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Urban Gardening

Karotten wachsen nicht auf Bäumen

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Urban Gardening: Anbau von Obst und Gemüse mitten in der Stadt

Zu Jahresbeginn 2019 zählt Österreich rund 8.859.992 hungrige Mäuler. Mehr als ein Drittel davon lebt in Städten, oft ohne der Möglichkeit zur Selbstversorgung. Trends wie Urban Gardening kommen daher gerade recht. Frische Lebensmittel direkt aus der City. Welche Vorteile Gemeinschaftsgärten bringen und wie aus Städtern Gärtner werden.

„Wie sieht eine Karotte aus?“ fragt sie ihren Sohn, welcher konzentriert an dem orangefarbigen Saft schlürft. „Weißt du, woher Karotten kommen?“ – kein Reaktion. Hinter der Kamera startet ein Gelächter und der Bub schaut vertieft in das Glas. Nach einer langen Pause antwortet er auf die Fragen seiner Mutter mit: „Aus dem Supermarkt.“

Eine Reihe unterhaltsamer Videos kursieren im Internet, in welchen Kindern und Jugendlichen zur Herkunft diverser Lebensmittel befragt werden. Die Antworten sind amüsant und traurig zugleich. Auch wenn wir in Österreich durch rund 162.000 Land- und forstwirtschaftliche Betriebe (Quelle Statistik Austria; Stand 2017) auf heimische Produkte von Rüben über tierische Erzeugnisse bis hin zu Äpfel zurückgreifen können, wisse auch hier nicht alle, woher die Lebensmittel eigentlich kommen.

Wenn wir ehrlich sind, ist die Landwirtschaft auch für uns in vielen Bereichen ein Mysterium. Oder wissen wir ausnahmslos (ohne Google) wie Sellerie wächst, wann Erdbeersamen zu säen sind wie man Kartoffeln richtig erntet? In den Städten fehlt oft der Platz um sich mit Obst, Gemüse und Kräutern selbst zu versorgen, daher bleibt dem Großteil am Ende nur der Gang in den Supermarkt.

Was ist Urban Gardening?

Urban Gardening oder Urban Farming steht für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern mitten in der Stadt. Das kann auf dem eigenen Balkon oder am Fensterbrett, in Dachgärten oder Gemeinschaftsgärten in Wohnanlage umgesetzt werden. Urban Gardening ist nicht neu. In vielen Ländern sind Menschen auf Selbstversorgung angewiesen, auch wenn sie in Großstädten leben und wenig Raum zum Anbau von Obst und Gemüse zur Verfügung haben. Jede Fläche wird genutzt um neben Blumen und Sträuchern auch Tomaten, Zucchini, Paprika und Auberginen anzubauen.

Viele Ländern weltweit sehen sich mit der Problematik einer wachsenden Bevölkerung und dem damit steigenden Bedarf an Lebensmittel konfrontiert. Kamen im Jahr 1950 auf jeden Erdbürger noch rund ein halber Hektar Land, werden es laut Berechnungen hundert Jahre später nur noch 0,15 Hektar sein. Neben dem Wachstum machen unter anderem der Klimawandel und die Essensgewohnheiten der Landwirtschaft zu schaffen.

Urban Gardening hat sich daher bereits in vielen Teilen der Welt als Landwirtschaft in the City etabliert. Städte und Architekten fördern den Trend und planen in Wohnsiedlungen oder auf Dächern Platz für die Hobbygärtner ein.

Urban Gardening: Frischer Salat ohne weite Transportwege

In Städten fehlt oft der Platz für Privatgärten und somit kommen Obst und Gemüse ausnahmslos aus dem Supermarktregal. Doch wie viel Arbeit hinter einem Kilo Tomaten steckt und das der Verzehr von frische Knoblauchzehen im Gegensatz zu getrocknete Knoblauchpulver aus dem Glas tatsächlich Vampire fernhalten kann, erfährt man nur, wenn man die Gelegenheit bekommst selbst die Hände schmutzig zu machen und dabei mehr über unser Essen zu lernen.

Durch Grünflächen, die durch Stadtbewohner gemeinsam betreut werden können, werden Biolebensmittel mitten in der Stadt und in der Nähe des Wohnorts angebaut und aufgeteilt. Frische Lebensmittel kommen somit direkt aus dem eigenen Gemeinschaftsgarten auf den Teller. Ohne unnötige Transport- oder Verpackungskosten.

Städter werden beim Urban Gardening zu Gärtnern und erleben hautnah, wie und wann Obst, Gemüse und Kräuter wachsen, wie viel Arbeit und Zeit die Betreuung der Gärten in Anspruch nimmt und welchen Wert Lebensmittel haben.

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Vorteile für Selbstversorger-Gemeinschaftsgärten

Ziel der Gemeinschaftsgärten ist es, die Lebensqualität der Städter zu steigern. Die Grünflächen schaffen einen grünen Raum für das Miteinander. Städter widmen sich gemeinsam einem Projekt, lernen und wachsen mit ihren Lebensmitteln mit. Durch den direkten Zugang zu einem ‘eigenen’ Garten können Jung und Alt Obst, Gemüse und Kräuter in Eigenregie anbauen und ernten. Bewohner erfahren damit was es heißt, sich mit Lebensmittel zu versorgen und wie viel Arbeit in der Landwirtschaft steckt. Durch die gemeinsame körperliche Betätigung wird auch der Austausch zwischen den Städtern gefördert.

Gärten in der Stadt tragen auch zu den lokalen Temperaturen bei. Abhängig von den Blumen und Pflanzen mildern diese die Temperatur in der Stadt, indem sie Sonnenlicht absorbieren.

Urban Gardening bringt Artenvielfalt in die Stadt

Die bewirtschafteten Grünflächen leisten einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt. So finden neben heimischen Pflanzen und Sträuchern auch Schmetterlinge, Vögel und viele weitere Nutztiere einen grünen Lebensraum mitten in der Stadt.

Gemeinschaftsgärten sind der optimale Lebensraum für Bienen, daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in eigenen Dach- und Gemeinschaftsgärten auch Bienenstöcke befinden. Bienen profitieren von dem vielfältigen Angebot und sorgen dafür, dass wir jeden Sommer Erdbeeren aus dem eigenen Garten genießen können.

(Quelle: SALZBURG24)

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