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"Stimmung ist sehr trüb"

So geht's Salzburgs Händlern in der Corona-Krise

Enorme Bandbreite der betroffenen Firmen

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Die Spanne von Betrieben, die gut durch die Corona-Krise kommen und jene, denen es desaströs geht, ist enorm. (SYMBOLBILD)

Corona bestimmt seit mehr als einem Jahr unseren Alltag. Vor allem die zahlreichen Einzelhändler und Solo-Unternehmer sind besonders schwer von Pandemie und ihren Auswirkungen getroffen worden. Wir haben uns mit drei Salzburger Firmengründern über ihre aktuelle Situation unterhalten.

Anif, Salzburg, Zell am See

Österreich ist seit mittlerweile mehr als einem Jahr immer mal wieder im Lockdown-Modus. Drei Mal wurde das gesamte Land bislang heruntergefahren. Seit Anfang Februar ist zumindest der Handel wieder offen, doch wegen der Ausbreitung der Coronavirus-Mutationen bringen Experten einen neuerlichen Shutdown ins Spiel.

Auswirkungen auf Salzburgs Firmen

Wie Johann Höflmaier, Handels-Branchensprecher bei der Salzburger Wirtschaftskammer (WKS), am Montag gegenüber SALZBURG24 ausführt, gebe es in der Gesamtheit im Bundesland kaum Unterschiede zwischen kleinen und großen Betrieben. Alle Firmen seien durch die Corona-Krise teils heftig gebeutelt. Höflmaier zeigt auf, dass es aber große Unterschiede bei den Auswirkungen der Pandemie gebe: "Ein eindeutiges Bild kann man jedoch nicht zeichnen, denn bei jedem einzelnen Betrieb kommt es darauf an, was für Sortiment für welches Klientel an einem bestimmten Standort angeboten wird." Ein Geschäft, das größtenteils vom Tourismus lebt, werde es im weiteren Verlauf der Pandemie dementsprechend schwerer haben.

 

Aus diesem Grund, so Höflmaier, ist die Spanne von Betrieben, die gut durch die Krise kommen und jenen, denen es desaströs geht, enorm. Davon betroffen seien auch Lebensmittelhändler, die von Einzelbesitzern betrieben werden und nicht in einem großen Filialnetz eingespannt sind, merkt der Branchensprecher an.

"Schlimmer kann es nicht mehr werden"

"Immerhin musste ich bis jetzt niemanden kündigen", atmet Petar Maric, Inhaber vom "Hanf In" in der Landeshauptstadt, gegenüber S24 auf. Er sei zwar froh, das Geschäft zu öffnen, die Stimmung bleibe aber "gedrückt und lethargisch". Zu schaffen macht dem Shop für Cannabis und Co die Grenzschließung zu Bayern – mehr als die Hälfte des üblichen Umsatzes sei weggebrochen.

Hanf in Salzburg privat
Das "Hanf In" im Salzburger Stadtteil Elisabeth-Vorstadt feiert heuer 25-jähriges Bestehen.

"Wir warten immer noch auf den Umsatzersatz für den November und Dezember", gibt der Unternehmer an. Eigenen Angaben zufolge musste er bereits drei Mal auf das eigene Ersparte zugreifen, "um die Einkommenssteuer und Beiträge für Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen zu zahlen". Dennoch steckt Maric den Kopf nicht in den Sand, denn "schlimmer kann es ja nicht mehr werden". Ohne die Hoffnung, dass es im Herbst wieder ansatzweise normal werden könnte, würde man es nicht schaffen, lacht er zweckoptimistisch.

Hoffnung auf erfolgreichen Sommer 2021

"Umsatzeinbußen von 90 bis 95 Prozent" verzeichnet das Ehepaar Rieser, das in Zell am See (Pinzgau) das Souvenirgeschäft "Mitbringsl" und einen Kiosk betreibt. "Die Stimmung ist aktuell sehr trüb", sagt Alexander Rieser zu S24. Die staatlichen Unterstützungen seien zwar angekommen, sie würden aber nur ein Minimum bzw. die Fixkosten abdecken. "Wir mussten schon sehr viel eigenes Erspartes aufbringen", schildert der stark vom Tourismus abhängige Angestellte.

