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Wenn Armut krank macht – und Krankheit arm

Die Caritas will mit ihrer Studie die Abhängigkeit von Armut und Krankheit aufzeigen. Jork Weismann/Caritas Salzburg
Die Caritas will mit ihrer Studie die Abhängigkeit von Armut und Krankheit aufzeigen.

Ausgewogene Ernährung, eine warme Wohnung – oder ein Arztbesuch: Für viele selbstverständlich, für 82.000 Menschen im Bundesland Salzburg, die als armutsgefährdet gelten, kaum leistbarer Luxus. Wer in Armut lebt, ist daher auch häufiger krank, wie eine Studie der Caritas Salzburg belegt. Um diesen Zustand zu bekämpfen, gibt es laut Studienautor Robert Buggler nur einen Weg, wie er im S24-Gespräch schildert.

Etwa 15 Prozent der Salzburger galten in den letzten drei Jahren als armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Das sind 82.000 von insgesamt 549.263 Menschen, die im vergangenen Jahr im Bundesland lebten. Als armutsgefährdet gelten jene Haushalte, deren Nettoeinkommen unter einem bestimmten Schwellenwert – im Jahr 2017 waren das 1.238 Euro netto – liegt.

Niedrigere Lebenserwartung in Armut

Wer arm ist, leidet auch überproportional an schlechter Gesundheit, wie die Caritas-Studie zeigt. So geben insgesamt acht Prozent (32.000 Personen) der Salzburger an, über schlechte bzw. sehr schlechte Gesundheit zu verfügen. Armutsgefährdete Menschen sind mit österreichweit 13 Prozent überrepräsentiert. „Der Gesundheitszustand ist natürlich ein subjektives Empfinden“, erklärt Studienautor Robert Buggler im Gespräch mit SALZBURG24. Allerdings: Wer arm ist, habe statistisch gesehen auch eine geringere Lebenserwartung, betont der Experte.

Krankheit ein Grund für Armut

Armut und Gesundheit stehen also in Abhängigkeit zueinander. Belastende Lebensbedingungen, Stress und schlechte Ernährung wirken sich häufig negativ auf den Gesundheitszustand aus. Wer arm ist, spart häufig beim Heizen und beim Essen. 9.000 Salzburger gaben an, aus finanziellen Gründen ihr Heim nicht ausreichend zu heizen, 37.000 sparen bei der Ernährung.

Umgekehrt kann Krankheit auch zu Armut führen. So hat eine Studie in Deutschland gezeigt, dass bei 15 Prozent jener Menschen, die in den letzten Jahren arbeitslos waren, die Gesundheit der Auslöser war. Nach der Kündigung verschlechterte sich bei der Mehrheit anschließend der Gesundheitszustand sogar noch. In Österreich sind mehr als ein Drittel der armutsgefährdeten Menschen chronisch krank.

Caritas-Studie soll Thema bewusst machen

„Die Studie soll aufzeigen, dass Menschen, die armutsgefährdet sind, einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem haben“, berichtet Buggler. „Trotz eines beinahe lückenlosen Versicherungsschutzes und zahlreichen Vergünstigungen gibt es Ungleichheiten im österreichischen Gesundheitssystem“, heißt es vonseiten der Caritas. Wie das sein kann? „Wenn jemand zum wiederholten Mal eine neue Brille braucht, wird er sich den Selbstbehalt irgendwann einmal nicht mehr leisten können“, gibt der Studienautor ein Beispiel. Arme Menschen würden sich auch Medikamente mitunter nicht leisten können.

Wenige soziale Projekt in Salzburg

Projekte, dieses soziale Ungleichgewicht auszugleichen, gebe es schon, so Buggler. Als Beispiel nennt er den Virgilbus, der der medizinischen Notversorgung Obdachloser, Notreisender und all jener, die über keine Krankenversicherung verfügen, dient. Dieser steuert jeden Sonntag Plätze an, die stark von Obdachlosen und Bettlern frequentiert werden. „Dennoch hat mich während der Recherche überrascht, dass es in Salzburg wenige solcher Projekte gibt“, berichtet Buggler, der sich in diesem Fall mehr Initiative von politischer Seite wünscht. Mit Projekten wie dem Virgilbus würden Menschen Stück für Stück ins Gesundheitssystem geholt werden.

Soziales als wirksame Medizin

Wie sich Armut und die damit verbundene schlechte Gesundheit bekämpfen lassen? „An und für sich kann man das von beiden Seiten angehen, da das eine das andere bedingt“, so der Experte. „Man kann zum Beispiel sagen: Wir akzeptieren Armut und investieren entsprechend in ein kostengünstigeres Gesundheitssystem“, führt Buggler weiter aus.

Der nachhaltigere Weg, wäre jedoch ein anderer: „Man muss schauen, dass man Armut verhindert. Darauf muss der primäre Blick gerichtet sein“, erklärt er. In seiner Studie fordert Buggler daher unter anderem, dass leistbarer Wohnraum geschaffen werden müsse, sich die Arbeitsmarktpolitik noch mehr um Risikogruppen, wie ältere Arbeitslose, kümmern müsse und eine Bildungspolitik gefordert sei, die kein Kind und keinen Jugendlichen zurücklasse. „Ansonsten laufen wir dem Thema immer hinterher. Im Gesundheitssystem kann ich das, was Armut erzeugt, immer nur reparieren. Die größte Gesundheitsprävention in Zusammenhang mit dem Thema Armut ist immer die Armutsbekämpfung“, erklärt der Studienautor. Das Soziale sei in diesem Fall die beste Medizin.

(Quelle: SALZBURG24)

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