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Vom orientalischen Palmwedel zum alpinen Palmbuschen

Die Karwoche wird im Land mit verschiedenen Bräuchen zelebriert. Neumayr/MMV
Die Karwoche wird im Land mit verschiedenen Bräuchen zelebriert.

Die Karwoche beginnt mit der Palmprozession am Palmsonntag und endet mit dem Karsamstag. Wird der Ostersonntag einbezogen, spricht man von der "Heiligen Woche". Sinn der Karwoche ist das trauernde Gedenken an das Leiden von Jesus Christus. Palmprozessionen am Palmsonntag sind erstmals im 4. Jahrhundert belegt.

Im 9. Jahrhundert drangen die Palmprozessionen von Spanien und Frankreich aus in den alpinen Raum vor und wurden mit der Segnung der Zweige verbunden.Der erste Beleg für einen lebenden Palmesel stammt von 970. In der Biblia Pauperum im Salzburger Stift St. Peter, 14. Jahrhundert, ist ein Palmeselritt dargestellt, am Nonnberg gab es einen berühmten mittelalterlichen Palmesel. In Puch bei Hallein hat sich ein barocker hölzerner Palmesel mit Christusfigur erhalten. In Thomatal im Lungau führte der mittlerweile verstorbene Pfarrer Valentin Pfeiffenberger den Ritt auf dem lebenden Palmesel in den vergangenen Jahrzehnten wieder ein und fand Nachahmung in Hintersee.

Vom Palmwedel zum Palmbuschen

Die kirchliche Segnung der Zweige ist seit dem 9. Jahrhundert in Europa nachweisbar. Aus der antiken Sieges- und Huldigungspalme entwickelte sich im Glauben der Bevölkerung der Segens- und Abwehrzweig und wurde seit dem Mittelalter durch heimische Zweige, auch unter dem Namen "Palmen", ersetzt. In der Gegenreformation importierten viele europäische Höfe Ölzweige aus dem Mittelmeerraum für die Fronleichnamsprozession. Männer und Frauen trugen, wie heute noch, Zweige oder kleine Handbüschel in der Prozession. Als "Palmen" wurden viele regionale Sorten zu diesem Zeitpunkt grünender Zweige verwendet und vielfach bis heute auch als Palmen bezeichnet. Sind es etwa in Polen bis heute getrocknete Gräser und Strohblumen mit Ruskus und Buchsbaum, so gelten für den Alpenraum die jungen Austriebe der Saison und Region. So finden sich im Lungau und Pinzgau fast nur Weiden, im Pongau auch Wacholder, Buchsbaum und Thuja, im Tennengau und Flachgau dazu noch Zeder(er), Eibe, Hasel, Stechpalme und "Schredler".

Erst in unserem Jahrhundert kam vielfältiger Schmuck in den Palmbuschen: Im Lungau Papierbänder und -blumen; im Tennengau Brezen und bunte Hobelscharten; im Pinzgau und Flachgau Bänder, Brezen, bunte Ostereier, Äpfel und "Gschobatbandeln"; im Salzkammergut Papierbänder und -rosen, Erika sowie trockene Buchen, die rostrote Farbtöne liefern. Ganz allgemein vermischen sich heute die Charakteristika, Formen und Farben. Sie werden üppiger und nehmen Moden auf.

Geweihte Palmzweige bringen Segen

Der geweihte Palmzweig gilt im Volksglauben als besonders Heil und Segen bringend, ihm werden vielfältige Abwehrfunktionen zugeschrieben. So bringt der Bauer seinen Buschen bzw. einzelne Zweige oder Kreuze aus Palm- und Weihholz am Ostersonntag oder Ostermontag auf den Acker und steckt die Zeichen unter Gebeten ein. Ganze Palmbuschen werden im Flachgau, Salzkammergut, Rupertiwinkel und Berchtesgaden dafür verwendet, im Pongau und Lungau werden einzelne Zweige mit Spänen der Weihholzscheiter von der Feuerweihe zu Kreuzen gebunden, im Pingau werden Zweige mit Schalen der Weiheier in Felder und Äcker gesteckt. Sie sollten den Ertrag fördern und Hagel abhalten. Der Palmzweig beim Kreuz ist noch in vielen Haushalten üblich. Früher wurden Palmkätzchen gegen Halsweh und andere Leiden von Menschen geschluckt und dem Vieh eingegeben, bei Gewitter ins Herdfeuer und bei Hochwasser in den Bach geworfen. Vielfach wird der Rest des Palmbuschens (im Pinzgau und Pongau immer) unter dem First des Hauses aufbewahrt.

Großer Palmbesen, großer Treidhaufen

Die Buschengröße zeigte auch die Größe und den Reichtum des Hofes an – "großer Palmbesen, großer Treidhaufen". Im Pongau und Tennengau, vom Flachgau und von Berchtesgaden ausgehend, setzen sich im 20. Jahrhundert Buschen mit bunten Hobelscharten (Gschobat) durch. Bis zur ersten Hälfte unseres Jahrhunderts trugen nur Bauernburschen (die Hoferben) einen großen geschmückten Palmbuschen auf einer Stange zur Kirche und erhielten dafür beim Heimkommen (Wettlauf der Burschen) ein Osterei und Festessen, während die übrige Bevölkerung in Stadt und Land einzelne Zweige oder kleine Sträuße trug. Mit der Vergrößerung und Idyllisierung der Formen in den vergangenen Jahrzehnten sowie über Initiative von Organisationen (u.a. Heimatwerk, Landjugend, Pfadfinder, Schul- und Kindergartenkinder) verbreiteten sich diese Sonderformen weithin. Rund um den Palmbuschen entstanden viele Bräuche und volkstümliche Redensarten wie: "Schneit's am Palmsonntag in die Palmen, schneit's die Küh' von den Almen" oder "Palmen im Klee, Ostern im Schnee".

(Quelle: S24)

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