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Salzburgs wilder Osten: Als man am Pass Gschütt um Salz stritt

Das Salzkammergut ist in jüngster Zeit über sich hinausgewachsen. LMZ/Fuschlseeregion
Das Salzkammergut ist in jüngster Zeit über sich hinausgewachsen.

Warum Salzburg einst Kolonisten ostwärts schickte und Hallstatt in seinen Anfängen dem Erdboden gleichmachte, warum in Gosau zeitweise nur mehr Mädchen in den Taufregistern aufschienen, wer 1.000 fromme Abtenauer in die Flucht schlug und warum das Salzkammergut heute kampflos nach Salzburg hineingewachsen ist, klärt dieser „Salzburger Grenzfall“.

Auf dem 957 Meter hohen Pass Gschütt zwischen Rußbach und Gosau erinnert heute ein Gedenkstein, dass im Oktober 1535 erstmals eine „ewige Gemarkung“ die Grenze zwischen Oberösterreich und Salzburg festhielt. Die Jahrhunderte zuvor waren wesentlich unruhiger. Grund dafür war die Quelle des Salzburger Reichtums: Weißes Gold, also Salz. Davon gab es nämlich in der Region in Hülle und Fülle – für Salzburg dummerweise auf der falschen, der habsburgischen Seite.

Seit mehr als 700 Jahren bildet der Pass Gschütt die Landesgrenze zu Oberösterreich. Foto: Thomas Schmiedbauer) Salzburg24
Seit mehr als 700 Jahren bildet der Pass Gschütt die Landesgrenze zu Oberösterreich. Foto: Thomas Schmiedbauer)

Der Ruf des weißen Goldes in Salzburg

Der Salzabbau stand während der Hallstatt-Zeit im ersten vorchristlichen Jahrtausend in seiner Blüte und war im Mittelalter wiederaufgenommen worden. Jetzt weckte er die Begierde der Salzburger. Sie ließen nichts unversucht, um aus der idealen Kombination von Waldreichtum und Salzvorkommen Vorteile für sich zu ziehen. Obendrein war in Goisern noch ein zusätzlicher Salzberg entdeckt worden. Mönche aus St. Peter und Salzburger Leibeigene wurden über den Pass geschickt und besiedelten die Gegend um den Ort Gosau. Doch Habsburgerherzog Albrecht I. beanspruchte die Region ebenfalls für sich und baute einen Turm als Wehranlage, der sich schon gleich nach Fertigstellung 1284 gegen Angriffe der Salzburger bewährte.

Salzkrieg mit Folgen

Eben ins Amt gekommen, fiel Erzbischof Konrad IV. sieben Jahre später mit 100 Reitern und 2.000 Mann Fußvolk ins habsburgische Salzkammergut ein. Mit dabei: Knappen vom Bergwerk in Hallein, um die beiden kurz zuvor von den Habsburgern errichteten Sudpfannen fachgerecht zu zerstören. Auch der eben entstehende Ort Hallstatt blieb vom Salzburger Feldzug nicht verschont.

Die historische Karte von Georg Matthäus Vischer aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigt die Hallstätter Sudpfannen. Foto: Oö. Landesarchiv, Karten- und Plänesammlung II 1a Salzburg24
Die historische Karte von Georg Matthäus Vischer aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigt die Hallstätter Sudpfannen. Foto: Oö. Landesarchiv, Karten- und Plänesammlung II 1a

Gosau wechselt von Salzburg ins Kammergut

Albrecht verlor im Salzkrieg ein Auge, der Erzbischof das Salz im Osten. Gosau wechselte – gegen eine stattliche Zahlung – vom Erzbistum Salzburg zum kaiserlichen Kammergut, also in den unmittelbaren Besitz des Habsburgers. Der verpflichtete sich im Gegenzug, das Salzsieden sein zu lassen; vorerst, denn kaum zwanzig Jahre später ist eine Saline in Hallstatt urkundlich belegt, die Einnahmen rieselten munter in die Privatschatulle der Habsburger, und die Konkurrenz und der fehlende Absatzmarkt im Osten setzte der Salzburger Salzwirtschaft über Jahrhunderte gehörig zu.

Scheinbarer Frauenüberschuss in Gosau

Gosau spielte für Salzburger Siedler erneut eine Rolle, als das abgelegene Tal in der Zeit der Gegenreformation verfolgten Protestanten Zuflucht bot. Um dem Wehrdienst und damit einem Glaubensbekenntnis zu entgehen, wurden in Gosau eine Zeit lang nur Mädchen geboren – dem Taufschein nach jedenfalls. Andererseits war jede männliche Arbeitskraft begehrt, weshalb man es beim „rechten“ Glauben im Salzkammergut nicht ganz so eng sah.

Aufstand um des Glaubens willen

Zu Fronleichnam 1601 schickten 300 bewaffnete evangelische Gosauer Holzknechte die aus Abtenau kommende Prozession, immerhin 1.000 Katholiken, zurück ins Lammertal. Als die aufständischen Protestanten den kaiserlichen Pfleger in seiner Burg bei Bad Ischl belagerten, rief der Habsburgerkaiser Rudolf II. den Salzburger Erzbischof zu Hilfe, der 1.000 Mann Fußvolk und 200 Reiter zum Pass Gschütt schickte und die Rebellion erstickte. Die Andersgläubigen praktizierten ihren Glauben geheim weiter, noch heute sind fast drei Viertel aller Gosauer evangelisch.

Gebietserweiterung für Werbezwecke

Weit weniger dramatisch erfolgt seit einigen Jahrzehnten die geografische Ausweitung des Salzkammerguts nach Westen. Den klingenden Namen haben Touristiker im Salzburgischen seit rund 20 Jahren als zugkräftige Werbemarke entdeckt, und so ist das historisch einst strikt habsburgische Salzkammergut vom Wolfgangsee über Fuschl, Faistenau und Hintersee bis nach Koppl und Ebenau gewachsen.

An der A1 ist Schluss

Zehn Prozent des heute als Salzkammergut bezeichneten Gebiets von rund 2.500 Quadratkilometern befinden sich auf Salzburger Boden. Die obersten Richter stellten 2014 nach einem Rechtsstreit fest, dass für das Salzkammergut „keine exakte geografische Gebietsabgrenzung“ besteht. „Nach anfänglicher Skepsis wird die Begriffserweiterung auch in Oberösterreich entspannt gesehen. Doch spätestens an der A1 ist Schluss“, räumt Hildegund Schirlbauer, Geschäftsführerin der Urlaubsregion Fuschlsee-Salzkammergut ein. Thalgau hat Ende 2016 ohnehin freiwillig den Salzkammergut-Verbund verlassen.

Aufgerufen am 10.12.2018 um 03:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/tennengau/salzburgs-wilder-osten-als-man-am-pass-gschuett-um-salz-stritt-60352678

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