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Tag gegen Gewalt an Frauen

Was tun, wenn mein Partner zuschlägt?

Salzburger Frauenhaus-Chefin gibt Rat

SB, Frau, Gewalt APA/HANS KLAUS TECHT
Frauen werden nach wie vor häufig Opfer von Gewalt ihres Partners (SYMBOLBILD).

Was soll ich tun, wenn mir der Mensch, der mir am nächsten ist, Gewalt antut? 242.000 Frauen haben in Österreich in den vergangenen fünf Jahren Gewalt durch ihre Väter, Ehemänner oder Partner erlebt. Am Montag, dem 25. November, wird der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Warum es diesen braucht, wie die aktuelle Situation in Salzburg aussieht und was betroffene Frauen tun sollen, erklärt die Leiterin des Salzburger Frauenhauses, Birgit Thaler-Haag, im SALZBURG24-Gespräch.

Am Tag der Gewalt gegen Frauen gilt es die Menschen auf dieses nach wie vor weltweit verbreitetes Problem hinzuweisen, betont Thaler-Haag:  „Die Sensibilisierung in der Gesellschaft muss erhöht werden.“ Mediziner könnten in Verdachtsfällen Frauen und Mädchen noch häufiger direkt darauf ansprechen, ob sie Opfer häuslicher Gewalt wurden. „Vonseiten der Betroffenen wissen wir, dass sie es gutheißen, wenn sie darauf angesprochen werden“, berichtet die Frauenhaus-Chefin.

Die Lage von Salzburgs Frauenhäusern

Wie die Situation in Salzburg derzeit aussieht? „Ich glaube nicht, dass die Gewalt weniger geworden ist. Die Zahl der Betretungsverbote ist recht konstant und wir wissen, dass das auch nur ein Bruchteil der Fälle ist“, erklärt Thaler-Haag. In den drei Frauenhäusern in Salzburg sind derzeit Zimmer frei: „Das ist eigentlich selten bei uns. In den letzten Jahren gab es Zeiten, in denen wir eine Auslastung von 90 Prozent hatten. Da war es schwierig, eine langfristige Betreuung anzubieten. Wir sind über die jetzige Situation froh, weil eine Schutzeinrichtung ohnehin keine so hohe Auslastung haben sollte“, betont die Frauenhaus-Chefin.

Warum Männer gewalttätig werden

Als Grund, wieso Gewalt gegen Frauen nach wie vor verbreitet ist, führt Thaler-Haag vor allem ein Argument an: „Es gibt zu geringe Konsequenzen für gewalttätige Männer. Häusliche Gewalt findet zumeist ohne Zeuginnen oder Zeugen statt. Daher werden auch viele Gerichtsverfahren eingestellt.“ Gibt es für den gewalttätigen Partner keinerlei Konsequenzen, mache er weiter. Dazu würden die Männer häufig auch nicht die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, klärt die Frauenhaus-Chefin auf: „Sie geben allen anderen – den Umständen oder der Frau – die Schuld. Daher sehen sie auch nicht die Notwendigkeit, etwas gegen das gewalttätige Handeln zu tun.“

Fälle von jahrelangem Missbrauch

Frauen tun sich ohnehin schwer, in dieser Causa Anzeige zu erstatten. „Es handelt sich ja oft um ihren Partner oder Ehemann, vielleicht dem Vater ihrer Kinder. Wir kennen Frauen, die von jahrelangen Misshandlungen sprechen, deshalb aber nie beim Arzt waren“, legt die Expertin den Finger in die Wunde.

Gewalt gegen Frauen komme in allen Einkommens-, Bildungs- und Gesellschaftsschichten vor. „Es wird vielleicht nur oft besser getarnt. Dazu kommt, dass Frauen vielleicht zusätzlich zögern, wenn ihr Mann eine gesellschaftlich anerkannte Position innehat. Sie denken dann, dass man ihnen erst nicht glaubt, weil ihr Mann in seiner Außendarstellung sich ganz anders gibt“, betont Thaler-Haag.

Gewalt durch den Partner: Das ist zu tun

Was also tun, wenn ich Gewalt durch meinen Partner erleide? „Es fängt oft nicht mit körperlicher Gewalt an. Häufig startet es mit massivem Kontroll- und Machtverhalten, ständiger, übertriebener Eifersucht. Auch hier rate ich schon etwas zu unternehmen“, erklärt die Expertin, Sobald es zu körperlicher Gewalt kommt, gelte es sofort, sich Hilfe zu holen: „Die Gewalt wird nicht aufhören, im Gegenteil: Sie wird massiver und die Abstände zwischen den Gewalttaten immer kürzer.“ Für Frauen gilt es daher rasch zu handeln: „Man muss die Gewaltspirale unterbrechen – und das möglichst bald. Es wird nicht von selbst aufhören. Die Frau muss den Schritt machen und sich Hilfe von außen holen“, mahnt die Frauenhaus-Chefin.

Hilfe für Betroffene

In Salzburg gibt es insgesamt drei Frauenhäuser: In der Stadt Salzburg, in Hallein (Tennengau) und in Saalfelden (Pinzgau). Hilfe finden Betroffene HIER und HIER.

(Quelle: SALZBURG24)

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