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Salzburgs dienstältester Friseur geht in Pension

Josef Bachauer, 84, laut Wirtschaftskammer dienstälteste Friseur Salzburgs geht nach 70 Jahren zeitgleich mit seiner 60-jährige Tochter Christa Armano, in Pension. APA/Fritz Neumüller
Josef Bachauer, 84, laut Wirtschaftskammer dienstälteste Friseur Salzburgs geht nach 70 Jahren zeitgleich mit seiner 60-jährige Tochter Christa Armano, in Pension.

Josef Bachauer, 84, wird seinen kleinen Laden am Unteren Markt in Hallein (Tennengau) nach 70 Jahren Arbeit als Friseur zusperren.

Er war in seiner Berufslaufbahn ganze fünf Tage krank, gönnte sich nur kurze Urlaube und hatte sein Geschäft kein einziges Mal geschlossen: Am Freitag, geht in Hallein der laut Wirtschaftskammer dienstälteste Friseur Salzburgs "und wohl auch Österreichs" in Pension. Ein Schritt, den er nicht alleine tut. Auch seine 60-jährige Tochter Christa Armano, die beim Vater gelernt und stets bei ihm gearbeitet hat, tritt mit 31. August in den Ruhestand.

Schon nach 1 Woche voll einsatzfähig

Begonnen hat Bachauer seine Berufslaufbahn am 1. September 1942 bei einem Friseur in seiner Heimatstadt Bad Ischl. Nicht aus Leidenschaft für den Beruf, der Nachbar suchte damals einen Lehrbuben. "Es war Krieg, es gab keine Gesellen und Jungmeister, die waren alle eingerückt. Also durfte ich schon in der ersten Woche Haare schneiden. Die meisten Kunden waren Soldaten, denen war die Frisur damals egal. Sie mussten wenig später sowieso wieder an die Front."

Die Gesellenprüfung konnte der Lehrling bereits nach zwei Jahren machen - weil er im Herbst 1944 selbst einrücken musste. Anfang der 50er Jahre lernte er in Hallein bei einem Besuch seine spätere Frau kennen und "blieb picken". 1954 machte er die Meisterprüfung, drei Jahre später eröffnete er selbst einen Laden, dort wo sich das kleine Geschäft auch heute noch befindet. 14 Lehrlinge hat er seither ausgebildet, "drei davon sind heute selbst schon in der Pension."

Friseurstudio besteht aus einem Raum

Im Bachauers Salon scheint indessen die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Einrichtung, die Föhnhauben und das Werkzeug, sind zum Teil fünf bis sechs Jahrzehnte alt. "Aber alles funktioniert noch, meine Schneidemaschine war etwa noch nie kaputt", meint der rüstige und flinke 84-Jährige mit weißem Schnauzer. Das Geschäft besteht aus einem einzigen Raum, nur 28 Quadratmeter groß, mit vier Friseursessel und einer schmalen Wartebank für Kunden. "Teilweise haben wir hier herinnen zur viert oder fünft gearbeitet", erinnert sich Bachauer. In einem kleinen Schrank stehen Rasierwasser und Haarpflegemittel, an der Wand hängen Meisterbrief und Urkunden - und eine seitenverkehrt laufende Uhr. "Damit ich die Zeit im Spiegel richtig sehe."

Junge Kunden fanden zuletzt freilich kaum mehr ihren Weg in den Salon: Gepflegt und geschnitten wurde am Schluss vor allem graues oder weißes Haar. "Ich lebe von den Stammkunden, aber die werden auch nicht mehr. Viele sterben oder kommen ins Altersheim." Ein leichtes Geschäft sei das Haareschneiden ohnehin nie gewesen. "Das ist kein Beruf, mit dem man reich wird." Außerdem würden sich viele Burschen die Haare mit dem Apparat selber schneiden. "Zwölf Millimeter oder 18 Millimeter. Die gehen nicht mehr zum Friseur." Viele Konkurrenten hätten längst das Handtuch geworfen, Neue hätten es wegen der hohen Anschaffungskosten schwer.

Friseur ist gefragt

"Besonders jetzt, wo wir am Zusperren sind, kommen die Kunden. Gestern war der Tag im Jahr, wo wir den meisten Leuten die Haare geschnitten haben. Wenn das Geschäft immer besser wird, bräuchte man eigentlich nicht aufhören", schmunzelt der Friseur, der sich selbst die Haare stets von seinen Lehrlingen schneiden ließ. "Zum Lernen am Objekt. Ich war nie so eitel. Sonst haben es die Gesellen halt wieder gerichtet."

Geändert habe sich über die Jahrzehnte verblüffend wenig. "Natürlich sind Elektromaschinen dazu gekommen und die Scheren sind besser geworden. Aber beim Handwerk, beim normalen Haarschnitt selbst, hat sich wenig getan. Nur Rasieren ist heute nicht mehr gefragt, das machen die Leute zu Hause. Natürlich habe es über die Jahre Trends gegeben: Pilzköpfe und Vokuhila bei den Männern, die Dauerwelle bei den Frauen. "Aber das ist heute kein Geschäft mehr. Heute laufen die viele jungen Männer mit Glatze herum oder Irokesen oder mit langen Haaren", klagt Bachauer - und macht keinen Hehl daraus, dass er so etwas nicht schätzt.

Fest steht, dass der morgige Freitag noch einmal turbulent werden wird. "Wir werden ganz normal arbeiten. Viele haben sich für den letzten Haarschnitt oder die letzte Dauerwelle angesagt." Wie Vater und Tochter ihre Zeit in der Pension verbringen wollen, ist noch offen, Pläne haben beide nicht. "Aber das wird sich schon ergeben." (APA)

(Quelle: S24)

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