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War Unglück zu verhindern?

Hallein streitet um Hochwasser-Schuldfrage

Wenn aus dem Kothbach ein reißender Fluss wird

Nach dem verheerenden Hochwasser am Wochenende in Hallein (Tennengau) kommen nun Fragen auf, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Schließlich wird am Kothbach seit sieben Jahren an einem neuen Hochwasserschutz gearbeitet. Nun wird sich die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe geschoben.

Hallein

Zwei Tage nach den katastrophalen Überflutungen in Hallein (Tennengau) laufen die Aufräumarbeiten am Montag auf Hochtouren. Der weit über seine Ufer getretene Kothbach zog sich zwar in den Bachlauf zurück, doch in den Straßen der Keltenstadt hinterließ er Schlamm und Verwüstung. Verklausungen waren auch der Grund, warum sich der ansonsten kleine Wildbach am östlichen Abhang des Dürrnbergs in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. In den engen Gassen stand das Wasser teils hüfthoch.

Hallein versinkt in Schlamm und Schutt

Doch die Hilfsbereitschaft ist enorm: Neben Feuerwehren und Soldaten packen auch vom Hochwasser Unbeteiligte an. Zahlreiche Freiwillige schaufeln Schlamm, Äste und Schwemmgut aus den Eingängen der Häuser.

Vor einer Bar lagen dicke Äste und Autoteile. Auch mit Baggern und Kehrmaschinen wurde Schwemmholz und Schlamm beseitigt. Vom Wasser mitgerissene Baumstämme und Wurzelstöcke hatten Brückengeländer verbogen oder gar aus der Verankerung gerissen.

Hochwasser-Gefahr aus dem Kothbach

Doch warum musste es zu dem Unglück kommen? Schon einmal, im Jahre 1976, hat der Kothbach große Teile der Innenstadt verwüstet. Das Fließgewässer war schon länger als Gefahrenquelle bekannt. Seit Herbst werde ein Hochwasserschutz samt Rückhaltebecken für den kleinen Zufluss zur Salzach gebaut.

Für den Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) etwa ein Jahr zu spät, weil der Baubeginn torpediert worden sei. "Es hat Einsprüche gegeben von Naturschutzseite und diversen Anrainer. Wenn es diese Verzögerung nicht gegeben hätte, hätten die Überschwemmungen ein viel geringeres Ausmaß oder ganz verhindert werden können", sagte er am Sonntag.

Einspruch gegen Sperrbauwerke

Das Landwirtschaftsministerium kritisierte in einer Aussendung, dass das mehr als sechs Millionen Euro teure Projekt das jetzige Hochwasser in Hallein hätte verhindern können. Der Bau scheiterte wegen der Einsprüche des Salzburger Naturschutzbundes, die das Landschaftsbild ob der Sperrbauwerke gefährdet gesehen haben. Das verzögerte die Umsetzung um Jahre. Inzwischen wurden die Einsprüche vom Verwaltungsgerichtshof abgewiesen, doch für den Bau des Hochwasserschutzes kam das allerdings zu spät.

Naturschutzbund weist Vorwürfe zurück

"Jetzt zu sagen, dass das Projekt aufgrund eines Einspruchs nicht schon fertig ist, ist Abschieben von Verantwortung", sagte Hannes Augustin, Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbunds, hingegen zur APA. Man habe nur einen Teil des Projekts kritisch gesehen. "Die von uns vorgeschlagen Alternative hätte eine natürliche Geländekuppe ausgenutzt. Es hätte weniger Stahl und Beton verbaut werden müssen, der Schutz wäre aber gleich wirksam und gleich teuer gewesen." Das Projekt sei aber nicht umgesetzt worden, weil ein Eigentümer den Grund nicht zur Verfügung stellen wollte. "Man hätte hier nachdrücklicher versuchen können, den Grund zu bekommen", so Augustin. Weil das Verfahren mittlerweile abgeschlossen sei, soll der Hochwasserschutz für den Kothbach nun schnellstmöglich erreicht werden.

"Ich halte nichts von Schuldzuweisungen", sagte dazu Bürgermeister Stangassinger. "Tatsache ist, dass das Projekt verzögert worden ist. Hätte man es wie geplant begonnen, wären heute zwei Drittel der Maßnahmen umgesetzt gewesen. Die Innenstadt würde dann jetzt anders ausschauen." Im Einzugsbereich des Kothbachs fließen drei Bäche zusammen. Bei zwei werden nun Retentionsbecken geschaffen, beim dritten soll Wasser bei Unwettern durch einen aufgelassenen Salinenstollen in die Salzach abgeleitet werden. "Wichtig ist jetzt, das der Bach in Zukunft kein drittes Mal über die Ufer tritt."

"Nicht die Zeit für Schuldzuweisungen"

Kimbie Humer-Vogl (Grüne) nahm via Facebook dazu Stellung. Kurz nach einem solchen Unglück sei es "nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Jetzt braucht es Besonnenheit." In dem Beitrag dankte die Halleinerin den zahlreichen Einsatzkräften aus dem ganzen Bundesland für ihren unermüdlichen Einsatz.

Erst in einem nächsten Schritt werde es ihren Ausführen zufolge darum gehen, die Ursachen der Katastrophe zu analysieren. "Da werden Hochwasserschutzmaßnahmen ebenso eine Rolle spielen wie Naturschutz, Umweltschutz und Klimaschutz." Die Klubobfrau im Salzburger Landtag räumt ein, dass die Halleiner Grünen mit dem geplanten Hochwasserschutz in Kleinkirchental nicht glücklich gewesen seien. Man habe Alternativen vorgeschlagen, die jedoch abgelehnt worden seien. "Aber wir haben weder gegen den Hochwasserschutz gestimmt, noch irgendwelche Entscheidungen beeinsprucht", betont Humer-Vogl. Der Naturschutzbund habe zwar den Plan in Kleinkirchental beeinsprucht, das erkläre aber nicht die noch nicht fertiggestellten Hochwasserschutzmaßnahmen im Hinterland.

Klimaschutz-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) bekräftigte via Facebook den politischen Plan "mit konsequentem Klimaschutz den Klimawandel zu verlangsamen. Und uns mit Schutzmaßnahmen an die Auswirkungen des Klimawandels, die wir nicht mehr verhindern können, vorbereiten."

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 22.09.2021 um 11:27 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/tennengau/hochwasser-in-hallein-schuldfrage-um-kothbach-schutz-106803730

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