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So werden Salzburgs Schüler aufgeklärt

Symbolbild Sexualität Aufklärung Bilderbox
Das Thema Sexualität erreicht Salzburgs Kinder immer früher (Symbolbild).

Noch nie waren Nacktfotos und Pornos so leicht zugänglich wie in unserer Zeit. Die Digitalisierung und das Internet sorgen dafür, dass das gewünschte Material binnen weniger Mausklicks verfügbar ist. Kinder und Jugendliche kommen so auch immer früher mit dem Thema Sexualität in Kontakt. Wie der Aufklärungsunterricht an Salzburgs Schulen funktioniert und warum dieser wichtig ist, erklärt die Geschäftsführerin des Vereines Selbstbewusst, Gabriele Rothuber, im S24-Gespräch.

Seit zwölf Jahren arbeitet Rothuber im Bereich der Sexualpädagogik. In dieser Zeit hat sie vor allem einen Trend ausmachen können. „Kinder und Jugendliche kommen immer früher mit Sexualität und Pornografie in Berührung.“ Selbst wenn Handy, Tablet und Computer von den Eltern mit Kindersicherungen versehen werden, ist Pornografie für Kinder leicht zugänglich. „Dann sieht das Kind eben auf dem Handy des Nachbarbuben den Pornofilm“, skizziert die Expertin das Szenario.

Richtige sexuelle Aufklärung wichtig

Umso wichtiger sei es daher, dass man sehr früh und unaufgeregt mit Kindern über Sexualität spricht. „So kann man sicherstellen, dass das Kind nicht durch einen Pornofilm das erste Mal mit Sexualität konfrontiert wird“, betont Rothuber. Die Gefahr in diesem Fall ist folgende: „Kinder sehen einen Pornofilm und glauben dann, dass in diesem die Sexualität in ihrer Realität abgebildet wird.“ Vor allem bei Kindern, die selbst Gewalt in der Familie erlebt haben, kann das heikel sein: „Sie leiten von den Pornos – bei denen es sich oft um gewaltvolle Filme handelt – ab, dass man so mit dem Sexualpartner umgeht“, mahnt die Expertin.

Aufklärungsarbeit: Lehrer holen Unterstützung

Adäquate sexuelle Aufklärung ist daher Teil des Lehrplans in der Schule. Allerdings holen sich bei diesem Thema viele Salzburger Lehrer Unterstützung von außen, wie Rothuber verrät. „Wir haben viel mehr Anfragen, als wir abdecken können. Für das laufende Schuljahr haben wir 47 Schulen auf der Warteliste.“ Der Verein Selbstbewusst erhält von Stadt und Land Salzburg Förderungen, sind diese aufgebraucht, könne man auch keine weiteren Workshops anbieten.

Direktorinnen und Direktoren, Lehrerinnen und Lehrer, Elternvertreterinnen und Elternvertreter melden sich gleichermaßen bei ihr. Zu zwei Drittel sei der Verein in Volksschulen unterwegs, der Rest teile sich auf Neue Mittelschulen, Gymnasien und andere Schulen auf, so Rothuber. Der Verein Selbstbewusst ist seit 2004 hauptsächlich an Salzburger Schulen unterwegs.

Symbolbild Sexualität Aufklärung Verein Selbstbewusst

So werden Salzburgs Schüler aufgeklärt

Wie sieht seine Arbeit konkret aus? „Wir haben zwei Schwerpunkte: Zum einen die sexuelle Aufklärung, zum anderen machen wir Missbrauchsprävention in Volksschulen“, erzählt die Geschäftsführerin. Da Aufklärungsarbeit auch Sache der Eltern ist, holt sich der Verein zunächst diese mit ins Boot. „Wir veranstalten Elternabende, in denen wir informieren, wie wir konkret arbeiten“, erzählt Rothuber. Danach folgt ein Workshop in der Schulklasse. In den Volksschulen dauert dieser einen Nachmittag, in höheren Schulen zwei.

„Wir arbeiten mit vielen Rollenspielen und Geschichten, wir gehen das Thema interaktiv an. Alle Fragen sind erlaubt“, erklärt sie. Eine wichtige Voraussetzung ist die sexuelle Aufklärung auch für Missbrauchsprävention. „Wenn Kinder gut aufgeklärt sind, erkennen sie sexuelle Übergriffe schneller, als das, was sie sind. Aufklärung ist also auch Kinderschutz“, betont die Expertin.

Bessere Sexualpädagogik für Lehrer?

Man wisse, dass selbstbewusste Kinder seltener Missbrauchsopfer werden. „Daher ist uns auch wichtig, den Kindern beizubringen, dass sie nein sagen dürfen, wenn es um ihren Körper geht und sie keine unangenehme Berührungen über sich ergehen lassen müssen“, schildert Rothuber. Zudem werde gemeinsam mit den Kindern nach einer Vertrauensperson außerhalb des familiären Umfelds gesucht.

Generell werde das Thema Sexualerziehung in Salzburg ernst genommen. „Da hat sich über die Jahre wirklich viel getan. Eltern wie Politiker sind sehr aufgeschlossen“, berichtet die Geschäftsführerin, die sich allerdings eines wünscht: „Ich finde, dass Sexualpädagogik und Missbrauchsprävention stärker in die Ausbildung der Lehrer einfließen sollte.“

Bildungsdirektor Mair hält dagegen

Bildungsdirektor Rudolf Mair sieht bei diesem Thema weniger Bedarf, wie er im S24-Gespräch sagt: „Ich gehe davon aus, dass der Unterricht von den Lehrpersonen gehalten wird. Das bezieht sich auch auf den Sexualpädagogikunterricht. Die Allermeisten können das.“ Externe Vereine würden von den Schulen direkt angefragt. „Das ist zur Ergänzung des Unterrichts erlaubt. Die Lehrperson muss währenddessen allerdings anwesend sein“, stellt Mair klar. Wichtig sei bei diesem Thema vor allem eines: „Wir wollen weder extrem liberale, noch extrem konservative Einstellungen durch Vereine an Salzburger Schulen vermittelt wissen“, erklärt der Bildungsdirektor.

Um dies künftig besser kontrollieren zu können, wird derzeit der Sexualkundeerlass überarbeitet: „Künftig sollen an den Bildungsdirektionen Stellen eingerichtet werden, die ein externes Programm bei Bedarf prüfen“, verrät Mair, der eines klarstellt: „Sexualität ist ein integraler Bestandteil unseres Lebens und diese soll in der Schule auch nicht tabuisiert werden. Wir sind daran interessiert, dass Buben und Mädchen wissen, wie eine Partnerschaft aussieht oder wie Sexualität biologisch funktioniert.“ Die entsprechende Aufklärungsarbeit soll in der Schule – egal durch Lehrer oder externe Vereine – und nicht durch Pornofilme erfolgen.

(Quelle: SALZBURG24)

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Aufgerufen am 20.09.2019 um 10:51 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/wie-aufklaerung-von-salzburgs-schuelern-funktioniert-66426535

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