Jetzt Live
Startseite Salzburg
„The Game“

Salzburger verfilmen Alltag von Geflüchteten

Gestrandete Migranten in Bosnien

Menschen ohne feste Unterkunft, Kinder die durch Ruinen laufen, mangelnde Versorgung, Fehlen des Nötigsten. Das ist die aktuelle Lage an der EU-Außengrenze in Bihac, Bosnien. Über 1.000 Menschen leben dort in der Hoffnung, in die EU einreisen und dort ein besseres Leben führen zu können. Von einer Salzburger Firma produziert, zeigt der Dokumentarfilm „The Game“ das Leid und die Hoffnungslosigkeit der Menschen vor Ort.

Um Geflüchtete an der EU-Granze im Nordosten Bosniens mit dem Nötigsten zu versorgen, gründeten die Journalistin Manuela Federl und der Gastronom Bernd Karmann den Verein Lautlos e.V.. Bereits drei Mal wurden Kleidung, Lebensmittel und Medikamente in die Lager an der bosnisch-kroatischen Grenze gebracht. Bei der letzten Fahrt dorthin, wollten Federl und Karmann filmisch dokumentieren, wo die gespendeten Dinge landen. Die Situation vor Ort erschütterte das Team dermaßen, dass sie auch den Zustand und die Gefühlslage der Menschen dort einfangen und der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen. Mit Unterstützung der Filmproduzenten Jens Börner und Simon Tasek von Doppelkopf Studio aus Anif (Flachgau), entstand das Filmprojekt „The Game“.

Grausames Spiel

Die Geflüchteten bezeichnen den Versuch, illegal in die EU einzureisen als „Game“. Ein Spiel zwischen Leben und Tod, bei dem es vor allem auf Glück ankommt. Viele von ihnen gelangen über die Balkanroute nach Europa. Diese führt, seit der Errichtung des Grenzzauns zwischen Ungarn und Serbien, von Griechenland über Albanien und Montenegro an die bosnisch-kroatische EU-Außengrenze. Dort erreichen viele von ihnen vorerst das Ende ihrer Reise. Die Filmemacher haben sich mit der Lage vor Ort beschäftigt und Gespräche mit Flüchtenden, Helfern, Schmugglern und Einheimischen geführt.

Unmenschliche Bedingungen

Die Aufnahmen zeigen Ruinen, die teils unbewohnbar aussehen, aus deren Fenstern Rauch nach außen dringt. In einer davon sitzt eine Familie um ein kleines Feuer, in dem vor allem Plastikteile brennen. In einer anderen Szene sind Planen zu sehen, die über Äste gespannt sind und so als behelfsmäßige Behausungen fungieren. „Die Menschen dort leben unter unvorstellbaren Bedingungen. Keine 600 Kilometer von uns entfernt“, so die Regisseurin Manuela Federl, gegenüber der Passauer Neuen Presse.

Abschreckende Migrationspolitik

„Die europäische Migrationspolitik hat an den Außengrenzen Zustände geschaffen, die humanitär eine Katastrophe sind“, erklärt die Filmemacherin. Ziel des Projektes sei es, Druck aufzubauen, damit Flüchtlingspolitik menschenwürdige Zustände schafft und nicht dazu dient flüchtende Menschen abzuschrecken. „Europa tritt seine Werte vor der eigenen Tür mit Füßen“, so Federl.

EU-Hilfen landen nicht vor Ort

Das Team um Manuela Federl und den Salzburger Filmproduzenten Jens Börner, begleitet Familien beim „Game“: Dem Versuch trotz menschenfeindlicher Grenzpolitik, polizeilicher Willkür und Gewalt, aus der existenziellen Angst nach Europa zu fliehen. Dabei stößt die Gruppe immer wieder auf Hindernisse. „Ehrenamtliche Hilfe ist dort nach wie vor illegal“, erzählt Federl. Auch die finanziellen Hilfen der EU kämen nicht in den betroffenen Gebieten an, das meiste davon würde durch undurchsichtige Bürokratie versickern.

Wie kann man helfen?

Um den Menschen dort wirksam zu helfen, soll der Dokumentarfilm „The Game“ einer möglichst breiten Masse zugänglich gemacht werden, um so politischen Druck aufzubauen und die schrecklichen Umstände an den Grenzen der EU zu beenden. Zu diesem Zweck wurde ein Crowdfunding eingerichtet. Das darin gesammelte Geld wird für die Fertigstellung des Films, die Erstellung verschiedensprachiger Fassungen und, um den Film in Kinos und TV zu bringen, verwendet.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 21.04.2021 um 07:47 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/the-game-salzburger-verfilmen-alltag-von-gefluechteten-101573305

Kommentare

Mehr zum Thema