Jetzt Live
Startseite Salzburg
Klima verändert Landwirtschaft

Kreative Brauer setzen auf Urgetreide

Stiegl-Gut in Wildshut baut alte Sorten an

symb_gerste; symb_getreide PIXABAY
Der Trend geht weg von der zweizeiligen Sommergerste, hin zu Wintergerste und Urgetreide. (SYMBOLBILD)

Die klimatischen Veränderungen zwingen Österreichs Landwirte auf andere Sorten zu setzen. Darauf müssen dann mittelfristig auch Brauereien reagieren. Im Stiegl-Gut Wildshut an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich setzt man seit 2006 bewusst auf Urgetreidesorten – mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Ohne Getreide kein Malz und somit kein Bier. Darum blicken nicht nur Österreichs Landwirte, sondern auch die Brauer jedes Jahr gespannt auf die Erträge. Heuer mit einem Lächeln. Denn das Getreide auf den heimischen Feldern hat sich als robust erwiesen und ist gut gewachsen. Die Erntemenge 2022 überstieg mit 2,9 Millionen Tonnen sogar leicht jene des Vorjahrs, meldete die Agrarmarkt Austria (AMA) Anfang August. Auch die Anbauflächen haben sich vergrößert. Verändert haben sich jedoch die angebauten Sorten: Es wurde deutlich mehr Dinkel (+24 Prozent), Hartweizen (+19 Prozent), Wintergerste (+6 Prozent) und Roggen (+4,8 Prozent) angebaut.

 

Sommergersten-Anbau nimmt ab

Gesunken sind hingegen die Anbauflächen von Sommerkulturen, wie etwa der zweizeiligen Sommergerste. Diese gilt als Hauptsorte für Brauereien. Damit setzt sich ein bereits in den Vorjahren erkennbarer Trend fort. "Es kommt zu einer Verlagerung von den Frühjahrsanbaukulturen zu den Herbstanbaukulturen", so AMA-Vorstandschef Günter Griesmayr in einer Aussendung. Das Ziel bestehe darin, die Winterfeuchte besser auszunutzen und die Sommerhitze zu umgehen. Die Ertragssicherheit werde somit gesteigert. Hintergrund seien zunehmende Klimaveränderungen.

Stiegl Gut Wildshut Marco Riebler
Am Stiegl Gut in Wildshut wird seit 2006 Urgetreide angebaut.

Stiegl erkennt Trend im Getreideanbau früh

Auf diese Trendwende setzt die Stieglbrauerei auf dem einzigen Biergut der Welt in Wildshut bereits seit 2006. Es war die Vision der Inhaber-Familie Kiener, auf dem eigenen Boden sämtliche Rohstoffe für die Bierbereitung auf eigenem Grund zu haben. Dazu zählte eben auch das Rekultivieren von Urgetreidesorten wie die Alpine Pfauengerste, Schwarze Nacktgerste oder Vögeles Gold. „Der Vorteil ist, dass diese Urgetreidesorten widerstandsfähiger sind, weil nichts weggezüchtet wurde“, erklärt Stiegl-Kreativbraumeister Markus Trinker im Gespräch mit SALZBURG24. Diese Sorten wurzeln tiefer, somit machen ihnen Dürrephasen weniger aus. Zudem können sie dadurch mehr Nährstoffe aufnehmen.

Malz ???? . Seit 2012 betreiben wir am Stiegl-Gut Wildshut unsere eigene Mälzerei und verwenden die Malzkreationen, um...

Gepostet von Stiegl-Gut Wildshut am Donnerstag, 17. März 2022

Lehrjahre in Wildshut

Mittlerweile freut man sich in Wildshut auch über gute Erträge. „Heuer war ein gutes Jahr, weil es im Frühjahr viel Niederschlag gab und dann trocken war“, freut sich Trinker. Anfangs hätte man aber viel ausprobiert, welche Sorten sich überhaupt an diesem Standort im Grenzgebiet von Salzburg und Oberösterreich eignen. Doch nicht nur der Wildshuter Landwirt musste tüfteln, auch die Brauer und Mälzer. „Das Getreide macht so viel im Bier aus und wir müssen nehmen, was da ist, während der klassische Brauer sein Malz nach Normwerten kauft“, so Trinker. Das mache es für alle Beteiligten nicht einfacher. Für diese Herausforderung ist der mehrfach ausgezeichnete Braumeister allerdings auch sehr dankbar. „Das schafft Bewusstsein und Verständnis.“

 

Brauer und Bauer Hand in Hand

Mittlerweile baut man die verschiedenen Urgetreide-Sorten nach strenger siebenjähriger Fruchtfolge an. Dadurch erhält man auch jedes Jahr andere Feldfrüchte. Die daraus gebrauten Biere sind damit einzigartige, unverwechselbare Jahrgänge. So etwas kannte man sonst nur vom Wein. Und dafür nehme man im Gut den Mehraufwand gerne in Kauf. „Bei uns gehen Bauer und Brauer gemeinsam aufs Feld, erstellen Anbaupläne und prüfen die Ackerflächen nach Bodenbeschaffenheiten“, erzählt der Braumeister. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Mälzer, der jedes Getreide individuell behandeln muss. „Dazu braucht es Fingerspitzengefühl, weil man auf so viele achten muss. Aber unser Wildshuter Braumeister Sebastian Essl macht das sehr gut“, lobt Trinker seinen ausführenden Kollegen.

Klasse statt Masse

Diese Art der Land- und Kreislaufwirtschaft wird aufgrund des Aufwands heutzutage sonst von keiner Brauerei mehr betrieben. Aber natürlich kann man Malz aus Urgetreide auch einfach zukaufen und damit Bier brauen. „Wenn Brauereien und Mälzereien bereit sind, dafür auch mehr zu zahlen, werden die Landwirte künftig auch mehr davon anbauen“, ist sich der gebürtige Steirer sicher. Interessant seien diese Getreidesorten für Brauereien, die sich in Nischen bewegen. Sie hätten dadurch den Mehrwert durch Einzigartigkeit. „Klasse statt Masse.“ Zusätzlich ist das „Back tot he roots“-Thema aktuell populärer denn je und wird von vielen Menschen trotz höherer Preise gut nachgefragt.

Doch nicht nur Brauer orientieren sich um. Auch Bäcker würden mittlerweile immer öfter Ausschau nach Urgetreide halten. Ganz nach dem Motto: „Entweder man geht mit der Zeit, oder man geht mit der Zeit“.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 04.12.2022 um 07:48 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/urgetreide-als-kreative-loesung-fuer-bierbrauer-126435976

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Starte die Diskussion.

Kommentare anzeigen K Kommentare ausblenden Esc Teile uns deine Meinung mit.

Mehr zum Thema