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Sonntags-Talk

"Das Computerspiel ist ein mächtiges Medium"

Salzburger will in Gaming-Szene durchstarten

Ein bunter Hut mit Schnauzbart und Sonnenbrille hüpft auf der Festung Hohensalzburg elegant von Kopf zu Kopf der Passanten. Was nach Fiktion klingt, wird im Computerspiel „Chapeau“ Wirklichkeit. Entwickelt wurde das Spiel von fünf ehemaligen Studenten der FH Puch-Urstein. Geschäftsführer Gregor Kirchhofer spricht im Sonntags-Talk über die Idee, ein Computerspiel zu entwickeln, die Ambitionen des Teams – und gibt einen Ausblick, wohin sich der Gaming-Markt entwickeln wird.

Puch bei Hallein

Die Blicke sind konzentriert auf die Bildschirme geheftet, die Finger tippen eifrig in die Tasten. Konzentriert arbeitet das fünfköpfige Team an diesem Dienstag in einem kleinen Büro am Campus der FH Puch-Urstein (Tennengau) am letzten Feinschliff ihres Computerspiels „Chapeau“. Als FH Startup Fellows haben sie die Möglichkeit bekommen, sich für ein Jahr gegen einen kleinen finanziellen Beitrag in die Räumlichkeiten einzumieten. Für unser Interview nimmt sich Kirchhofer (27) eine gute Stunde Zeit.

SALZBURG24: Die Technologie entwickelt sich ständig weiter und mit ihr der Computerspiele-Markt. Wie sieht dort deiner Meinung nach die Zukunft aus?

GREGOR KIRCHHOFER: Der Gaming-Markt ist nach wie vor stark am Wachsen. Denn eines kann man nicht abstreiten: Das Computerspiel ist eines der mächtigsten Medien unserer Zeit. Es gibt kein Medium, wo man als Konsument so tief in eine Geschichte reingezogen wird oder so starke Emotionen erleben kann wie in Computerspielen.

Die nächste große Neuerung wird das Game-Streaming sein. Sprich: Ein Spiel muss künftig nicht mehr direkt auf einem Computer oder eine Konsole installiert sein, man benötigt nur mehr eine gute Internetverbindung und kann so in bestmöglicher Qualität spielen. Das Spiel läuft woanders auf einem Server, man lädt nur mehr ein Bild davon in Echtzeit runter. Künftig wird man bei den Streaming-Diensten nicht mehr ein einzelnes Spiel kaufen, sondern ein monatliches Abo für eine ganze Bibliothek erstehen können. Diese Technologie wird neue Herausforderungen, aber auch neue Möglichkeiten für Entwickler schaffen. So könnten Fans beispielsweise künftig mit ihren Lieblingsstreamern beinahe übergangslos gemeinsam ein Spiel zocken.

Mit eurem Computerspiel "Chapeau" steigt ihr nun auch in den Markt ein. Wie hat sich diese Idee entwickelt?

Dass ich etwas in Richtung Computerspiele machen möchte, habe ich nach dem ersten Jahr meines Multi-Media-Art-Studiums an der FH Puch-Urstein gewusst. Ich habe dann bei meinem Pflichtpraktikum festgestellt, dass mir die Arbeit zwar Spaß macht, ich aber gerne etwas mehr Einfluss auf die Entwicklung des Spiels hätte. Nicht nur wie es aussieht, sondern auch wie das Licht gesetzt ist, die Charaktere animiert sind und wie es vermarktet wird. 

Unser Kernteam haben wir schon vor dem Master zusammengestellt, wir sind zu fünft und kennen uns allesamt schon aus dem Bachelorstudium. Ehrgeiz und Motivation waren da, also haben wir gesagt: Probieren wir’s! Wir haben nicht so viel zu verlieren, sind noch jung, leben noch einen Studenten-Standard.

Im Juli 2019 habt ihr eure GmbH, das Salt Castle Studio, gegründet.

Genau. Unser Spiel „Chapeau“ hat als Masterprojekt angefangen. Es war von Anfang an unser Ziel, daraus etwas Kommerzielles zu machen. Wir haben recht früh mit dem FH Startup Center Kontakt aufgenommen, dort wurden wir beraten und später aufgenommen. Wir sind überprüft worden, ob unser Projekt als Geschäftsidee tauglich ist und haben Business-Pläne erstellt. Es war dann ein recht flüssiger Übergang von einem Studentenprojekt zu einer GmbH mit fünf Leuten und einem eigenen Büro.

Welche Fähigkeiten benötigt man, um ein Computerspiel zu entwickeln?

