Schwankungen sind, die in den langfristigen Erwärmungstrend eingelagert sind, der seit einigen Jahrzehnten in allen Regionen und Höhenlagen Österreichs ungebrochen besteht. Seit den 1930er-Jahren wurden die Winter im Durchschnitt um etwa 0,25 Grad pro Jahrzehnt wärmer. Die sehr kalten Winter wurden deutlich seltener und die sehr milden Winter deutlich häufiger.

In den Niederungen kamen die vier wärmsten Winter der Messgeschichte in den letzten 20 Jahren vor. Auf den Bergen gab es in den letzten 30 Jahren die sieben wärmsten Winter der rund 250-jährigen Messgeschichte. Seit 1964 kam im Tiefland kein einziger Winter unter die 50 kältesten Winter der Messgeschichte. Auf den Bergen kamen seit 1964 nur die Winter 2011/12, 1984/85, 1980/81 unter die 50 kältesten der Messgeschichte.

Die Temperaturen im Detail

Nahezu bis zum Ende des meteorologischen Winter war es, vor allem in den Niederungen, meist mild und teils rekordverdächtig warm. In den letzten Tagen des Februars erfasste Mitteleuropa ein markanter Kaltlufteinbruch, der Österreich mit polarer Kaltluft förmlich überschwemmte. Im Gesamten war dieser Winter, trotz diesem extrem kalten Ende, in den Niederungen immer noch um 0,8 °C wärmer als das klimatologische Mittel 1981-2010. Der relativ kalte Februar (Abw. -2,1 °C) konnte dem relativ milden Dezember (Abw. +0,8 °C) und dem extrem warmen Jänner (Abw. +3,8 °C) nur wenig entgegensetzten. In den hochalpinen Lagen sah es dagegen anders aus: Der Jänner war mit einer Abweichung zum klimatologischen Mittel von +2,0 °C (Bergwetterstationen) deutlich zu warm, jedoch im Dezember war es hier um 1,2 °C kälter als im Mittel. Auf den Bergen gehört der Februar 2018 mit einer Abweichung von -3,9 °C sogar zu einem der kältesten der vergangenen 32 Jahre.

Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und das Burgenland waren in diesem Winter mit einer Abweichung zum Mittel 1981-2010 von 1 bis 1,5 °C die relativ wärmsten Gebiete des Landes. In der Steiermark (etwa südlich von Mur und Mürz) sowie in den tieferen Lagen Unterkärntens lagen die Anomalien zwischen 0,3 und 1 °C. Ausgeglichene Temperaturverhältnisse gab es in den inneralpinen Regionen von Vorarlberg bis Oberkärnten bzw. in die Obersteiermark unterhalb von etwa 1200 m Seehöhe. Oberhalb von 1200 m war der meteorologische Winter 2017/2018 um 0,6 °C kälter als das klimatologische Mittel.

Sonnblick knackt Minus-30-Grad-Marke

Die -30 °C-Marke wurde in Österreich seit dem Februar 2012 (Brunnenkogel, 3437 m, -31,5 °C am 10.2.) erstmals wieder unterboten. Am Sonnblick (S, 3109 m) im Salzburger Pinzgau fiel am 27. Februar die Lufttemperatur auf -31,9 °C. Das ist hier der tiefste Wert seit dem Jahr 1987 (-32,6 °C am 12. Jänner).

Auf der anderen Seite steht der drittwärmste Jänner der Messgeschichte, in dem es insgesamt sechs Tage gab, an denen die Temperatur über 15 °C stieg. Am 29.1.2018 wurden im Osten und Südosten des Landes Tagesmaxima von bis zu 19,1 °C gemessen. An vielen Wetterstationen, vor allem entlang der Donau und im Weinviertel, wurde bis zum Monatsende des Februars nicht ein einziger Eistag (Tmax < 0°C) registriert. In Wien musste man damit bis zum 25. Februar warten. Keine Eistage gab es an dieser Wetterstation in einem Winter noch nie. Und auch in diesem Winter trat dieser Fall nicht ein.

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