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Wasserretter im Sonntags-Talk

"Mehr Einsätze, weniger Tote"

Landeseinsatzleiter Karl Kreuzhuber zieht Bilanz

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Karl Kreuzhuber, Landeseinsatzleiter der Salzburger Wasserrettung, am Strandbad in Seeham. 

Noch lässt das Badewetter auf sich warten, doch spätestens ab Ende Mai dürften die Salzburger Seen und Flüsse wieder bevölkert sein. Für Salzburgs Wasserretter bedeutet der Sommer meist Hochsaison. Im vergangenen Jahr verzeichnen die Helfer insgesamt 396 Einsätze, davon 78 akute Alarmeinsätze. Das sind 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Im heutigen Sonntags-Talk wollen wir die Arbeit der Freiwilligen in den Mittelpunkt stellen und ziehen mit Landeseinsatzleiter Karl Kreuzhuber Bilanz.

396 Einsätze, davon 78 Alarmeinsätze, sieben Lebensrettungen in letzter Sekunde, sieben Todbergungen und 578 Erste-Hilfeleistungen an den Strandbädern rund um Salzburgs Seen – das sind die markantesten Kennzahlen der Salzburger Wasserrettung für das Jahr 2018. Landeseinsatzleiter und Vizepräsident des Salzburger Landesverbandes, Karl Kreuzhuber (49), hilft uns im Sonntags-Talk bei der Einordnung dieser Zahlen, spricht über die oft unterschätzten Gefahren im Wasser und gibt wertvolle Sicherheitstipps. Wir haben Kreuzhuber am Strandbad seiner Heimatgemeinde Seeham (Flachgau) zum Interview getroffen.

SALZBURG24: Die Zahl der Einsätze für die Wasserrettung ist im letzten Jahr um 20 Prozent angestiegen, wie erklären Sie sich das?

KARL KREUZHUBER: Letztes Jahr hatten wir einen Jahrhundertsommer. Das heißt, es waren viele Menschen über einen langen Zeitraum in Strandbädern, Freibädern oder an den Flüssen. Dadurch erkläre ich mir diese Mehreinsätze für die Wasserrettung. Wichtig zu wissen ist in dem Zusammenhang auch, dass es zwar deutlich mehr Einsätze gab, aber im Vergleich zu anderen Jahren weniger Menschen, die im Wasser zu Tode gekommen sind.

Das heißt konkret?

Im Jahr 2018 sind sieben Menschen in Salzburgs Gewässern ums Leben gekommen und konnten von uns nur noch tot geborgen werden. Ein Jahr vorher waren es acht, die Jahre davor jedoch mit bis zu 17 Toten deutlich mehr. Die Zahl ist in den letzten fünf bis sechs Jahren glücklicherweise rapide zurückgegangen.

Was sind die Gründe für den Tod im Wasser?

Das Wasser selbst ist in den wenigsten Fällen die Todesursache. Etwa zehn Prozent der Toten sind ertrunken, weil sie nicht schwimmen konnten. In den meisten Fällen war entweder Alkohol im Spiel oder es gab Kreislaufprobleme.

Was sind denn die Gefahren des Wassers?

Vorausgesetzt man kann schwimmen, besteht die größte Gefahr darin, dass man überhitzt – zum Beispiel nach dem Ausdauersport – ins kalte Wasser springt. Dieser Temperaturunterschied schlägt sehr stark auf den Kreislauf. Da kommen dann meistens wir ins Spiel. Aber auch Selbstüberschätzung oder ein Wetterumschwung können zur Gefahr im Wasser werden. Es kommt zum Beispiel ein Gewitter auf, die Wellen werden höher und man schafft es nicht mehr ans Ufer. Das kann dir als Schwimmer, beim Segeln oder bei jedem anderen Wassersport passieren.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich beobachte, dass jemand im Wasser untergeht?

Als erstes ist jedenfalls der Notruf unter der Nummer 144 zu alarmieren. Von dort aus werden wir über ein bestimmtes Stichwort – wie zum Beispiel „Wasser“ automatisch über Piepser und Handy mitalarmiert.

Wenn man einen Auftriebskörper hat, kann man hinausschwimmen und dem in Notgeratenen den Auftriebskörper geben. Doch ich rate hier zur Vorsicht. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass die Person um ihr Leben kämpft, in Todesangst und in Panik ist. Sie wird alles daran setzen, sich irgendwo festzuhalten und zu klammern. Das kann auch beim Retter sein. Und wenn man die Befreiungsgriffe nicht kennt, ist es ganz schwierig, sich davon zu lösen und es besteht die Gefahr, dass man mit hinunter gezogen wird.