Die zwei offensichtlichsten Disziplinen sind einerseits die Programmierung, also das Technische, und andererseits das künstlerische Design, also das Entwerfen, Bauen und Animieren der Welt. Auf der technischen Seite muss geschaut werden, wie alles miteinander funktioniert und interagiert. Es ist ja erst dann ein Computerspiel, wenn man als Spieler mit der Welt interagieren kann. Und damit man interagieren kann, muss das vorher jemand programmiert haben. Das sind so die zwei größten Disziplinen.

Dazu kommen noch ganz, ganz viele kleine Disziplinen, die man am Anfang gar nicht sieht. Das Game Design ist wichtig, denn: Nur weil man ein Spiel programmieren kann, heißt es nicht, dass dieses dann auch Spaß macht. Das ist aber natürlich auch ganz wichtig, weil sonst niemand das Spiel kaufen will.

Wie funktioniert „Chapeau“?

„Chapeau“ ist ein familienfreundliches Mehrspieler-Game. Es soll vor allem Familien und Freunde ansprechen, die das Spiel gemeinsam auf der Couch spielen. Der Fokus liegt auf dem Gameplay selbst. Das heißt: Jeder Spieler spielt einen von verschieden auswählbaren lustigen Hüten. Diese müssen unterschiedliche Aufgaben in den verschiedenen Spielmodi erfüllen. Wer diese am besten erfüllt, sammelt am meisten Punkte und gewinnt.

Es gibt verschiedene Spielmodi: In einem geht es darum, eine bestimmte Person anhand eines Suchbildes zu finden, bei einem anderen muss man so viele Menschen wie möglich in seiner Teamfarbe markieren, indem man auf ihrem Kopf landet.

Woher kam die Idee für das Spiel?

Wir haben uns zusammengesetzt und uns gegenseitig die Aufgabe gestellt, dass jeder auf jeden Gegenstand im Raum deuten kann und jemand anderes muss binnen weniger Sekunden ein verrücktes Spielkonzept dazu erfinden. Wenn man das zwanzig- oder dreißigmal gemacht hat, kommt irgendwann einmal auch eine richtig spannende Idee daher. So ist das Konzept mit den Hüten entstanden.

Im Trailer von „Chapeau“ meine ich die Festung Hohensalzburg erkannt zu haben.

Wir haben uns überlegt, welche Welten es im Videospielegenre noch nicht so oft gibt und tatsächlich ist Österreich als Szenerie noch nicht so oft portraitiert worden. Wir haben uns dann dazu entschieden, dass jede Spielwelt Referenz nimmt zu einer Sehenswürdigkeit oder einem bestimmten Ort in Österreich, wie eben die Festung Hohensalzburg oder den Mozartsteg. Es gibt aber auch ein paar ganz andere Welten, wie zum Beispiel eine Mondbasis.

Wie sieht der weitere Fahrplan für eure Veröffentlichung von „Chapeau“ aus?

„Chapeau“ ist im Großen und Ganzen fertig. Jetzt müssen wir nur mehr die Veröffentlichung vorbereiten. Das heißt, eine Werbekampagne aufsetzen, dazu steht der Feinschliff der Software noch an. Dann folgt die Fertigstellung der Portierung auf die Nintendo-Konsole, da wir das Spiel für PC und die Nintendo Switch veröffentlichen wollen. Und dann wird „Chapeau“ veröffentlicht und erreicht hoffentlich ein paar Leute, die Spaß daran haben. Es soll Anfang März auf "Steam" veröffentlicht werden.

Captain Slingshot

We are back and we have been quite busy these weeks. Big news coming soon! Stay tuned.

Gepostet von Chapeau am Sonntag, 12. Januar 2020

Wie oft wird zum Feierabend bei euch „Chapeau“ gezockt?

„Chapeau“ wird ständig gezockt, weil wir es natürlich auch laufend testen. Wenn wir in unserer Freizeit abends was spielen, dann aber meistens etwas anderes. Nicht, weil „Chapeau“ schlecht ist, aber es ist eben doch unsere Arbeit und in der Freizeit wollen wir dann auch einmal abschalten können.

Was ist euer Ziel mit dem Salt Castle Studio?

Das Ziel für die nächsten Jahre ist, einige kleinere Spiele herauszubringen und so ein Portfolio aufzubauen. Auch, um so den Entwicklungsprozess von A bis Z mehrmals durchzugehen. Das Portfolio soll uns irgendwann tragen, damit wir neue, größere Projekte angehen können.

Unser nächstes Projekt, das auch noch dieses Jahr herauskommen wird, fällt ins selbe Segment wie „Chapeau“, sprich ein familienfreundliches Mehrspieler-Game. Das soll uns natürlich helfen, jene Kunden, die wir durch „Chapeau“ generieren, auch ins zweite Spiel mitzunehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 10.05.2021 um 09:18 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/tennengau/salzburger-computerspiel-entwickler-gregor-kirchhofer-im-sonntags-talk-82043335

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