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Wohnungsnot in Salzburg im Mittelstand angekommen

In Salzburg haben 1078 Menschen keine Wohnung. 144 leben auf der Straße. Die Wohnungsnot betrifft jetzt auch den Mittelstand dpa
In Salzburg haben 1078 Menschen keine Wohnung. 144 leben auf der Straße. Die Wohnungsnot betrifft jetzt auch den Mittelstand

Zum zweiten Mal fand am Dienstag in der Stadt Salzburg der Tag der Wohnungsnot statt. Die Zahl der Menschen, die keine feste Bleibe haben, steigt stetig an. Die Wohnungsnot ist inzwischen im Mittelstand angekommen, so die Experten. Die meisten Menschen ohne Wohnung in Salzburg sind Österreicher.

1.078 Menschen haben in der Stadt Salzburg keinen festen Wohnsitz. Am stärksten betroffen sind Österreicher (613 Menschen) und Angehörige aus Drittstaaten, also nicht EU-Bürger (194 Menschen). Seit 2003 gehen die Zahlen der Wohnungslosen nach oben. Das ergab die Wohnungslosenerhebung 2013, herausgegeben vom „Forum Wohnungslosenhilfe Salzburg". Die Ergebnisse wurden am Dienstag bei der Pressekonferenz anlässlich des zweiten Tages der Wohnungsnot präsentiert.

Wohnungsnot: Zahlen verdoppelt

Besonders erschreckend: 114 Menschen müssen in Salzburg auf der Straße schlafen. Sie kommen weder in Notschlafstellen noch bei Bekannten oder sozialen Einrichtungen unter. Davon sind 59 österreichische Staatsbürger. Im Vorjahr waren es noch 42. „Bei den Leuten, die wirklich obdachlos sind und auf der Straße schlafen müssen, gab es den stärksten Anstieg", sagt Robert Buggler von der Salzburger Armutskonferenz. Sie schlafen in Autos, Abrisshäusern, Tiefgaragen, im Wald, oder an Bahnhöfen. Er weist jedoch auch darauf hin, dass diese Zahlen generell stark schwanken. Insgesamt hat sich die Zahl der Wohnungslosen von 2003 auf 2013 verdoppelt.

„Schande" für Salzburg

Als „Schande" für die Stadt Salzburg bezeichnet Gudrun Hagen vom Verein Frauentreffpunkt, dass es kein angemessenes Wohnangebot für Frauen in Not gibt. Die fünf Frauennotwohnungen in der Stadt seien an strenge Bedingungen geknüpft. Eine spezielle Nothilfe für Frauen ohne Wohnung, wie etwa in Bregenz oder Innsbruck gebe es in Salzburg nicht. „Das ist, als würde sich eine Stadt erlauben, keine Kindergärten anzubieten", so Hagen.

Mittelstand immer öfter betroffen

Vor zehn Jahren waren noch hauptsächlich Menschen mit niedrigem Einkommen gefährdet in die Wohnungslosigkeit abzurutschen, heute sei man immer mehr mit Personen aus dem Mittelstand konfrontiert, die sich die Miete nicht mehr leisten können, so Gudrun Hagen. Außerdem darf man Wohnungsnot nicht mit Bettlern gleichsetzen. „Die Bettler sind nur die Armut, die man sieht. Täglich kommen Leute mit ihren Schicksalen zu uns. Menschen, die niemand sieht.", erzählt Johann Dines von der Caritas Salzburg.

Hohe Mietpreise sind großes Problem

Die Gründe, warum Menschen ihr Dach über dem Kopf verlieren, sind vielfältig. Die Expertenrunde auf der Pressekonferenz will sich nicht auf konkrete Faktoren festlegen. „Oft sind vorher Beziehungen in die Brüche gegangen", meint Anton Waltl von VinziDach. Frauen können wegen ihren niedrigen Einkommen häufig keine Rücklagen für Krisen bilden, ergänzt Gudrun Hagen. Ein ganz eindeutiger Grund, warum man sich Wohnungslose aus dieser Situation nicht mehr befreien können, seien die aber hohen Mietpreise. Da ist man sich einig. Die Lücke zwischen Sozialzuschüssen und Mietniveau klaffe stark auseinander.

Wohnbaupolitik mit Sozialpolitik verbinden

„Wohnungspolitik ist ein großes Thema in der Öffentlichkeit, auch im Wahlkampf. Aber um Leute ohne Dach über dem Kopf kümmert sich niemand, die fallen durch den Rost.", sagt Robert Buggler. Bei der Wohnbedarfserhebung des Landes gab es die Kategorie „wohnungslos" gar nicht. In Salzburg brauche es mehr und günstigere Wohnungen und mehr Sozialleistungen für Menschen in Wohnungsnot.

(Quelle: S24)

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