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AK-Warenkorb-Analyse: Lebensmittelpreise extrem gestiegen

Die Warenkorb-Analyse der AK hat wieder ein knallhartes Ergebnis gebracht: Die Kosten für Güter des täglichen Bedarfs sind seit 2005 um fast 30 Prozent in Höhe geschnellt. Bemerkenswert ist, dass die Getränkepreise in der Gastronomie wesentlich stärker angestiegen sind als im Handel. Ärgerlich: Tierfutter ist kaum, Babynahrung hingegen viel teurer geworden.

In regelmäßigen Abständen erheben die Konsumentenschützer der AK die Preise für Güter des täglichen Bedarfs, also Lebensmittel und Drogeriewaren. Und die Ergebnisse bestätigen zumeist das, was die Menschen beim Bezahlen an der Supermarktkasse aufregt: Nämlich, dass alles von Jahr zu Jahr teurer wird. Oft heißt es, seit dem EU-Beitritt oder speziell seit der Einführung des Euro wären die Preise explodiert, Stichwort „Teuro“. Die AK hat analysiert: Die aktuelle Warenkorb-Erhebung 2015 wurde mit den Ergebnissen der Jahre 1995 und 2005 verglichen.

Das überraschende Ergebnis: Die teils tatsächlichen Preisexplosionen begannen erst ab dem Jahr 2005. AK-Präsident Siegfried Pichler: „In diesem Zusammenhang vom EU-Beitritt als Preistreiber oder dem ´Teuro´ zu sprechen, stimmt so nicht. Zwischen 1995 und 2005 sind die Lebensmittelpreise im Schnitt sogar leicht gesunken. Erst ab 2005 dreht sich die Preisspirale deutlich über der Teuerung stark nach oben. Mit den in diesem Zeitraum ebenfalls extrem gestiegenen Kosten für Wohnen und Treibstoff bestätigt sich, was die Menschen täglich fühlen, wenn sie einkaufen gehen: Was man fürs Leben braucht ist in den letzten zehn Jahren überproportional teurer geworden!“

Untersucht wurden Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkte in der Stadt Salzburg. Aktionspreise wurden berücksichtigt, nicht aber Clubmitgliedschaften und Mengenrabatte. Bei Waren ohne Markenbezug, zum Beispiel Frisches und einige Dauerwaren wurde der jeweils günstigste Preis herangezogen. Bio-Produkte kamen nicht in die Auswertung. „Insgesamt haben wir im Bereich Lebensmittel 195 und im Drogeriebereich 45 Produkte untersucht, also in Summe 240 Waren“, erklärt Erhebungsleiter Stefan Göweil, „für die Auswertung haben wir auf 2.330 Preise (1.793 bei Lebensmitteln und 537 bei Drogeriewaren) zurückgegriffen.“ Außerdem wurden in 15 Gastronomiebetriebe (zwölf Restaurants und drei Kaffeehäuser) zwölf gängige Getränke erhoben und deren Preise mit jenen von 1995 und 2005 verglichen.

Lebensmittelkosten seit 2005: Plus 28 Prozent

Das Ergebnis im Detail: Zwischen 1995 und 2005 sind die Preise für Lebensmittel durchschnittlich leicht gesunken (-0,50 Prozent). In den letzten zehn Jahren legten sie aber deutlich zu: Im Schnitt um über 28 Prozent.

Setzt man diese Erhebungsergebnisse mit der Entwicklung des Verbraucherpreis-Index (VPI) in Zusammenhang zeigt sich, dass im 20 Jahresvergleich die Entwicklung bei den Lebensmitteln sogar relativ günstig zu beurteilen ist: In diesem Zeitraum sind die Lebensmittelpreise im Schnitt um knapp 28 Prozent gestiegen, der VPI hingegen um 44 Prozent. Für diesen Zeitraum liegt die Entwicklung also deutlich unter dem VPI.

Seit 2005 hat sich das Bild aber leider gewandelt: In den vergangenen zehn Jahren ist der VPI um rund 21 Prozent gestiegen, die Lebensmittelpreise haben um fast 28 Prozent zugenommen. „Eine erneute Bestätigung, dass Güter des täglichen Bedarfs in den letzten Jahren überproportional teurer geworden sind“, kritisiert Pichler, „für uns stellt sich da natürlich die Frage: Wer ist für dafür verantwortlich – die Handelskonzerne oder die Produzenten?“

Eigenmarken wirken preisdämpfend

Speziell bei Produkten wie Mehl, Reis und Zucker bemerkt man die dämpfende Wirkung der in den letzten Jahren stark zugenommen Eigenmarken im Billigsegmentbereich. Hier haben sich die großen Handelsketten Rewe und Spar den Diskontern Hofer und Lidl preislich angenähert. Beispiel Hartkäse: Hier wurden durch die Einführung der Billigeigenmarken bei den gängigsten Sorten Emmentaler, Gouda und Tilsiter die Preise für den jeweils günstigsten Käse seit 2005 um knapp 23 Prozent niedriger. Ähnliches gilt für Brot und Gebäck. Hier sanken die Preise in den letzten zehn Jahren bei den günstigsten gängigen Produkten (Mischbrot, Semmel und Baguette) um knapp zwölf Prozent.

