Jetzt Live
Startseite Salzburg
Salzburg

VCÖ: Norwegen mit Diesel- und Benzinauto-Verbannung Vorbild

Der VCÖ will E-Mobilität vorantreiben. APA/dpa/Zinken
Der VCÖ will E-Mobilität vorantreiben.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht Norwegen als Mobilitätsvorbild für Österreich und die EU. Grund ist das Ziel der Skandinavier, Diesel und Benzin-Pkw vom Markt zu drängen und Elektromobilität vorantreiben. Die deutsche Automobilindustrie hingegen läuft Sturm gegen den norwegischen Vorstoß.

Der VCÖ wies am Dienstag darauf hin, dass die Klimaziele von Paris bedeuten, dass spätestens ab dem Jahr 2050 weltweit der Verkehrssektor ohne Erdöl funktionieren müsse. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche es für Neufahrzeuge auch in der EU die Festlegung eines Zeitpunktes, ab dem kein Neuwagen mehr mit Diesel- oder Benzin-Motor auf den Markt kommen darf.

Was haltet ihr davon?

VCÖ: Verbot soll Druck auf Hersteller erhöhen

"Der Ausstieg aus dem Erdöl kann nur bei den Neuwagen beginnen. Der Zeitraum 2025 ist ambitioniert, aber erreichbar", so VCÖ-Fachfrau Ulla Rasmussen. "Die EU sollte nun nachziehen und ebenfalls einen Zeitraum festlegen, ab dem keine neuen Diesel- und Benzin-Pkw mehr verkauft werden. Realistisch für die EU ist ein Zeitraum zwischen 2025 und 2030." Eine langfristige Zielsetzung gebe den Fahrzeug-Herstellern auch Planungssicherheit. Für Kunden ergebe sich der Vorteil, dass die Fahrzeugbauer dann mehr E-Autos auf den Markt bringen würden, was deren Preise senke.

Deutsche Autoindustrie läuft Sturm

Die deutsche Autoindustrie lehnt Norwegens Pläne hingegen ab. "Die drastischen Maßnahmen, die jetzt die norwegische Regierung plant, haben mit einem marktwirtschaftlichen Ansatz nichts mehr zu tun," kritisierte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Dienstag in Berlin. "Sie bereiten vielmehr den Weg in eine ökologische Planwirtschaft", so der Auto-Lobbyist weiter. Eine rigide Verbotspolitik führe nicht zum Ziel, sondern zu wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen. Die Bedürfnisse des Kunden werden ausgeblendet.

Der bessere Weg, um den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu verringern, seien "passende, zeitlich begrenzte Anreize", die Norwegens bisherige Politik geprägt hätten. "Die Politik war immer dann schlecht beraten, wenn sie Technikvorgaben machte statt Grenzwerte zu definieren. Der Innovationsprozess erfolgt über den Markt", fügte der Verbandspräsident hinzu. Die Ingenieure, Entwickler und Tüftler säßen in den Unternehmen, nicht in der Politik. Das von Norwegen angestrebte Verbot von Verbrennungsmotoren könne für andere Länder, besonders für Deutschland, "kein Vorbild sein".

Norwegen: Kein komplettes Verbrennungmotor-Verbot

In Medienberichten hatte es zuerst geheißen, Norwegen plane ein komplettes Verbot bei Neuzulassungen von Benzin- und Diesel-Pkw ab 2025. Das hat man nun zurückgewiesen. "Norwegen hat nicht vor, den Verkauf von Benzin- und Dieselautos ab 2025 zu verbieten", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Dienstag in Oslo.

Die Regierung wolle vielmehr zum Kauf von umweltfreundlichen Fahrzeugen ermutigen und setze daher lieber auf Zuckerbrot als auf Peitsche. Die rasche Entwicklung neuer Technologien und Treibstoffe sorge ohnehin dafür, dass Autos mit Verbrennungsmotoren langfristig ersetzt würden. Ein Zulassungsstopp sei dazu nicht nötig.

Norwegen hat sich zum Ziel gesetzt, den Ausstoß von Neuwagen an klimaschädlichem Kohlendioxid 2020 im Schnitt auf 85 Gramm je Kilometer zu begrenzen. Bis zum Jahr 2050 streben die Nordeuropäer an, eine Gesellschaft mit besonders niedrigem CO2-Ausstoß zu werden.

Die Nachrichtenagentur dpa hatte berichtet, in Norwegen solle in weniger als zehn Jahren ein Zulassungsstopp für Autos mit Verbrennungsmotor gelten. Ab 2025 dürften keine neuen Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr auf die Straßen kommen, sie sollten durch E-Mobile und andere alternative Antriebe ersetzt werden. Auch andere Verkehrsträger sollten umgekrempelt werden: So sollten nach 2030 alle neuen Schiffe und Fähren abgasfrei sein, im Flug- und im Schwerlastverkehr solle mehr Biotreibstoff eingesetzt werden.

Norwegen ist schon jetzt Vorreiter bei alternativen Antrieben. Das Land, das neben Großbritannien zu den größten Erdölförderländern in Westeuropa zählt, subventioniert den Kauf von Elektroautos massiv. In Norwegen sind deshalb schon deutlich mehr batteriebetriebene Wagen unterwegs als im Autoland Deutschland.

Die norwegische Regierung will dem Parlament im nächsten Frühjahr einen Nationalen Transportplan für den Zeitraum 2018 bis 2029 präsentieren, in dem der Schritte zur Senkung des CO2-Ausstoßes und zum Umbau des Verkehrssystems festgeschrieben werden sollen.

(APA)

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 01.03.2021 um 01:58 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/vcoe-norwegen-mit-diesel-und-benzinauto-verbannung-vorbild-53539351

Kommentare

Mehr zum Thema