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Veganes "Fleisch"

Das steckt in Ersatzprodukten

Gut für Gesundheit und Klima?

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In Fleischersatzprodukten stecken oft viele Zusatzstoffe. (SYMBOLBILD)

Würstel, Burger oder Faschiertes: Fast alles gibt es mittlerweile auch als vegane oder vegetarische Alternative im Kühlregal. Besser für die Gesundheit, besser für die Umwelt – so das Motto der Hersteller. Während das auf die Öko-Bilanz durchaus zutrifft, schaut es beim gesundheitlichen Nutzen anders aus.

Die Grundzutaten für den Fleischersatz sind je nach Hersteller unterschiedlich. Die meisten Produkte bestehen aus Tofu, Soja-, Erbsen- oder Weizenprotein. Doch auch aus Linsen und Lupinen (gehören zur Familie der Hülsenfrüchte) wird Fleischersatz gemacht. Experimentiert wird außerdem mit Pilzen, Reisprotein, Nüssen oder Kichererbsen.

"Fake-Fleisch" aus Pflanzen

Das Ziel ist bei allen gleich: Ein Produkt zu erschaffen, das schmeckt, aussieht und sich anfühlt wie richtiges Fleisch. Geschafft haben will das das US-Unternehmen "Beyond Meat“. Mit einer Mischung aus Wasser, Erbsenprotein, Ölen und 17 weiteren Zutaten soll Fleischgeschmack imitiert werden. Imitiert wurde mittlerweile auch das eigene Produkt. Auch viele andere wollen ein Stück des fleischlosen Kuchens.

Deshalb finden sich in allen heimischen Supermärkten Fleischprodukte ohne Fleisch – quasi "Fake-Fleisch". Von Burger-Patties und Kebab bis zu Streichwurst oder Leberkäse gibt es alles in der veganen Variante.

Stark verarbeitete Lebensmittel

Ansprechen sollen sie aber hauptsächlich die Fleischtiger der Bevölkerung, Veganer und Vegetarier machen in Österreich nämlich nur einen kleinen Teil – zwei und vier Prozent – aus. Laut einer Umfrage greifen immerhin 14 Prozent beim Grillen zu veganen Produkten.

Zu dieser Gelegenheit kauft auch Andreas Hirnsperger hin und wieder Fleischersatz. Seit mehr als sieben Jahren lebt der Salzburger vegan. Der Lehrer und Ernährungstrainer erläutert gegenüber SALZBURG24: "Rein ernährungstechnisch ist das nicht sonderlich gesund. Die Produkte enthalten viel Salz und Fett sowie Geschmacksverstärker.“ Das sieht auch Anna Grundbichler so. Die Kuchlerin (Tennengau) gibt vegane Kochkurse und verzichtet seit drei Jahren auf tierische Lebensmittel. Zu Fleischersatzprodukten greift sie überhaupt nicht: "Das sind stark verarbeitete Lebensmittel mit wenigen Nährstoffen", erzählt sie gegenüber S24. Dass vegan nicht gleich gesund bedeutet, davon sind die beiden überzeugt.

Weiß: "Vegan muss nicht gesünder sein"

Das bestätigt Konsumentenschützerin Ulrike Weiß von der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich im Gespräch mit S24: "Vegan muss nicht gesünder sein, auch bei den vegetarischen Produkten sollte man ganz genau auf die Inhalte schauen."

Elf vegane bzw. vegetarische Fleischersatzprodukte hat die AK im Sommer letzten Jahres unter die Lupe genommen. Auffällig: Fast alle Produkte enthalten zu viel Salz. Auch der Fettgehalt ist in den veganen und vegetarischen Wurstwaren teils gleich hoch, wie in den tierischen Pendants. "Gerade bei verarbeiteten Produkten lohnt es sich, bezüglich der Zusatzstoffe die Inhaltsangaben zu studieren", rät die Konsumentenschützerin.

Ein Kilo Rindfleisch ergibt 27 Kilo CO2

Besser fällt hingegen die Öko-Bilanz des Fake-Fleischs aus. Der gebürtige Salzburger Kurt Schmidinger hat 2012 untersucht, wie viel klimaschädliches Gas bei der Herstellung eines Produktes entsteht. Der Lebensmittelwissenschafter rechnet dabei den gesamten Weg von der Rohstoffgewinnung bis zum Endverbraucher mit ein.

Ein Kilo Rindfleisch aus Europa verursacht demnach bis zu 27 Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Berechnungen von Greenpeace ergeben einen CO2-Ausstoß von 13,3 Kilo. Das "Sustainable Europe Research Institute" (SERI) hat 2011 die CO2-Bilanz von Soja untersucht. Die CO2-Werte sind deutlich niedriger und jeweils für ein Kilogramm Masse: Mit 0,4 Kilo schlägt Bio-Soja zu Buche, auf 0,8 Kilo kommt Soja aus Europa und jenes aus Brasilien verursacht 1,8 Kilogramm CO2. Wird das anschließend zu Tofu verarbeitet, fallen laut Schmidinger 3,8 Kilogramm Kohlendioxid an. Doch auch hier gilt: "Nur, weil etwas fleischfrei ist, heißt es nicht, dass es auch nachhaltig ist. Da helfen Gütesiegel", betont Ulrike Weiß.

Fleischgeschmack mit Marinade imitieren

Wer fleischlosen Fleischgeschmack möchte, kann das auch mit unverarbeiteten pflanzlichen Alternativen erreichen. AK und die vegane Köchin Grundbichler raten dazu, Tofu und Co. mit den üblichen Grill- und Fleischgewürzen zu marinieren. Das würde den Anspruch "gut für Gesundheit und Umwelt" tatsächlich erfüllen.

(Quelle: SALZBURG24)

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