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Nachfrage nach Speiseölen & Co

Wie der Ukraine-Krieg die Preise im Supermarkt bestimmt

Spar-Chef: Teuerungen schon zu spüren

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Die Preise für Lebensmittel ziehen seit Jahresbeginn an.  (SYMBOLBILD)

Mit 5,9 Prozent hat die Inflation in Österreich im Februar den höchsten Stand seit 1984 erreicht. Im Supermarkt haben sich manche Lebensmittel zuletzt zum Teil deutlich verteuert. Für den Chef des größten Lebensmittelhändlers Spar mit Sitz in Salzburg, Fritz Poppmeier, wird der Krieg in der Ukraine über die weitere Entwicklung entscheiden.

Allein Butter hat sich um über ein Fünftel verteuert, aber auch bei Brot, Getreide, Gemüse oder Ölen und Fetten war die Teuerung zu spüren. "Der ganz große Punkt wird sein, kann der Konflikt in der Ukraine beigelegt werden. Ist das so, dann wird die Spekulationsblase bei der Energie platzen und es hätte eine irrsinnig preisdämpfende Wirkung", sagte der Handelsmanager im APA-Gespräch. Derzeit treiben die hohen Energiepreise die Inflation an.

Weitere Preiserhöhungen möglich

In den nächsten Wochen werde die Teuerung auf diesem Niveau bleiben, weitere Preiserhöhungen bei einzelnen Produkten könne er daher nicht ausschließen, so Poppmeier.

 

Die Preise für Lebensmittel ziehen seit Jahresbeginn an. Im Jahresdurchschnitt 2021 war die Teuerung bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken deutlich schwächer als 2020. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Vorjahr laut Statistik Austria durchschnittlich nur um 0,8 Prozent. Im Jänner gab es einen Anstieg um 4,9 Prozent, im Februar um 4,3 Prozent.

Spar-Chef über Rolle der Bauern

Die Verhandlungen mit den Lieferanten seien derzeit "sehr, sehr herausfordernd". Dass Hersteller oder Bauern erpresst oder unter Druck gesetzt würden, wie Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) mehrmals kritisierte, wies Poppmeier zurück. "Frau Köstinger nimmt ab und zu in den Medien eine ganz spitze Position ein, das akzeptiere ich. Wenn man aber den breiten Blick einnimmt, was gemeinsam mit den Bauern in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, dann darf man zufrieden sein." Es gebe keinen Vernichtungswettbewerb zwischen Lebensmittelhändlern und Bauern, so Poppmeier. "Es gibt sehr viele zufriedene Bauern. Die Unzufriedenheit gibt es eher auf Funktionärsebene."

Wird schon wieder gehamstert?

Spar sieht sich derzeit trotz des Kriegs und damit einhergehender Verknappungen – etwa bei Weizen oder Sonnenblumenkernen – nicht mit Versorgungsproblemen konfrontiert. Aktuell gebe es eine leicht steigende Nachfrage nach Mehl und Pflanzenöl. "Ich würde es aber nicht als Hamstern bezeichnen und ist bei uns auch kein Problem in der Versorgung", sagte Poppmeier.

Wünsche an heimische Politik

Von der heimischen Politik wünscht sich der Spar-Chef, dass sie den Konflikt in der Ukraine bestmöglich diplomatisch begleitet. Spar sucht derzeit rund 1.000 Mitarbeiter:innen und 300 Lehrlinge. Auch für Geflüchtete aus der Ukraine gebe es im Konzern verschiedene Möglichkeiten. Darüber hinaus stelle das Unternehmen Waren für die Erstaufnahme zur Verfügung, etwa in Ungarn.

Kritik übte Poppmeier am Corona-Management der Regierung. Spar habe Masken für die Bevölkerung beschafft und selbst bezahlt und auch ein betriebliches Impf- und Testsystem aufgestellt. "Im Herbst kommt noch einmal eine herausfordernde Zeit. Die Regierung muss die Corona-Krise klar und aktiv managen", forderte der Manager.

Ganz oben auf der Liste seiner Forderungen stehen auch eine Senkung der Lohnnebenkosten und die Abschaffung der Kalten Progression. "Zehntausende könnten arbeiten, arbeiten aber nicht, weil es sich nicht lohnt", sagte Poppmeier. Er sei nicht dafür, die Zuverdienstmöglichkeit beim Arbeitslosengeld zu streichen, aber Missbrauch gehöre mehr kontrolliert. Im gesamten Handel sind derzeit etwa 16.000 Stellen unbesetzt.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 01.07.2022 um 02:52 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/ukraine-krieg-bestimmt-preise-bei-spar-und-co-118928179

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