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Tourismus in der Krise: Jeder Dritte wechselt Branche

Die schlechten Bedingungen im Tourismus veranlassen viele Angestellte die Branche zu wechseln. Die Arbeiterkammer Salzburg zeigt die Mängel auf und fordert Umstrukturierung.

 

Jeder dritte Arbeitnehmer in der Tourismus-Branche strebt einen Berufswechsel an. Die Arbeiterkammer Salzburg (AK) ließ eine Studie anfertigen um der Ursache auf den Grund zu gehen. Die Ergebnisse der Studie  „Arbeitsklima-Index Tourismus – Alles für den Gast?“ ist erschreckend. Laut dem Arbeitsklima-Index sind die Beschäftigten im Tourismus die unzufriedensten aller Branchen in Salzburg. Enttäuschte Erwartungen, schlechte Karrierechancen, Stress bis zum Umfallen, zu wenig Geld für viel und harte Arbeit veranlassen sehr viele Beschäftigten die Branche zu wechseln. Zudem kommt noch, dass die Zahl der Lehrlinge erschreckend zurückgeht.

Tourismus-Branche verliert Lehrlinge

Immer weniger Jugendliche streben eine Karriere im Tourismus-Bereich an. Die oft unflexiblen und kurzfristig eingeteilten Arbeitszeiten lassen sich nicht mit den Lebensgewohnheiten der jungen Menschen vereinbaren. Arbeiten an Wochenenden und das bei schlechter Bezahlung schreckt ab. Da im Tourismus aber Engagement und Motivation unbedingt notwendig ist, sind sehr viele Arbeitnehmer schon nach kurzer Zeit ausgebrannt und stehen vor dem Absprung. Junge Köche zum Beispiel verdienen in ihrer „Saison“ oft weniger als Angestellte einer Putzfirma. Zu oft werden Lehrlinge auch als Hilfskräfte „missbraucht“ und nicht in ihrem angestammten Berufsfeld eingesetzt. Arbeitgeber reagieren auf den Mangel an Nachwuchs im Hotelier-Bereich, indem sie billigeres Personal aus dem Ausland beschäftigen. „Die Ausländer jammern weniger und ertragen mehr, weil sie ja nur wenige Monate auf Saison arbeiten“, erklärte Vizepräsident der AK Salzburg Walter Androsch bei einer Pressekonferenz am Freitag. Durch vermehrten Einsatz von Fertigprodukten und im Gastgewerbe, werden qualifizierte und teurere Fachkräfte auch nicht mehr benötigt. Der Leidtragende ist dann meist der Gast am Ende der Kette.

Arbeiten im Tourismus ist hartes Brot

Der Tourismus ist mit seinen durchschnittlich 21.000 Beschäftigten einer der wichtigsten Wirtschaftszweige für das Bundesland Salzburg. Als Arbeitgeber hat die Branche allerdings einen umstrittenen Ruf, was sich auch im Beratungsalltag der Salzburger Arbeiterkammer niederschlägt: „Die Tourismus-Branche ist in der Rechtsabteilung Spitzenreiter, gefolgt vom Handel sowie der Baubranche und dem Transportgewerbe, die sich den dritten Platz teilen. Insgesamt haben wir 2010 für Tourismusbeschäftigte über 514.550 Euro gerichtlich und außergerichtlich erstritten,“schildert Abteilungsleiter Heimo Typplt. Inhaltlich gehe es vor allem um Arbeitzeiten und Überstunden. Typplt: „Die gesetzlich geregelten Ruhezeiten werden einfach negiert, Überstunden als selbstverständlich angesehen und oft ebenso selbstverständlich nicht bezahlt!“.

