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"Women meet Media": Der Chefredakteurinnen-Talk

Der Chefredakteurinnen-Talk an der Uni Salzburg. Im Bild von links: Anna Dobler (Stv. Kommunikationswissenschaft, Moderation), Ricky Knoll (Bezirksblätter), Michaela Gründer (Apropos und Präsidentin der Salzburger Medienfrauen), Alexandra Föderl-Schmid (Standard), Elisabeth Wasserbauer (Kuratorium für Journalistenausbildung) Nicole Schuchter (Salzburg24.at), Martina Thiele (Universität Salzburg, Fachbereich Kommunikationswissenschaft). V.Posch
Der Chefredakteurinnen-Talk an der Uni Salzburg. Im Bild von links: Anna Dobler (Stv. Kommunikationswissenschaft, Moderation), Ricky Knoll (Bezirksblätter), Michaela Gründer (Apropos und Präsidentin der Salzburger Medienfrauen), Alexandra Föderl-Schmid (Standard), Elisabeth Wasserbauer (Kuratorium für Journalistenausbildung) Nicole Schuchter (Salzburg24.at), Martina Thiele (Universität Salzburg, Fachbereich Kommunikationswissenschaft).

Wie bereits im letzten Jahr veranstaltete die Studienvertretung Kommunikationswissenschaft auch heuer wieder die beliebte Podiumsdiskussionsreihe „Women Meet Media“. Im Mittelpunkt stand am Montagabend die spannende Frage, wie Frauen in Medienberufen die gläserne Decke durchbrechen können.

Auf dem Podium diskutierten Alexandra Föderl-Schmid vom Standard, Michaela Gründler von Apropos, Nicole Schuchter von salzburg24.at, Ricky Knoll von den Bezirksblättern und Vorstands-Frau der Salzburger Medienfrauen, Martina Thiele vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft und Elisabeth Wasserbauer vom Kuratorium für Journalistenausbildung über Frauenquote, Aufstiegschancen und geschlechtergerechte Formulierungen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anna Dobler, Vorsitzende der Studienvertretung KoWi, und Martina Gerlitz.

"Frauen trauen sich Führungsposition oft nicht zu"

Rund 80 Gäste folgten der Podiumsdiskussion, die in diesem Jahr  in Kooperation mit dem Kuratorium für Journalistenausbildung, an der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät stattfand. Schnell wurde deutlich: Häufig stehen sich Frauen auf dem Sprung nach oben selbst im Weg. „Als ich das Angebot erhielt, Chefredakteurin des Standards zu werden, habe ich erst gezögert“, gestand Alexandra Föderl-Schmid, Absolventin des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg. Kein Wunder, Frauen seien häufig zu zögerlich und unentschlossen, Chancen zu ergreifen, so die einhellige Meinung der Podiumsgäste.

Die Gründe hierfür sind ganz unterschiedlicher Natur: Familienplanung einerseits, aber auch die Angst, wie das Umfeld auf eine Beförderung reagiert. Hier haben Frauen oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, nicht nur wegen ihrer Qualifikation ausgewählt worden zu sein. Allerdings - und das wurde als das eigentliche Problem identifiziert - ist es ein steiniger Weg, bis man überhaupt an der Schwelle zum Aufstieg steht.

"Auf den Zufall kann man nicht warten"

Der Zufall spielt mitunter eine wichtige Rolle: „Man muss auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, weiß Alexandra Föderl-Schmid zu berichten. Ricky Knoll aus dem Vorstand der Salzburger Medienfrauen befürchtet, dass Glück und Zufall alleine nicht ausreichen, sie ist eine entschiedene Verfechterin der Frauenquote: „Auf den Zufall kann man nicht warten“, so Knoll. Um den Einstieg in den Journalismus aber überhaupt zu meistern, sind Praktika unerlässlich, so die Meinung von Michaela Gründler, Präsidentin der Salzburger Medienfrauen, die schon Dutzende Praktikanten bei der Straßenzeitung Apropos betreut hat. Den Sprung von der Theorie in die Praxis hat auch die Chefredakteurin von salzburg24.at, Nicole Schuchter, früh gewagt und ist heute eine der jüngsten Chefredakteurinnen im deutschsprachigen Raum. Auch sie weiß um die Notwendigkeit von Studium und Praktika für den beruflichen Erfolg in den Medien.

Dass aber nicht nur die gläserne Decke, sondern auch prekäre Anstellungsverhältnisse -wohlgemerkt- geschlechterübergreifende Probleme im Journalismus sind, zeigten auch die Zahlen, die Elisabeth Wasserbauer und Martina Thiele in die Diskussion einwarfen: Die Zahl der jungen Journalistinnen und Journalisten, die nach dem Studium in schlecht bezahlte Anstellungsverhältnissen unterkommen, nimmt kontinuierlich zu. Allerdings - und hier sprechen die Statistiken eine deutliche Sprache - sind Frauen nach wie vor stärker benachteiligt: Sie sind in der Regel besser ausgebildet, verdienen aber weniger als ihre männliche Kollegen und kommen viel seltener in Führungspositionen. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren die Situation von Frauen in Medienberufen gebessert, allerdings gibt es noch großen Nachholbedarf. Einen Schritt in die richtige Richtung praktiziert Föderl-Schmid bereits: Sie spricht werdende Väter in ihrer Redaktion offen auf die Option der Karenzzeit an. In dieser Frage ist aber auch die Politik gefordert, so die abschließende Meinung der Gäste.

(Quelle: S24)

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