Tiefkühlprodukte überdurchschnittlich teurer

Deutlich teurer wurden Süßigkeiten, ähnliches gilt für Kakao und Kaffee. „Gestiegene Rohstoffpreise werden von den Herstellern hier oft als Hauptursache genannt“, so AK-Experte Göweil. Pichler: „Wir fordern schon seit langem, Spekulationen auf Lebensmittel-Rohstoffe zu verbieten – dann würden sich die Preissteigerungen mit Sicherheit weniger stark ausnehmen.“

Auch die erhobenen Tiefkühlprodukte lagen deutlich über dem Durchschnitt der Preissteigerungen. Wobei hier vor allem die starke Verteuerung bei Fischprodukten (+43 Prozent seit 2005 und plus 86 Prozent seit 1995) zu Buche schlägt. Fleisch und Gemüse haben um 30 Prozent höhere Preise als vor 20 Jahren und liegen im Schnitt der allgemeinen Teuerung. Den höchsten Preisanstieg findet man in der (kleinen) Produktgruppe Margarine, Speisefette und Speiseöle mit einem Zuwachs von fast 60 Prozent.

Trends im Lebensmitteleinzelhandel

  • Markt-Konzentration schreitet voran: Die drei großen Handelsketten Rewe, Spar und Hofer haben in Österreich mittlerweile einen Marktanteil von 85 Prozent, eine der größten Handelskonzentrationen in ganz Europa.
  • Die Anzahl der Filialen hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Österreich erhöht: Bei Rewe von etwa 1.400 auf 1.900 (wobei ein Großteil auf die Übernahme von Adeg geht). Spar erhöhte von 1.430 auf 1.570 Filialen. Hofer von 365 auf 450 Filialen und Lidl von 154 auf 204 Filialen.
  • Weiterer Ausbau der Eigenmarken bei den beiden großen Ketten Rewe und Spar. Anfangs waren die Eigenmarken ausschließlich als Billigprodukte angelegt. Mittlerweile gibt es jedoch zunehmend Premiumprodukte. Gleiches gilt für die Zunahme von Bio-Produkten und Convenience Produkten.
  • Zunahme der Aktionsangebote. Der immer wieder propagierte „beinharte“ Preiskampf im Handel beschränkt sich auf wenige Produkte und Aktionstage. Selbst die Anwendung von Aktionspreisen auf ganze Segmente beschränkt sich auf nur wenige Tage im Jahr.

„Hier werden mit den Methoden der modernen Kommunikationstechnologie wenige Produkte aus dem Riesensortiment hervorgehoben und für einen kurzen Zeitraum günstiger angeboten. Das nützt aber nur Haushalten, die auf Vorrat kaufen können, also auch das nötige Geld haben – einkommensschwachen Familien bringt das nichts. Durch die engen Zeitgrenzen wird oft nur eine Illusion von ´Billig´ geschaffen“, gibt Siegfried Pichler zu bedenken.

Drogeriewaren seit 2005: Plus 20 Prozent

Ähnlich wie bei den Lebensmitteln ist die Preisentwicklung bei Drogerie-Produkten: Der große Preisschub kam in den vergangenen zehn Jahren. Während zwischen 1995 und 2005 die Preise in dieser Produktgruppe um 8,5 Prozent gestiegen sind, betrug die Verteuerung ab 2005 ganze 20 Prozent. Im Langzeitvergleich seit dem Jahr 1995 sind Drogeriewaren um rund 30 Prozent teurer geworden. Damit liegen sie aber immer noch unter dem Verbraucherpreis-Index.

Besonders fällt der Preisanstieg bei der Körperpflege und hier speziell mit über 70 Prozent bei der Männerrasur auf. „Da brennt´s dann doppelt“, meint Pichler ironisch, „aber ernsthaft: Solche Preissprünge sind nicht nachvollziehbar. Auch hier ist wieder die Frage, ob Händler oder Produzenten dafür verantwortlich sind. Würden die Handelsriesen ihre Preiskalkulationen offenlegen, käme mehr Licht ins Dunkel dieser Entwicklung von zehn Jahren `hui` und dann zehn Jahren `pfui´ bei den Preisen!“

Günstiger geworden sind Produkte der Damenhygiene. Das geht auf das Konto einer Vergrößerung der Packungsinhalte bei Binden und Slipeinlagen. Kleinpackungen wurden durch größere mit mehr Inhalt ersetzt.

Tierfreunde sparen, Eltern zahlen drauf

Interessantes Detail: Die Preise für Tierfutter sind sehr moderat gestiegen: Seit dem Jahr 1995 um sieben Prozent, seit 2005 um 14 Prozent – jeweils deutlich unter der Inflationsrate. Ganz anders bei Babynahrung (Milchnahrung): Sowohl im lang- als auch kurzfristigeren Vergleich haben diese Produkte gleich um 40 Prozent angezogen, verursacht auch durch eine Reduktion der Inhaltsmenge, aus 1000 Gramm wurden häufig 800 Gramm. „Irgendwie schon sehr seltsam, dass Produkte für Hund und Katz´ kaum teurer werden, Babynahrung preislich aber dermaßen zulegt, dass wieder einmal junge Familien, die in der Regel noch nicht so einkommensstark sind, zur Kasse gebeten werden“, ärgert sich Pichler.