AK-Vizepräsident Walter Androschin: „Vor diesem Hintergrund war uns die Tourismus-Erhebung ein ganz besonderes Anliegen. Und die Befragung hat die negativen Erwartungen auch mehr als bestätigt: Hohe Belastungen, geringer Verdienst, schlechte Karrierekarten und kaum Freizeit- oder Familienleben – das ist, kurz gesagt, die Arbeitsrealität im Tourismus.“

 

Stimmungsbarometer „Arbeitsklima-Index“

Der Arbeitsklima-Index ist ein Stimmungsbarometer, mit dem man das aktuelle Arbeitsklima und das Wohlbefinden der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer messen und Trends in der Arbeitswelt erkennen kann. In Zusammenarbeit mit Gewerkschaft, Fachhochschule Salzburg und dem Meinungsforschungsinstitut IFES erhebt ihn die Arbeiterkammer in Salzburg regelmäßig seit 2004. Neben dem Allgemeinen Arbeitsklima-Index werden zusätzlich auch immer einzelne Branchen beleuchtet, wie nun – in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft vida – der Tourismus. „Insgesamt wurden dafür 30.514 Salzburger Tourismusbeschäftigte von Februar bis Ende März diesen Jahres mit einem schriftlichen Fragebogen anonym befragt. 2.710 gültig ausgefüllte Fragebögen erbringen einen beachtlichen Rücklauf von 9,4 Prozent“, erklärt Studienautorin Ines Grössenberger vom Zentrum für Zukunftsstudien (ZfZ) an der Salzburger Fachhochschule Urstein.

Ergebnisse der Studie

  • Weit unterdurchschnittlich ist die allgemeine Berufszufriedenheit der Tourismusbeschäftigten im Vergleich zu bereits erhobenen Branchen. Schlechtere Werte erreichten bisher nur Leiharbeits-Beschäftigte.
  • Hinsichtlich ihrer Rechte gegenüber ihren Arbeitgebern und ihrer sozialen Position in der Gesellschaft herrscht bei den Beschäftigten im Tourismus wenig Zufriedenheit. Der Anteil an wenig bis gar nicht Zufriedenen ist unter ihnen mehr als doppelt so hoch als beim Durchschnitt der Salzburger Beschäftigten.
  • Keinen schriftlichen Arbeitsvertrag bzw. Dienstzettel zu Beginn des Arbeitsverhältnisses zu bekommen, geben 49 Prozent der Befragten an, das ist jeder, jede zweite Tourismusbeschäftigte.
  • Was die physische Belastung am Arbeitsplatz betrifft, so fühlten sich laut Arbeitsklima-Index bisher nur die Beschäftigen aus der Baubranche sowie dem Leiharbeitsgewerbe stärker belastet.

Viel Aufwand – wenig Lohn

 

  • 61 Prozent der Tourismusbeschäftigten in Salzburg arbeiten mehr als sie vertraglich vereinbart hatten – durchschnittlich 9 Stunden pro Woche.
  • Häufig Überstunden leisten 35 Prozent, 48 Prozent gelegentlich.
  • Ständige Verfügbarkeit wird von jeder, jedem fünften Beschäftigten (19 Prozent) verlangt.
  • Den Dienstplan bekommt ein Viertel erst zwei Tage vorher, was sich negativ auf die Work-Life-Balance und die Planbarkeit der Freizeit auswirkt, wie die Befragten angaben.
  • Das Einkommensniveau der Tourismusbeschäftigten liegt um durchschnittlich 300 Euro unter dem der Salzburger Beschäftigten insgesamt, obwohl sie überdurchschnittlich viele Überstunden leisten.
  • Personen mit Migrationshintergrund verdienen im Schnitt rund 120 Euro weniger als Beschäftigte mit österreichischer Staatsbürgerschaft.
  • Das höchste Nettoeinkommen haben mit Abstand die Beschäftigten in Verwaltung und Büro, gefolgt von Küche und Service. Am wenigsten wird im Arbeitsbereich Etage verdient.
  • Unter dem Durchschnitt liegen Einkommenszufriedenheit und Bedürfnisdeckung der Tourismusbeschäftigten im Salzburg- und Branchenvergleich.
  • Nur 12 Prozent der Beschäftigten geben an, sehr gut von ihren Einkommen leben zu können, für 23 Prozent reicht es vollkommen aus. Für ganze 54 Prozent reicht das Einkommen gerade und für jede, jeden Zehnten (11 Prozent) reicht es nicht zum Leben aus.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 02.03.2021 um 09:27 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/tourismus-in-der-krise-jeder-dritte-wechselt-branche-59286631

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