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Füttern keine gute Idee

Wenn Schwäne plötzlich lästig werden

Gemeinde am Attersee leidet unter den Wasservögeln

SB: Schwan, Höckerschwan SALZBURG24 / Aleksandar Andonov
Ein Schwanen-Paar mit einem Jungtier am Fuschlsee.

Nach Berichten über eine Schwanen-Plage an einem Badeplatz am Attersee (OÖ) im Salzkammergut haben wir uns die Lage der anmutig aussehenden Wasservögel im Land Salzburg genauer angeschaut.

Erst letzte Woche wurden Berichte über eine Schwanen-Plage in Weyregg am Attersee bekannt. Demnach füttert eine Anrainerin die Vögel im großen Stil. Weil sich Badegäste wegen des anfallenden Drecks um ihre Gesundheit fürchten, wurden die Polizei und der Bürgermeister eingeschaltet. Der Zugang zum See im Strandbad sei bereits massiv mit Algen überzogen und mit Fäkalien verdreckt. "Schwäne sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden“, sagt Christine Medicus vom Haus der Natur gegenüber SALZBURG24: "Besonders im Bereich von Bädern ist es völlig inakzeptabel sie durch Futter anzulocken und sich damit Probleme mit Schwaneneltern einzuhandeln."

Warum Füttern keine gute Idee ist

Mittlerweile hat die Gemeinde Weyregg ein Fütterungsverbot ausgesprochen. Denn ein Überangebot an Futter lockt mehr Vögel aus der Umgebung an.

Die Folge: Vermehrte Ausscheidungen, was zu einem erhöhten Nährstoffgehalt und zu Fäulnisprozessen im Wasser führt. Das wiederum fördert verstärktes Algenwachstum, wodurch der Sauerstoffgehalt des Wassers stark vermindert wird. "Die Fütterung von Wasservögeln führt immer wieder zu Konflikten und ist mit Erholungs- und Badenutzung nicht vereinbar", erläutert Ornithologin Medicus.

Fütterungsverbot in stehenden Gewässern

Deshalb gibt es beispielsweise in der Stadt Salzburg ein Fütterungsverbot in Stillgewässern, wie etwa am Leopoldskroner Weiher. Dort gibt es heuer übrigens keine Jungvögel, denn die "Brut war erfolglos", zeigt Medicus auf. Die Ornithologin führt aus: "Höckerschwäne kommen vor allem an Seen und Teichen im nördlichen Alpenvorland vor. Sie bevorzugen größere, nährstoffreiche Stillgewässer mit seichten Ufern."

Erinnerungen an den "Killer-Schwan"

Die Pflanzenfresser sind auf ein größeres Angebot von Unterwasserpflanzen angewiesen. In den Salzburger Gebirgsgauen gibt es aktuell eine Population am Zellersee. Das letzte Mal für größeres Aufsehen im Land Salzburg sorgte ein Schwan vor drei Jahren am Ritzensee in Saalfelden (Pinzgau). Der Vogel – in den Medien damals als "Killer-Schwan" bezeichnet – attackierte wiederholt Badegäste und verletzte sogar Schwimmer im See. Das Tier wurde damals von einem Auto überfahren und seitdem herrschte Ruhe. Bis jetzt.

 

Heuer wurde im südwestlichen Teil des Gewässers nämlich eine eigene Schutzzone für die Tiere eingerichtet. Bojen trennen das Areal vom restlichen Ritzensee ab, sodass der Kontakt zu Badegäste vermieden wird. Seit diesem Sommer hat sich schließlich ein Schwanen-Paar an dem kleinen See niedergelassen.

Wann Schwäne aggressiv werden

Im Land Salzburg gibt es bei den Schwänen schätzungsweise aktuell 15 bis 20 Brutpaare. "Dabei haben keinesfalls alle Paare einen Bruterfolg (flügge Jungvögel, Anm.)", so Medicus. Das Weibchen legt dafür fünf bis acht Eier in ein großes Nest aus Pflanzenresten, das sich in der Nähe des Gewässers befindet. Das Ausbrüten dauert etwa 36 Tage lang. Während der Brutzeit von März bis Juni sind die Schwäne sehr aggressiv. Sie zischen, beißen und schlagen mit den Flügeln. Expertin Medicus: "Schwäne sind keine Streicheltiere und man sollte respektvoll Abstand vor ihnen halten. Eltern sollten dahingehend auch ihre Kinder unterweisen."

Daneben gibt es etwa noch einmal so viele Schwäne, die nicht zur Brut schreiten, weil kein geeigneter Brutplatz gefunden werden konnte. "Diese Nichtbrüter können in Ansammlungen von 15 bis 20 oder mehr Exemplaren in Trupps beispielsweise beim Fressen in abgemähten Wiesen beobachtet werden", erklärt Medicus. Ein solcher Fall dürfte auch ein Grund für die Schwanen-Plage beim Strandbad Weyregg am Attersee sein.

Schwimmende Menschen haben Nachteil

Auch wie man sich gegenüber aggressiven Schwänen verhalten soll, weiß Ornithologin Medicus zu berichten: "Angriffe kündigen sich meist durch Fauchen, Aufplustern oder Aufstellen der Flügel an." Dann sollte der Rückzug angetreten werden. "Besonders als Schwimmer soll man sich grundsätzlich von Schwänen fernhalten, da die Tiere im Wasser deutlich überlegen sind."

Solche Aggressionen sieht man übrigens auch gegenüber Artgenossen bei der Verteidigung eines Brutreviers. Konkurrenten werden vertrieben, um den Brutplatz und die Nahrungsressourcen eines Schwanen-Paares zu sichern. Es gilt also – nicht nur wie beim Coronavirus – Abstand halten.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 23.04.2021 um 11:21 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/wenn-schwaene-ploetzlich-laestig-werden-91408468

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