Mitbringsl Zell am See, Souvenirgeschäft, ​https://www.facebook.com/mitbringsl.zell/
Im Mitbringsl in Zell am See werden Souveniers und Andenken verkauft.

Es bleibt das Hoffen auf die warmen Monate des Jahres: Wenn der kommende Sommer annähernd so verläuft wie der letzte, dann wäre das Ehepaar "sehr zufrieden". Bis dahin dürfen aber auch die Corona-Infektionszahlen nicht explodieren, um dieses Vorhaben nicht zu gefährden. Deshalb zeigt sich Rieser auch "skeptisch, was die nächsten Wochen angeht." Der Versuch während des ersten Lockdowns einen Online-Shop aufzubauen, wurde übrigens rasch wieder verworfen: "Aufwand und Ertrag zahlen sich bei uns einfach nicht aus."

Fette Pluspunkte mit Online-Shop

Einen großen Erfolg mit ihrem Corona-bedingten Online-Shop feiert hingegen das Geschäft "Annalena" in Anif (Flachgau). "Ganz zuversichtlich" – auch wegen der Öffnung im Handel – zeigt sich die Inhaberin der Boutique, Annalena Schlager, beim Telefonat mit S24. "Die Kundinnen freuen sich darüber, wieder rauszukommen und sehnen sich nach Normalität." Auch wenn aktuell nur zwei Leute gleichzeitig im Geschäft sein dürfen, trübt das die Stimmung der 29-Jährigen keineswegs.

Viel optimistischer sei sie noch als vor einem Jahr. Im ersten Lockdown musste Schlager zwei Mitarbeiterinnen kündigen. Zudem habe sie sich selbst vier Monate lang kein Gehalt ausbezahlt und hat vom eigenen Ersparten gelebt. "Niemals hätte ich mir vorher denken können, jemals in eine solche Situation zu kommen", erinnert sie sich. Staatshilfen seien bis auf eine ausstehende Zahlung aus dem Jänner allesamt angekommen und auch das Prozedere mit dem AMS sei "völlig problemlos" verlaufen. Mittlerweile sind auch die Mitarbeiterinnen wieder an Board. Zwischenzeitlich hat Schlager den Instagram-Auftritt ihrer Boutique auf den neuesten Stand gebracht, um die Plattform zur besseren Vermarktung zu nutzen. "So kann ich gezielt Werbung für meine Produkte machen und komme mit den Kunden in direkten Kontakt." Auch aus diesem Grund blickt Schlager "sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft, zumal ich mich im Falle eines weiteren Lockdowns auf meinen Online-Shop verlassen kann, der künftig wohl immer wichtiger sein wird."

Bisher wenige Firmenpleiten in Salzburg

Trotz der vielerorts dramatischen Einbußen der Einzelhändler gebe es bis dato jedenfalls kaum Firmeninsolvenzen, was laut WKS-Branchensprecher Höflmaier an den noch laufenden Mietstundungen oder -erlässen sowie teils ausbleibenden Hilfszahlungen liege. Doch was passiert, wenn diese nicht verlängert werden und auslaufen? "Dann befürchten wir einen starken Nachzieheffekt, es wird also vermehrt zu Pleiten kommen, weil schon jetzt einigen Firmen dank der finanziellen Hilfen durch die Krise getragen werden." Auf der anderen Seite ist die Anzahl der Betriebsgründungen im Land Salzburg auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.

Höflmaier wünscht sich – wie so viele Menschen in Österreich – die Öffnung der Gastronomie samt verlängerter Sperrstunde. "Lokale und Cafés sorgen für das ganz eigene Flair in Innenstädten und Ballungsräumen." Er ist davon überzeugt, dass das öffentliche Leben somit belebt wird und auch der Handel davon profitieren kann. "Zusätzlich müssen die Durchimpfungsrate der Bevölkerung steigen und die Inzidenzzahlen sinken – aber auch bei unseren Nachbarn, denn in Österreich sind wir stark abhängig vom ausländischen Gast." Aus diesem Grund hofft er auch inständig, dass die Grenzen im Sommer offen bleiben – so wie im letzten Jahr.

(Quelle: SALZBURG24)

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