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"fallen durch alle Netze"

Pandemie bringt Studierende in finanzielle Not

ÖH sorgt sich vor allem um fehlende Ferialjobs

Uni Salzburg, Hörsaal, Prüfung, SB, APA/BARBARA GINDL
Besonders Studierende stehen durch die Pandemie vor finanziellen Schwierigkeiten. (SYMBOLBILD)

Für viele Menschen hatte die Corona-Pandemie Jobverlust zur Folge. Doch während hier im Großteil der Fälle entweder Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung ausbezahlt werden, haben Studierende zumeist keinen Anspruch auf diese Unterstützung. Viele von ihnen stehen deshalb finanziell derzeit vor einer besonders schwierigen Situation.

Die Corona-Pandemie hat vor allem in Tourismusgebieten wie Salzburg viele Menschen den Job gekostet, wie aus einer Analyse des Sozialministeriums hervorgeht. Doch während die meisten Menschen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung haben, gilt das für Studierende zum größten Teil nicht.

„Manche fallen durch alle Netze“

Sabine Stadler von der Arbeiterkammer erklärt: „Ein Studium gilt in der Regel als Ausschlusskriterium für Arbeitslosengeld.“ Wer Arbeitslosengeld beziehen möchte, muss grundsätzlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen können. Bei Studenten ist das auch bei vorheriger Voll- oder Teilzeitarbeit nicht gegeben, da sie sich in einer Ausbildung befinden. „Manche fallen deshalb durch alle Netze“, so Stadler. Wer zuvor nur geringfügig beschäftigt gewesen ist, bekomme sowieso kein Arbeitslosengeld.

Weniger geringfügige Jobs

Aus der Studierenden-Sozialerhebung 2019 geht hervor, dass etwa zwei Drittel aller Studierenden neben dem Studium arbeitet. Wie viele Studenten durch die Pandemie ihren Job verloren haben, könne man nicht genau sagen, meint Stadler. Es sei aber deutlich sichtbar, dass die Anzahl der geringfügigen Beschäftigungen in Salzburg zurückgegangen ist. In der Gruppe der 25 bis 30-Jährigen ist etwa ein Rückgang von 22 Prozent zu erkennen, in der Gruppe der 20 bis 24-Jährigen sind es sogar 24 Prozent. Da geringfügige Arbeit vor allem bei Studenten sehr beliebt ist, geht Stadler davon aus, dass viele Studierende von Jobverlust betroffen sind.

3.200 Anträge von bedürftigen Studierenden

Um Studierenden in finanzieller Notlage helfen zu können, richtete die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) bereits im Frühling 2020 einen bundesweiten Härtefond mit 700.000 Euro aus ÖH-eigenen Rücklagen ein. Die Nachfrage war groß, wie Tobias Hofstätter, Sprecher der ÖH Bundesvertretung, im Gespräch mit SALZBURG24 erzählt. Insgesamt wurden rund 3.200 Anträge von Studierenden aus ganz Österreich eingereicht. 1.400 davon wurden auch tatsächlich bewilligt, das gesamte Geld aus dem Unterstützungsfond wurde ausbezahlt.

Unterstützung vom Wissenschaftsministerium

Nachdem absehbar war, dass auch das Studienjahr 2021 vom Corona-Virus beeinflusst werden wird, ging der bundesweite Corona-Härtefond der ÖH in die zweite Runde. Bis 31. März konnte man diesmal um Unterstützung ansuchen. 225.000 Euro wurden von der ÖH bereitgestellt, das Wissenschaftsministerium beteiligte sich diesmal ebenfalls mit derselben Summe. Von den etwa 1.300 eingegangenen Anträgen sind bisher 160 bewilligt worden, erzählt Hofstätter. Man stehe aber noch am Anfang der Bearbeitung, genaue Zahlen gebe es deshalb noch nicht.

Hilfe angepasst an Notlage

Die Auszahlung der Hilfe erfolgt als Einmalzahlung, welche in ihrer Höhe an die finanzielle Bedürftigkeit des Antragstellers angepasst wird. Zwischen 200 und 800 Euro bekommen Studierende auf diese Weise, in besonders harten Fällen sogar bis zu 1.000 Euro.

ÖH Salzburg mit eigenem Hilfsfond

Die ÖH Salzburg richtete parallel zur ÖH Bundesvertretung ebenfalls einen Hilfsfond ein. Auch hier wurde auf Rücklagen zurückgegriffen, wie Vorsitzende der ÖH Salzburg, Keya Baier, erzählt: 50.000 Euro widmete die ÖH Salzburg für die Studierenden in Salzburg um. Davon wurden bisher 6.000 Euro ausbezahlt. Auch hier gibt es keinen Pauschalbetrag, die Höhe der Unterstützung richtet sich nach der Bedürftigkeit. In der Regel bekommen Antragsteller zwischen 300 und 500 Euro. Damit sei vielen schon geholfen, so Baier.

"Sommer wird spannend"

Die Nachfrage in Salzburg ist derzeit noch überschaubar. 30 Anträge sind bei der ÖH Salzburg eingegangen, 24 davon haben auch tatsächlich Unterstützung erhalten. Sechs Anträge erfüllten nicht die Kriterien. Spannend werde es im Sommer, sagt Baier. Sie befürchtet, dass durch das erneute Wegfallen vieler Sommerjobs die Nachfrage ansteigen wird.

Fehlende Ferienjobs für Studenten

Sorgen um das Ausbleiben von Sommerjobs macht sich auch Christian Weißenböck, der mit seiner Firma ja-gentur Minijobs in der Promotion vermittelt. Viele seiner fallweise beschäftigten Promotoren kommen aus dem studentischen Umfeld. Da er vor allem Werbung für Veranstaltungen und Messen macht, diese aber derzeit nicht stattfinden, hat er auch kaum Jobs zu vermitteln. Derzeit seien es nur zirka zwei bis drei Aufträge pro Monat. „Ich hoffe aber, dass bei den Festspielen im Sommer wieder etwas geht“, meint Weißenböck.

ÖH Salzburg enttäuscht von Ministerien

Für den Fall, dass im Sommer trotz Hoffen keine ausreichenden Verdienstmöglichkeiten geboten werden können, steht die ÖH Salzburg weiterhin mit ihrem Härtefond bereit, meint Baier. Man sei aber von fehlender finanziellen Unterstützung der Ministerien enttäuscht. Die eigentliche Aufgabe der ÖH sei die Vertretung der Studierenden. Dankesmails von Studierenden, denen geholfen werden konnte, würden den Ärger aber ein bisschen mildern: „Positive Rückmeldung macht die Vertretungsarbeit dann auch wieder sehr schön.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 01:39 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/studierende-durch-corona-in-finanzieller-not-102080758

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