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Unwetter & Muren

Wann darf ich von der Arbeit fern bleiben?

Was ist erlaubt, was nicht?

Murenabgang B311 FF Schwarzach
Auf der B311 ist zwischen Schwarzach und Lend eine Mure abgegangen. Die Straße bleibt die kommenden Tage gesperrt.

Unwetter, Murenabgänge und Überflutungen: Wenn die Straße aufgrund solcher Wetterkapriolen dicht sind, kann das ein Grund sein, von der Arbeit zu Hause zu bleiben. Allzu leicht sollte man es sich aber nicht machen, raten Arbeitsrechtsexperten.

Grundsätzlich gilt: Wer aufgrund von Naturereignissen wie heftigen Schneefällen, Überflutungen und Murenabgängen – wie aktuell in Kärnten und in der Steiermark – gar nicht oder nicht pünktlich zur Arbeit kommen kann, braucht keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu fürchten. "Es handelt sich um einen Verhinderungsgrund, der das Fernbleiben rechtfertigt", informiert ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller.

Das Gleiche gilt für den Fall, dass Eltern bei ihren Kindern bleiben müssen, weil Kindergarten oder Schule wegen des Unwetters geschlossen bleiben und sie keine andere Möglichkeit für die Kinderbetreuung haben, informierte Müller am Montag.

Einfach daheim bleiben, geht nicht

Der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin muss aber alles ihm bzw. ihr Zumutbare unternehmen, um den Arbeitsplatz rechtzeitig zu erreichen. In diesem Fall könne der Arbeitgeber eine Verspätung oder das Fernbleiben auch nicht zum Anlass für eine Entlassung nehmen. Einfach daheimbleiben, das geht also nicht. Außerdem muss der Arbeitgeber vom Zuspätkommen oder der Verhinderung informiert werden.

Öffis und zu Fuß: Was im Unwetterfall zumutbar ist

Allerdings muss man alles Zumutbare unternehmen, um zur Arbeit zu kommen. Und je nach körperlicher Verfassung kann das durchaus einige Anstrengungen bedeuten. Zu Fuß können durchaus zwei bis drei Kilometer zum Arbeitsplatz zumutbar sein, wie auch Peter Eckel, der Arbeitsrechtsexperte der Arbeiterkammer Salzburg, erklärt. Jeder Fall ist aber individuell zu betrachten: Ist jemand fit, kann auch eine längere Strecke zumutbar sein. Hat jemand etwa Hüftprobleme, kann auch diese Distanz zu Fuß als unzumutbar gelten.

Wenn man normalerweise mit dem Auto in die Arbeit pendelt, gilt auch ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel als zumutbar. Hier habe es Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes (OGH) gegeben, die etwa ein bis eineinhalb Stunden Öffi-Fahrzeit als zumutbar einstufen, sagt Eckel.

Das gilt für freiwillige Helfer

Auch wenn der Keller unter Wasser steht oder man freiwillig für die Feuerwehr oder das Rote Kreuz unterwegs ist, ist man arbeitsrechtlich geschützt. Steht der eigene Keller unter Wasser oder muss man das Haus vor einer Mure absichern, haben Arbeitnehmer das Recht, ihr Eigentum zu schützen und können unter diesen Umständen von der Arbeit fernbleiben. Gleiches gilt für Helfer, die für Feuerwehr und Co im Einsatz sind. Sie dürfen dieser Tätigkeit im Ernstfall immer nachgehen. Aber Achtung: Kein Grund für ein Zuhausebleiben ist es, etwa dem Nachbarn als Privatperson zu helfen, sein Eigentum zu schützen. Außer, man tut das im Zuge einer Tätigkeit bei der Feuerwehr.

Prinzipiell ist es ratsam, mit dem Arbeitgeber Rücksprache zu halten. Auch wenn der Weg in die Arbeit prinzipiell zumutbar wäre, könne es sein, dass es aufgrund der etwaigen Verspätung für den Arbeitgeber keinen Sinn mehr macht, aufzutauchen. Bei diesen Fällen handelt es sich um eine bezahlte Dienstfreistellung, dass heißt das Gehalt muss fortgezahlt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden sich in diesen Fällen aber meist einig.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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