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Prozess

Chef soll Arbeiterin vergewaltigt haben

55-Jähriger beteuert Unschuld

Landesgericht, SB APA/BARBARA GINDL
Der 55-Jährige musste sich heute am Landesgericht Salzburg schweren Vorwürfen stellen. (SYMBOLBILD)

Ein Salzburger ist am Montag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg mit schweren Vorwürfen konfrontiert worden. Der 55-Jährige soll in einer Fabrik im Land Salzburg als Vorgesetzter eine Mitarbeiterin von 2015 bis 2018 mindestens zweimal vergewaltigt, zudem mehrmals sexuell bedrängt und genötigt haben.

Die Frau leidet laut Anklage an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der bisher unbescholtene Mann beteuerte vor dem Schöffensenat seine Unschuld.

Dem Anklagevortrag der Staatsanwältin zufolge hat die Frau ein Martyrium durchgemacht. Der unmittelbare Vorgesetzte soll sie am Arbeitsplatz unter Druck gesetzt haben, um sie gefügig zu machen. So habe er ihr gedroht, er werde ihr schwerere Arbeiten auftragen, falls sie seinen Befehlen nicht gehorche und sie sexuell nicht gefügig sei. Das Arbeitsverhältnis zwischen den beiden Kollegen sei zunächst gut gewesen. Ab dem Jahr 2015 habe der Mann seiner untergebenen Mitarbeiterin gegenüber zunächst anzügliche Bemerkungen gemacht, sie dann sexuell genötigt und an ihr dem Beischlaf ähnliche Handlungen ausgeübt.

Frau erlitt Zusammenbruch

Anfang 2016 habe die Frau einen Zusammenbruch erlitten. "Sie wurde in einer Klinik stationär behandelt", schilderte die Staatsanwältin. Als sie im Frühjahr wieder in den Betrieb zurückkehrte, habe sie der Angeklagte wieder mit sexistischen Bemerkungen belästigt und ihr den Verlust des Arbeitsplatzes angedroht, falls sie die Vorfälle ausplaudern würde. Es sei wieder mehrmals zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Keine Anzeige aus Angst

Aus Angst vor Repressalien habe die Arbeiterin vorerst keine Anzeige erstattet. "Der psychische Zustand der Frau hat sich verschlechtert. Im Sommer 2016 kam es zu einem Suizidversuch", erklärte die Staatsanwältin. Die verheiratete Mutter von Kindern habe nicht wollen, dass die Familie von den sexuellen Übergriffen verbunden mit schweren Demütigungen erfährt, von denen der Beschuldigte weiterhin nicht abgelassen habe. Sie habe ihm auch 20 Nacktbilder von ihr übermitteln müssen. Seiner Aufforderung, mit ihm in einem Hotel zu übernachten, sei sie aber nicht nachgekommen. Schließlich habe die Frau das Gewaltschutzzentrum, den Betriebsleiter der Firma und auch den Geschäftsführer informiert. Der Beschuldigte wurde im August 2018 entlassen.

Angeklagter bekennt sich "nicht schuldig"

"Ich bin nicht schuldig", sagte der Angeklagte zur vorsitzenden Richterin. "Ich habe kein Verhältnis mit ihr gehabt. Mit keiner Frau dort." Dass ihn die ehemalige Kollegin belaste, beruhe möglicherweise auf einem Komplott mit dem Betriebsrat, meinte der Salzburger. Er bestritt die Vorwürfe der Vergewaltigung, sexuellen Nötigung und Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung. "Mein Verhältnis zu ihr war normal", betonte er. Es stimme, dass er für die Arbeits- und Urlaubseinteilung zuständig und die Frau ihm direkt unterstellt gewesen sei.

Chef soll Nacktbilder von Angestellter bekommen haben

Nur ein einziges Mal habe er ihr in einer WhatsApp-Nachricht am Handy eine anzügliche Bemerkung geschickt, nachdem er unaufgefordert von ihr Nacktbilder erhalten habe. Man könne auch nicht nachweisen, dass er der Absender von dem Chatverlauf sei, von dem die Frau einen Screenshot gemacht habe, rechtfertigte er sich. Seine damalige Kollegin habe während der Arbeit gerne und lange mit Männern geredet, und Mitarbeiterinnen gemobbt, versucht der Angeklagte die Frau ins schlechte Licht zu rücken. Er selbst habe kein Problem mit ihr gehabt. Das Hotel habe er deshalb gebucht, weil er für eine Laufveranstaltung trainiert und danach getrunken habe. So habe er mit dem Auto nur bis zu dem Hotel alkoholisiert fahren müssen und nicht mehr weiter bis nach Hause. Dass er die Arbeiterin aufgefordert habe, ins Hotel zu kommen, stimme nicht.

Gutachterin attestiert psychische Störung

Ein neuro-psychiatrische Gutachterin attestierte bei dem mutmaßlichen Opfer eine psychische Störung. Der Verteidiger des Mannes erklärte hingegen, die Frau habe schon vor dem angeklagten Zeitraum eine Persönlichkeitsstörung gehabt. Die Ursache sei nicht auf den Angeklagten zurückzuführen. Sie habe auch nach den angeblichen Übergriffen "nicht direkt" einen Arzt aufgesucht, es seien keine Verletzungen an den Geschlechtsteilen bekannt. "Sie hat eine interessante Art, Wahrheiten darzustellen", meinte der Anwalt.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

(Quelle: APA)

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