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Mord an Holzarbeiter? Lokalaugenschein soll Fragen klären

Mit einem Lokalaugenschein ging am Montag der Prozess wegen mutmaßlichen Mordes an einem Holzarbeiter in Adnet (Tennengau) weiter. Ein 27-jähriger Berufskollege soll den Mann bei einer Rauferei getötet und die Leiche in die nahe gelegene Wiestal-Schlucht geworfen haben.

Beim Lokalaugenschein in Adnet mit dabei waren neben dem Angeklagten auch sein Verteidiger Franz Essl, Richter Peter Hattinger und Staatsanwalt Tomas Schützenhofer.

Die Tat soll sich in der Nacht auf den 26. Oktober 2008 während eines Trinkgelages auf einem Bauernhof ereignet haben. Der 27-jährige Holzarbeiter bekennt sich zur absichtlich schweren Körperverletzung schuldig, bestreitet aber den Mord. Der Prozess wird am 4. April bei einem Lokalaugenschein fortgesetzt, ein Urteil wird für Dienstag, 5. April, erwartet.

"Es ist kein einfacher Indizienprozess", sagte Staatsanwalt Tomas Schützenhofer gleich zu Beginn. Eindeutige Beweise für einen Mord gibt es nicht. In der Werkstätte des Bergbauernhofes, der den Eltern des Mordverdächtigen gehört, soll sich folgendes abgespielt haben: "Die drei Männer aus dem Holzfäller-Milieu", so Schützenhofer, tranken reichlich Alkohol. Schließlich eskalierten die Stänkereien zwischen dem beschuldigten Adneter und dem späteren 36-jährigen Opfer aus Mondsee (OÖ). Der 27-jährige "Holzakkordant" habe seinen Kontrahenten durch eine Vielzahl von heftigen Tritten mit schwerem Schuhwerk gegen die Brust- und Bauchregion getötet. Zur Verschleierung der Tat habe er die Leiche zusammen mit seinem 42-jährigen, einheimischen Bekannten 50 Meter tief in die steile Schlucht geworfen. "An dieser Stelle konnte man sicher gehen, dass die Leiche unten ankommt."

Drei Tage später alarmierte der Vater des Mordverdächtigen die Polizei, weil der Kastenwagen des Opfers immer noch am Hof stand. Anfangs stand ein Selbstmord im Raum. Bei einem Hubschrauber-Suchflug am 29. Oktober wurde die Leiche entdeckt. Der zierliche 27-Jährige gab an, dass der "schon stark rauschige" Mondseer den Streit angezettelt habe. Deshalb habe er ihn "an die Wand gedrückt, ein paar Fotzen gegeben, zu Boden geschmissen, ihm ein paar Tritte mit den Hausschlapfen verpasst, auf die Schulter und in den Hüftbereich geschlagen und auch sein Hemd zerrissen". Der 36-Jährige sei dann aufrechten Ganges und grußlos aus der Werkstätte gegangen und nicht wiedergekommen. Diese Version erzählte auch der 42-jährige Tennengauer der Polizei.

Verteidiger Franz Essl nimmt an, dass der 36-jährige Holzarbeiter, der laut Gerichtsmedizin zum Todeszeitpunkt 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte, in seinem Rausch ohne Fremdeinwirkung in die Schlucht gestürzt ist. Möglicherweise habe er noch das Gasthaus "Almstüberl" besuchen wollen und sei deshalb zu Fuß die Wiestal-Straße entlang marschiert. "Er könnte könnte beim Versuch zu urinieren über die Leitblanke geraten und in die Schlucht gefallen sein. Seine Hosentüre war vier Zentimeter geöffnet, die Harnblase ein Trinkglas voll", untermauerte der Rechtsanwalt seine Version. Einem Privatgutachten zufolge hätte sich der Holzarbeiter die tödlichen Verletzungen bei dem Sturz in die Klamm zuziehen können, sagte Essl. "Dass er in die Klamm gestürzt ist, diese Variante lässt sogar der Staatsanwalt offen."

Sein Mandant, "ein einfach strukturierter Mann", habe auch keine Spuren verwischen wollen, führte der Verteidiger weiter aus. "Die Polizei fand Monate später in der Werkstätte Blutspuren, Haarbüschel und Glasscherben." Gegen einen Abtransport der Leiche spreche auch, dass an den Fahrzeugen keine Blutspuren gefunden wurden. Für die Mordvariante würden schon allein die zahlreichen Hämatome an der Leiche sprechen, konterte der Staatsanwalt. Das Opfer sei zwar 195 Zentimeter groß und 95 Kilo schwer gewesen, doch der Mordverdächtige - 165 Zentimeter groß und 65 Kilo schwer - "ist ein zäher Bursche". "Die Möglichkeit, den Mann zu zweit in die Schlucht zu schleppen, bestand absolut." Zudem habe der Zweitangeklagte, dem die Delikte "Störung der Totenruhe" und "falsche Beweisaussage" angelastet werden, absichtlich "Irrfährten" gelegt.

Der Mordverdächtige - er war bereits wegen Körperverletzung vor Gericht gestanden - wurde eineinhalb Jahre nach dem Vorfall wegen einer Sachbeschädigung in einem Lokal in Hallein festgenommen. Dabei widersetzte er sich den Polizisten und verletzte eine Beamtin. Danach wurde er in U-Haft genommen. Zu diesen Taten zeigte sich der Angeklagte heute geständig. (APA)

Der Lokalaugenschein Montagvormittag soll offene Fragen klären, die Verhandlung wird am Nachmittag im Landesgericht Salzburg fortgesetzt.

(Quelle: S24)

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