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Salzburg und seine Alpenschamanen: 14. Jahrestreffen am Johannishögl

Rainer Limpöck, Alpenschamane und Heimatforscher in Ainring. Facebook/Rainer Limpöck
Rainer Limpöck, Alpenschamane und Heimatforscher in Ainring.

Alle Jahre wieder versammeln sich kommenden Samstag auf einem Kraftort im Salzburg-bayerischen Raum die Alpenschamanen. Ihr Treffen besteht aus Zeremonien und Ritualen zu Ehren der Natur. Rainer Limpöck, der Begründer des Alpenschamanismus, lädt in eine für viele von uns völlig neue Welt ein. Eine Welt, in der es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als man sehen und anfassen kann.

Sie trommeln, singen, tanzen und verbinden sich durch ihre Rituale und Zeremonien mit „Mutter Erde“ – die Schamanen. Besonders eng mit der Natur verbunden, manchmal gar mystisch anmutend, tummeln sie sich an Kraftorten, vermitteln altüberliefertes Wissen und gelten als spirituelle Heiler und Lehrer – und das über die verschiedensten Kulturen hinweg. So finden sich Schamanen nicht nur in Sibirien, bei den Aborigines in Australien, den Indianern Nordamerikas, am Amazonas oder den Buschleuten in Südafrika, sondern auch im Alpenraum. Und genau diese treffen sich am 28. Juli zum Alpenschamanentreffen am Johannishögl, einem 705 Meter hohen Bergkegel, in Piding (Lkr. BGL) in Bayern.

14. Alpenschamanentreffen im Salzburger Raum

Die alljährliche Zusammenkunft, die mittlerweile zum 14. Mal stattfindet, hat Rainer Limpöck Anfang der 2000er-Jahre begründet. Sie soll sowohl der Vernetzung der hiesigen Schamanen untereinander, als auch als Information für Interessierte dienen. „Die Idee dazu ist schon vor etwa 17 Jahren entstanden. Die ersten Jahre haben wir uns immer in Siegsdorf versammelt, später – mit ein paar Ausnahmen – an diesem Kraftort gegenüber vom Untersberg“, erzählt Limpöck im Gespräch mit SALZBURG24.

Schamanismus: Die Verbundenheit mit der Natur

Schamanismus ist für den 59-jährigen Bayer, der mit dem Namen „Weißer Adler“ (wer ihn sieht, weiß warum) als Alpenschamane auftritt, eine Philosophie und frei von jeder Religion. Die Natur stehe im Vordergrund und in der Natur sei alles beseelt, erklärt er. „Und damit hat natürlich dann jedes kleine Steinchen, jedes Wasser, jeder Baum, der Wind seine Besonderheit. Die Kunst des Schamanen ist es, mit diesen Elementen, Wesenheiten und Kräften zu kommunizieren“, so Limpöck.

Schamanismus ist für den "Weißen Adler" eine Philosophie, frei von jeder Religion./Facebook/Rainer Limpöck Salzburg24
Schamanismus ist für den "Weißen Adler" eine Philosophie, frei von jeder Religion./Facebook/Rainer Limpöck

Benandanti, Wender und Alpenschamanen

Und wie unterscheidet sich der Alpenschamane vom Schamanen? „Durch Rituale, die früher in dieser Region angewandt wurden, aber im Laufe der Zeit mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind.“ Im Mittelalter habe das Christentum, Handlungen und Örtlichkeiten, die mit Spiritualität oder Naturwissen zu tun hatten, dämonisiert und verboten. Doch einige wenige Ausprägungen, wie etwa die Benandanti, ein kleines norditalienisches Völkchen, die als Heilpraktiker des Mittelalters galten, oder die Wender, die es heute noch in Österreich (wie zum Beispiel Franz Ellmauer in Mondsee, Anmk. der Redaktion) gibt, hätten ihr Natur- und Heilwissen behütet – insbesondere jene im bäuerlichen Kulturkreis. „Die Wender kann man als Ur-Alpenschamanen bezeichnen. Sie wenden eine Krankheit bei Mensch und Tier so lange bis wieder Gesundheit herauskommt. Dafür gibt es bestimmte Rituale und Gebete, die größtenteils christlich orientiert sind. Die Art und Weise, wie sie arbeiten, gleicht der Arbeit der heutigen Alpenschamanen“, so Limpöck.

Treffen soll klein bleiben

Das Treffen, das wegen schlechter Wetterprognosen vom 21. auf den 28. Juli verschoben werden musste, stellt Limpöck heuer unter das Motto „Vom Wesen der Kraftorte“. Zu diesem Thema gestalten rund 15 Alpenschamanen ihre Workshops, Rituale und Vorträge, an denen jeder Interessierte teilnehmen kann – kostenlos. „Mir ist es ganz wichtig, dass das keine kommerzielle Veranstaltung wird“, betont Limpöck, der den Schamanismus zwar als seine Berufung sieht, ihn aber nicht beruflich ausübt. Denn sein Geld zum Leben verdient der 59-Jährige als diplomierter Sozialpädagoge.

Filmprojekt über Mythen und Sagen mit Limpöck

Das Interesse an der Arbeit der Alpenschamanen und ihrer Arbeit scheint tatsächlich immer größer zu werden. So entsteht derzeit der Kino-Dokumentarfilm „Alpgeister“, der eine Reise „durch Zeit und Raum in die geheimnisvolle Mythen- und Sagenwelt der bayerischen Alpen“ verspricht. Darin soll Limpöck eine archaische Sonnenzeremonie in einer Unterberghöhe feiern. Der Film kommt im Sommer 2019 in die Kinos.

ALPGEISTER - der Film; "Sonnwend-Zeremonie im Untersberg" from Walter Steffen on Vimeo.

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