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Zukunft der Energie in Salzburg: "Werden uns an Windräder gewöhnen müssen"

Im Bild (v.li.): Florian Ermacora, Angela Köppl, Nebojsa Nakicenovic, Stefan Veigl, Janez Kopac, Wolfgang Anzengruber und Ivo Milatic. SALZBURG24/Berger
Im Bild (v.li.): Florian Ermacora, Angela Köppl, Nebojsa Nakicenovic, Stefan Veigl, Janez Kopac, Wolfgang Anzengruber und Ivo Milatic.

"Wir werden uns an Windräder und Photovoltaik-Anlagen im Landschaftsbild gewöhnen müssen", machte Janez Kopac von der Energy Community in Wien, am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion im Salzburger Kongresshaus deutlich. Ein richtungsweisender Satz für das Windkraft-Projekt in Weißpriach (Lungau)? Wir waren für euch bei Expertenrunde im Rahmen der Konferenz Europäischer Regionen und Städte dabei.

Im Laufe der Industrialisierung habe der Mensch beispielsweise auch Eisenbahnstrecken und Telefonmasten als Notwendigkeit für ein modernes Leben akzeptiert, so Kopac. Der nächste Schritt seien nun Anlagen für erneuerbare Energie. Zwar gibt es bis dato kein einziges Windrad im Bundesland, das könnte sich im kommenden Jahr aber endgültig ändern. Im März 2019 sollen alle Lungauer Gemeindevertreter über ein Projekt in Weißpriach entscheiden. Tendenziell biete zwar der Osten Österreichs die besten Voraussetzungen,"aber auch kleine Potenziale müssen genutzt werden, um die ambitionierten Energieziele zu erreichen", sagte Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender der Verbund AG ohne die Pläne in Salzburg konkret anzusprechen.

Strom könnte künftig teurer werden

In Salzburg scheiden sich in der Frage nach erneuerbarer Energie nicht nur an Windrädern die Geister, sondern seit knapp 30 Jahren wird auch der Bau einer 380-kV-Freileitung diskutiert. Zwar wurde diese bei der Diskussion im Kongresshaus an sich nicht thematisiert, aber ein genereller Vergleich gezogen. Erd- und Freileitungen hätten die gleiche Ausfallswahrscheinlichkeit, so Anzengruber. Erstere seien aber um das vier- bis sechsfache teurer. Auch bei Störungen sei die Instandsetzung wesentlich zeit- und kostenintensiver. Das würde sich in Folge auch auf den Strompreis niederschlagen. Dieser könnte in Zukunft aber ohnehin steigen. So plädierte nicht nur Anzengruber, sondern auch Florian Ermacora von der Generaldirektion für Energie in der Europäischen Kommission für einen freien Markt ohne jegliche staatliche Subventionen – weder für Atom- und Kohlekraftwerke, noch für erneuerbare Energie.

Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energie in Europa auf 32 Prozent steigen. Auch eine 40-prozentige Reduktion des CO2-Ausstoßes will man erreichen. Ein ambitioniertes Ziel, aber machbar – so lautete die einhellige Meinung bei der Podiumsdiskussion. In Österreich werde diese Marke alleine durch die Nutzung der Wasserkraft erreicht, erläuterte Anzengruber. Je zehn Prozent würden durch Sonne und Wind abgedeckt. Bis 2030 wolle man auch hier 30 Prozent erreichen, um Österreich vollständig mit erneuerbarer Energie versorgen zu können.

Klimawandel nicht nur ein ökologisches Problem

"Schaffen wir die Decarbonisierung nicht, haben wir nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Problem", konstatierte Anzengruber. Besonders in Österreich sei der Klimawandel bereits in einem großen Ausmaß zu spüren, sagte Nebojsa Nakicenovic, stellvertretender Generaldirektor im Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Wien. Betrage die Erderwärmung weltweit derzeit rund ein Grad, sei es in Österreich bereits das Doppelte. Der Klimawandel bringe vor allem wirtschaftliche Herausforderungen. Das habe der heurige Sommer unter anderem durch hitzebedingte Ernteeinbußen bereits gezeigt.

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