AK-Experte Stefan Göweil hat sich in diesem Zusammenhang die Anzahl der in Aktion angebotenen Produktgruppen Tierbedarf (Nahrung und Katzenstreu) und Babyprodukte (Nahrung, Pflege und Windeln) angesehen und analysiert. Ausgewertet wurden die wöchentlichen Flugblätter des Lebensmitteleinzelhandels (Merkur, Billa, Interspar und Spar) und die Monatsflugblätter der Drogeriemärkte (BIPA, DM und Müller) von Februar 2015 bis Anfang Mai 2015.

Bei den Drogeriemärkten haben deutlich die Babys die Nase vorn: In diesem Zeitraum wurden 90 Baby- und 45 Tierprodukte in Aktion angeboten. Anders im Lebensmittelhandel: Hier wurden 105 Tier- und 32 Baby-Artikel in Aktion angeboten.

„Nichts gegen Haustiere oder ihre Besitzer“, so AK-Präsident Siegfried Pichler, „aber ein Umdenken des Lebensmittelhandels bezüglich seiner Aktionsgestaltung wäre wünschenswert. Viele junge Familien stöhnen unter den Lebenshaltungskosten – gleichzeitig werden in unserem Bundesland die zweitniedrigsten Einkommen österreichweit erzielt. Vermehrte und längerfristige Aktionen auf Güter des täglichen Bedarfs und speziell auf Babyprodukte würden viele Familien entlasten.“

Tierfutter ist billiger, Babynahrung teurer geworden./AK Salzburg Salzburg24
Tierfutter ist billiger, Babynahrung teurer geworden./AK Salzburg

Gastronomie verdient gut

Vor allem die Getränkepreise in der Gastronomie sind wesentlich stärker gestiegen als im Handel und liegen deutlich über der Inflationsrate. Sind beispielsweise die Bierpreise im Handel in den letzten 20 Jahren um knapp 40 Prozent gestiegen, wurden diese in der Gastronomie im Schnitt um 58 Prozent angehoben. Bei alkoholfreien Getränken wie Mineralwasser und Limos sieht es nicht besser aus. Anti-Alk wurde im Handel seit 1995 um rund 28 Prozent teurer, die Gastronomie hat um 55 Prozent erhöht.

Übrigens zeigt sich auch hier die Aufteilung in zwei Dekaden: Bis 2005 wurden Bier und alkoholfreie Getränke mit etwa plus 19 Prozent moderat teurer. Seit 2005 haben die Gasthäuser mit rund 32 Prozent ordentlich draufgeschlagen.

„Unterschiedliche Branchen sind nicht eins zu eins miteinander vergleichbar. Aber derartige Unterschiede für gleiche Produktgruppen sind schon auffällig und zeigen, dass im Gastronomiebereich die Preisspirale stärker angezogen wurde“, sagt Siegfried Pichler. Ein Hauptargument der Betriebe – gestiegene Lieferantenpreise – scheint insofern zu stimmen, als dass die Wirte den gleichen „Zweisprung“ bei den Preisen gemacht haben wie der Handel. Trotzdem: „Auch wenn darüber hinaus die Energiepreise und kommunale Abgaben gestiegen sind: Die Aufschläge in Gaststätten sind überproportional!“, so Pichler.  „Zusätzlich noch Extrabelastungen wie etwa die Umrüstkosten für den Nichtraucherschutz immer wieder als Argumente für die überproportionalen Verteuerungen zu bemühen, ist unangebracht“, kritisiert der AK-Präsident, „denn wie unsere Auswertung zeigt, haben die Wirte an den Kunden auch deutlich mehr verdient!“

AK fordert transparente Preisgestaltung

„Die Konsumentinnen und Konsumenten kaufen im Handel quasi aus einer Blackbox, gleichzeitig wird ihr Kaufverhalten durch Kundenkarten, Big Data, und viele weitere moderne Mittel erfasst. Der Konsument wird gläsern. Wie die Preise des Handels aber zu Stande kommen ist quasi ein Staatsgeheimnis. Das ist eine Schieflage, die wenn schon nicht beseitigt so zumindest transparenter gestaltet gehört. Deshalb müssen Mechanismen zum Monitoring und gegebenenfalls zum Nachprüfen der Preisbildung im Lebensmitteleinzelhandel geschaffen werden. Das Offenlegen der Kalkulationen der Handelskonzerne wäre ein wichtiger Schritt dazu und ich fordere die betreffenden Unternehmen einmal mehr auf, diesen Schritt zu wagen. Zeigt sich nämlich, dass tatsächlich die Produzenten und nicht die Händler für die sprunghaften Preise verantwortlich zeichnen, dann ist der Hebel dort oder eben im Einbremsen von Spekulation anzusetzen“, sagt AK-Präsident Siegfried Pichler.

 

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