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Appell an die Konsumenten

Emotionale Debatte um Sonntags-Öffnung

"Kauft im Handel, nicht bei Amazon!"

Shopping, Einkaufen, Europark, SB WILDBILD
Shoppen am Sonntag – ein heißumkämpftes Thema. (SYMBOLBILD)

Verkaufsoffene Sonntage sind in Salzburg weiterhin ein heiß umkämpftes Thema. Nach der Ankündigung von Shoppingcenter-Betreiber SES unter anderem den Salzburger Europark an vier bis sechs Sonntagen pro Jahr öffnen zu wollen, wird unter den SALZBURG24-Usern heftigst diskutiert. Die Gewerkschaft spricht sich vehement dagegen aus.

Bis zu sechs einheitliche Sonntage sollen pro Jahr geöffnet werden dürfen, wünscht sich das Unternehmen mit Sitz in Salzburg. Man wolle so Chancengleichheit mit dem Online-Handel schaffen. "Wenn Umsätze im Internet landen, schwächt das den stationären österreichischen Handel und seine Arbeitsplätze enorm", warnt SES. Für den Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (ÖAAB) ist dieses Argument haltlos. "Der Onlinehandel ist keine direkte Konkurrenz zu den Öffnungszeiten von Geschäften. Wer sich über das Internet etwas kaufen will, geht auch eher weniger in ein Geschäft, da es dafür andere Gründe gibt, wie z.B. Auswahl, Preis und Zeitersparnis", berufen sich Landesobmann Karl Zallinger und  Fraktionschef Hans Grünwald auf den Handelsforscher Wolfgang Richter. Auch Gerald Forcher, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA-djp in Salzburg kann dem Vorstoß nichts abgewinnen. In Bundesland gibt es rund 35.000 Angestellte im Handel, österreichweit sind es 415.000. 

Großteil der Angestellten gegen Sonntagsöffnung

In einer Umfrage, die im Vorjahr unter 2.500 Beschäftigten von der GPA-Djp durchgeführt worden ist, sei die Ablehnung jedenfalls enorm. "Eine überwältigende Mehrheit, nämlich 95 Prozent aller Handelsangestellten, lehnen eine Sonntagsöffnung im Handel ab. Auch jene, die durch eine Ausnahmeregelung, wie zum Beispiel in einem Tourismusort am Sonntag im Geschäft stehen, lehnen zu 85 Prozent die Sonntagsöffnung ab", so Forcher. Das Argument der Wirtschaft, dass der Sonntag ein Umsatzbringer sei, würden die Tourismusorte nicht bestätigen, erläutert der Gewerkschafter: "Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent der sonntags Beschäftigten, machen die Erfahrung, dass sich die Sonntagsöffnung in ihrer eigenen Filiale nicht auszahlt und diese besser wieder schließen sollte."

Einen ähnlichen Eindruck vermittelt auch Julia Peham, Gremialgeschäftsführerin der Sparte Handel in der Salzburger Wirtschaftskammer, auf S24-Anfrage. "Es gibt immer noch ein großes Nein der Salzburger Händlerschaft", erklärt sie. Sollte es zur Sonntags-Öffnung kommen plädiert die WKS auf eine österreichweite Einheitlichkeit, "sonst erleiden kleinere Firmen einen Nachteil, weil sie nicht dasselbe Marketingbudget wie Handelsriesen haben, um den Tag separat zu bewerben." Ein Rundruf in den Salzburger Einkaufszentren blieb am Donnerstag großteils unbeantwortet, im Forum 1 verwies man auf die Stellungnahme der SES vom Mittwoch.

Ein eindeutiges Stimmungsbild zeigt sich unter den SALZBURG24-Usern. Gefragt nach bis zu sechs verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr, stimmten rund 70 Prozent (oder 886 Stimmen; Stand: Donnerstag, 9.30 Uhr) dagegen. Lediglich 29,18 Prozent (oder 365 Stimmen) sprachen sich für eine teilweise Sonntagsöffnung aus.

 

Emotionale Debatte zu verkaufsoffenen Sonntagen

"Überflüssig", "unnötig" – so lautet der Tenor unter den rund 140 Kommentaren zu einem Posting von Mittwochabend auf der SALZBURG24-Facebookseite. "Danke, wirklich kein Bedarf. Weder am Sonntag, noch an Feiertagen oder gar in der Nacht. Lasst den Mitarbeitern bitte ihre wohlverdienten Ruhezeiten mit der Familie", schreibt etwa ein User. Ein ähnliches Argument bringt auch Gewerkschafter Forcher zum Tragen. "Rund acht von zehn Handelsangestellten sind weiblich. Da nach wie vor die meisten familiären Pflichten auf den Schultern der Frauen lasten, trifft die Sonntagsöffnung sie – und die Familien - besonders heftig! Was ist mit den Kindern, was mit den Angehörigen, die es zu pflegen gilt?", so Forcher.  "Was ist mit Schichtbetrieben, Pflegeberufen, Tankstellen und Lieferservice – die arbeiten auch rund um die Uhr?", stellt ein S24-User die durchwegs berechtigte Gegenfrage.

Wie würdet ihr das finden? ????

Gepostet von SALZBURG24 am Mittwoch, 4. Dezember 2019

Über eigenes Konsumverhalten nachdenken

"Kauft im Handel und nicht bei Amazon, dann würden solche Sachen nicht kommen. Und viele, die hier so schreiben, sind die ersten, die am Sonntag mit der Familie shoppen gehen", ist ein weiterer User überzeugt. "Wenn‘s keine Leute geben würde, die zu so tollen Zeiten wie bis 23 Uhr einkaufen gehen würden, dann würden die doch gar nicht auf sowas kommen", schreibt eine Userin. "Soll mal jeder darüber nachdenken, wie sein eigenes Konsumverhalten aussieht", appelliert sie weiter.

Die Gewerkschaft befürchtet indes, dass die Öffnung an bis zu sechs Sonntagen nur der Anfang sei. "Ist die Tür einmal offen, geht sie nicht mehr zu. Heute sind es sechs, morgen dann zehn und in fünf Jahren kommt dann die generelle Sonntagsöffnung", warnt Forcher. Man wolle jedenfalls entschlossen dagegen vorgehen.

(Quelle: SALZBURG24)

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