Sie sind seit 30 Jahren bei der Wasserrettung. Welche Einsätze sind Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben?

Als Landeseinsatzleiter bin ich über jeden Einsatz, der im Land Salzburg abläuft, informiert. Was immer im Hinterkopf bleibt und was man immer zu verarbeiten hat, sind Einsätze mit Kindern. Kinder schlagen auf die Seele, auch wenn man noch so viele Einsätze hinter sich hat.

Ein Einsatz, der auch länger geblieben ist, ist der Absturz des Polizeihubschraubers am Achensee gewesen. Da gab es mehrere Tote und die Medienpräsenz war enorm.

Wie kann man solche Einsätze verarbeiten?

Nach Einsätzen, vor allem bei Todbergungen, gibt es bei uns immer Nachbesprechungen. Da ziehen wir dann auch das Rote Kreuz heran, das uns mitbetreut. Das sind die Profis in solchen Sachen.

Was ist aus Ihrer Sicht das besondere an der Wasserrettung – gerade auch im Vergleich mit anderen Einsatzorganisationen?

Ich kenne eigentlich keine Einsatzorganisation, die Dienste am Wasser machen und Strandbäder überwachen. Die Österreichische Wasserrettung macht außerdem im großen Stil Schwimmausbildungen und lehrt den Kindern das Schwimmen – von den Grundlagen bis hin zum Rettungsschwimmer. Neben den diversen Schwimmausbildungen kann man bei uns auch den Motorbootführerschein machen oder Tauchen lernen.

Wir haben in Salzburg insgesamt 2.200 Mitglieder und in den Ortsstellen sehr starke Jugendgruppen, das freut uns besonders. Und wir haben auch das Glück, dass die Jungen fast immer dabei bleiben.

Am 25. Mai wird der Tag der Wasserrettung gefeiert und zahlreiche Ortsstellen machen einen Tag der offenen Tür. Was spielt sich dort ab?

Man hat am 25. Mai die Möglichkeit die Wasserrettung in seinem Ort kennenzulernen. Was spielt sich dort ab, was machen sie, was können sie, welche Geräte haben sie? Außerdem können auch Motorboote und Jetskis in den Ortstellen getestet werden. Wir haben überall ein tolles Rahmenprogramm.

Tag der Wasserrettung WR Salzburg

Warum sind Sie damals zur Wasserrettung?

Was mich fasziniert, ist, dass ich den Menschen helfen kann. Ich bin nebenbei auch bei der Feuerwehr. Das mit der Wasserrettung hat sich damals eigentlich zufällig ergeben, weil ich einen Bootsführer brauchte. Und da entstand der erste Kontakt.

Haben Sie als Wasserretter eigentlich eine besondere Beziehung zum Wasser?

Ja, ich bin sehr gerne im Wasser und mich zieht es zum See. Egal ob Segeln, Surfen, Schwimmer oder Tauchen, das ist mein Leben.

Zum Abschluss noch einmal kurz zurück zur Bilanz: Die Salzburger Wasserrettung hat letztes Jahr 62.000 ehrenamtliche Stunden geleistet. Das sind 10.000 Stunden mehr als im vergangenen Jahr. Sind Sie mit der Unterstützung seitens der Bevölkerung und Politik zufrieden?

Ja, eindeutig. Mit der Anerkennung aus der Gesellschaft sind wir sehr zufrieden. Unsere Arbeit wird geschätzt. Wo es natürlich immer mehr sein kann, ist es das Geld. Wir sind eine komplette Freiwilligenorganisation, leben von Spenden und bekommen vom Rettungsschilling etwas vom Land Salzburg. Davon leben wir. Es soll eine Erhöhung des Rettungsschillings geben und darüber sind wir sehr glücklich.

Vielen Dank für das Interview.

Sehr gerne.

Sicherheits-Tipps fürs Wasser

  • An Baderegeln halten
  • Nicht mit erhitztem Körper ins Wasser gehen, das ist ganz wichtig.
  • Nicht ins Wasser gehen, wenn man körperlich angeschlagen ist oder man das Gefühl hat, krank zu werden.
  • Wenn ein Gewitter oder Sturm aufkommt, möglichst rasch das Wasser verlassen.
  • Ältere Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten auf keinen Fall alleine ins Wasser gehen
  • Kinder sollten ebenso immer in Begleitung eines Erwachsener im Wasser sein. Zusätzlich Schwimmhilfen nehmen, die am Körper bleiben.
(Quelle: SALZBURG24)

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