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Historische Kleidung

Warum Tracht noch heute "in" ist

Experte: "Dirndl und Lederhose sind etwas Besonderes"

Tracht, Wildschütz Ball SALZBURG24/Wurzer
Ganz trachtig ging es beim Wildschütz Ball zu.

Beim Wildschütz Ball, dem Rupertikirtag und anderen traditionellen Feierlichkeiten werfen sich jährlich zahlreiche Salzburgerinnen und Salzburger in Trachtengewand. Warum bei uns Dirndl und Lederhose auch heutzutage gerne getragen werden, was die Tracht bei uns so besonders macht und ob diese weiter eine Zukunft hat – Hans Köhl, der Leiter des Salzburger Heimatwerkes, klärt auf.

Die Form der Trachtenpflege ist in Österreich und im süddeutschen Sprachraum eine ganz besondere, erklärt Köhl im Gespräch mit SALZBURG24. „Unsere Art der Trachtenpflege beinhaltet auch eine Form der Erneuerung der Tracht. Das ist etwas, das es in anderen Ländern bei deren traditionellen Gewändern oft nicht so stattfindet. Diese sind oft in ihren wunderschönen, aber alten Gewändern steckengeblieben.“

 

Anders in Österreich: „Bei uns wird aus historischen Trachten auch immer etwas Modernes gemacht. Es gibt hier also eine permanente Erneuerung, auch in dem Verständnis, was als Tracht gilt und wie sie getragen wird.“ So tragen Frauen zum Dirndl verschiedenste Schuhtypen, Materialien und Stile werden nach Herzenslaune gemischt.

Wieso die Jugend gerne Tracht trägt

„Was man kombiniert, ist eine Frage des eigenen Geschmacks und Stils, es gibt für mich hier kein absolutes No-Go. Was dem einen gefällt, mag der andere vielleicht gar nicht. Aber diese Unterschiede machen es oft aus. Es gibt keine Gebote und Verbote, an die man sich unbedingt halten muss“, betont der Experte. Die ungezwungenen Kombinationsmöglichkeiten bei Dirndl, Lederhose und Co. macht Köhl auch als einen Grund aus, wieso die traditionelle Mode von der Jugend so gut angenommen wird.

Gegenbewegung zur Globalisierung

Dazu gibt es noch weitere Gründe „Das hat auch sicherlich etwas mit Identifikation zu tun. Ich denke, dass es eine Gegenbewegung zur Globalisierung darstellt. Man möchte sich abheben. Man kann sich so zum klassischen Gewand unterscheiden, das in aller Welt getragen wird. Die Tracht ist was Besonders, das nicht jeder trägt“, weiß Köhl.

Kleidung als Ausdruck der Region

Vor allem in den ländlichen Regionen spiele Tracht mitunter eine größere Rolle: „Mitglieder von Vereinen wie der Landjugend verstehen die Tracht oft aus Gemeinschaftskleidung oder aus Ausdruck ihrer Region. Daher sind in den letzten 20, 30 Jahren auch so genannte Ortstrachten entstanden, mittels derer sich verschiedene Orte voneinander unterscheiden möchten“, klärt der Experte auf.

Dass Tracht gerne auf Bällen getragen wird, ist eine Neuerung aus dem 20. Jahrhundert: „Nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Leute einfach Tracht getragen, weil es ihr Gewand war.“

Die Zukunft der Tracht

Auch das Thema  Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. „Der Umweltgedanke ist ebenso ein Thema. Für die Tracht werden oft nur natürliche Materialien wie Baumwolle, Leder, Leinen und reine Seide verwendet“, erklärt der Heimatwerk-Leiter. Natürlich könne man auch Massenware kaufen – doch hier stelle sich auch die Frage, was man unter Tracht versteht: „Viele verbinden mit Tracht auch Haltung, Kultur und Tradition.“ Geht es nach Köhl, wird Tracht auch in Zukunft weiter getragen werden: „Regionale Trachten haben alleine schon deshalb eine Zukunft, weil das Thema Nachhaltigkeit wieder in den Vordergrund gerückt ist.“

Einen ausführlichen Sonntags-Talk über Tracht lest ihr HIER.

(Quelle: SALZBURG24)

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