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Steigender Bedarf

Was in der Pflege in Salzburg gut läuft

Hauskrankenpflegerin wirbt für die Branche

2021DWSmobil_BerndKäferböck (34)_web.jpg Diakonie.mobil/Bernd Käferböck
Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die zählt die Diakonie.mobil in Salzburg.

Dass in Sachen Pflege dringender Handlungsbedarf besteht, ist unumstritten. Corona hat die Versäumnisse der Vergangenheit in aller Deutlichkeit aufgezeigt. Dementsprechend negativ sind die medialen Schlagzeilen. Das will das Diakoniewerk Salzburg nun ändern – und hat mit uns über die positiven Seiten der Pflegearbeit gesprochen.

„Aus der Pflege gibt es auch viel Positives zu berichten“, sagt Katharina Riedlsperger (39) von der Diakonie.mobil in Salzburg. Sie ist eine von 70 Mitarbeitenden des mobilen Haushalts- und Pflegedienstes, die rund 300 betagte und kranke Menschen in der Stadt Salzburg und im Tennengau betreuen. „Was im stationären Bereich oft ein Problem ist, das haben wir nicht“, sagt die 39-Jährige im SALZBURG24-Interview. Eine Vollzeit-Arbeitswoche beträgt 37 Stunden, die Arbeitszeitgestaltung sei flexibel und der Beruf daher gut mit Kindern und Familie zu vereinbaren, wirbt die Einsatzleiterin für die mobile Pflege.

IMG_8346.JPG SALZBURG24/Naderer
Das Interview fand coronabedingt über Video-Call statt. Im Bild: S24-Chefredakteurin Nicole Schuchter im Gespräch mit Katharina Riedlsperger (Einsatzleiterin, rechts im Bildschirm) und Elisabeth Braunsdorfer (Kommunikation und PR) von der Diakonie.mobil.

Bedarf an mobiler Pflege steigt

Der Bedarf sei die letzten Jahre hinweg kontinuierlich gestiegen. „Jeden Tag gibt es neue Anfragen“, erzählt die 39-Jährige, die 2013 vom stationären Intensivpflege-Bereich in die mobile Pflege gewechselt ist. Das bestätigen auch die aktuellsten Zahlen der Statistik Austria. So wurden in Salzburg im Jahr 2020 insgesamt 8.151 ältere Personen durch mobile Dienste (z.B. Hauskrankenpflege, Heimhilfe) zu Hause betreut, 2015 waren es noch 7.250 – also um rund 900 Menschen weniger. Mehr als zwei Drittel der betreuten Menschen sind Frauen. Im Vergleich mussten 2020 insgesamt 5.789 Menschen stationär in Heimen oder Pflegehäusern aufgenommen werden, 292 erhielten eine Kurzzeitpflege.

Und – auf Grundlage des demografischen Wandels und er immer älter werdenden Bevölkerung – gehen Prognosen davon aus, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte von Menschen mit über 65 Jahren bis 2030 – also in nur acht Jahren – um 39 Prozent steigen wird.

 

„Gut durch Corona durchgekommen“

Ein spannendes Detail am Rande: Regelrecht eingebrochen sei die Nachfrage im ersten Corona-Lockdown im März 2020. „Da war die Nachbarschaftshilfe am Anfang derart enorm, dass es uns fast nicht mehr gebraucht hat“, blickt Riedlsperger zurück. Danach sei die Zahl der Einsätze aber rasch wieder auf das Ausgangsniveau und darüber gestiegen. Insgesamt sei man bei der Diaktonie.mobil „sehr gut“ durch die vergangenen zwei turbulenten Pandemiejahre gekommen. „Wir haben uns im Team viel ausgetauscht, das war wichtig für uns alle.“

Die schönen Seiten des Pflegeberufs

Das Schöne an dem Beruf sei der direkte und regelmäßige Kontakt zu den Menschen, sagt Riedlsperger. „Wir können bei der 1:1-Versorgung dort einsteigen, wo es notwendig ist – egal, ob wir ein Mal in der Woche oder drei Mal täglich gebraucht werden.“ Auch wenn anfangs manchmal durchaus Skepsis bei den zu Betreuenden zu spüren sei, würde sich diese aber meist schnell in Freude umwandeln. „Man lernt sich ja auch kennen und es entsteht mit der Zeit eine Routine.“ Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass der Kontakt zur mobilen Pflegerin oder zum mobilen Pfleger für viele Menschen auch ganz oft der einzige sei. „Leider ist Alterseinsamkeit ein sehr großes Thema.“ Apropos Pfleger: Man mache zunehmen die Erfahrung, dass die zu Betreuenden „sehr gerne“ mit Männern zu tun haben. Natürlich möchte sich ein älterer Herr auch gerne mal mit einem Mann unterhalten können – vielleicht ein Zukunftsmarkt?“, schmunzelt Riedlsperger.

Haushaltshilfe und Krankenpflege zu Hause

Die Betreuung älterer oder kranker Menschen zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld hält Riedlsperger für essenziell. „Es ist unsere Aufgabe, die Menschen so zu unterstützen, dass es daheim gut funktioniert – und dabei können wir auch die Angehörigen entlasten.“ Die mobile Pflege mache es möglich, dass so viele Menschen ihr Leben selbstständig und eigenverantwortlich gestalten können. „Welche Hilfe konkret benötigt wird, das plane ich gemeinsam bei einem Erstgespräch mit den Betroffenen und ihren Angehörigen“, erzählt die 39-Jährige. Entsprechend ist die Betreuungsarbeit der Diakonie.mobil in zwei Bereiche gegliedert: In der Haushaltshilfe geht es vorrangig darum, im Haushalt zu unterstützen: Reinigung, Fensterputzen, Einkaufen, Hilfe beim An- und Auskleiden, Körperpflege, Begleitung zu Bank- oder Behördengängen und gemeinsame Arztbesuche. „Wir helfen auch regelmäßig bei den Pflegeanträgen. Denn hier ist einfach vieles schon Online und gerade Senioren tun sich da schwer.“ Der zweite große Bereich umfasst die Hauskrankenpflege und wird von ausgebildeten Kräften (Diplom, Pflegeassistenz) durchgeführt und beinhaltet Aufgaben wie Verbandswechsel, Wundversorgung, Ernährungssonden oder Verabreichung von Injektionen.

15 mobile Dienste im Land Salzburg

Neben Diakonie.mobil gibt es weitere 14 private Organisationen in Salzburg, die mobile Betreuung und Pflege übernehmen. Die Kosten für die Betroffenen sind sozial gestaffelt und orientieren sich an der jeweiligen Pflegestufe, vom Land Salzburg gibt es einen Kostenzuschuss, der direkt über die Dienstleister abgerechnet wird.

Die Zentralstellen der mobilen Pflege und Betreuung im Überblick:

Community Nurses gehen an den Start

Und weil wird schon bei guten Nachrichten sind: "Die Pilotprojekte Community Nursing können beginnen", das gab Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) erst diese Woche am Dienstag bekannt. Community Nurses sollen zentrale Ansprechpersonen für Betroffene sein und niederschwellig, regional, wohnortnah und bedarfsorientiert pflegerische Unterstützung anbieten. Das Geld – nämlich 54,2 Mio. Euro – kommt von der Europäischen Union, Österreich kann damit 123 Pilotprojekte mit mehr als 190 Community Nurses in ganz Österreich finanzieren.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 27.05.2022 um 06:40 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/was-in-der-pflege-in-salzburg-gut-laeuft-116837164

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