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30. Geburtstag

Wie das World Wide Web Salzburg eroberte

Word Wide Web Internet Homepage Webseite AFP
So sah die erste Webseite der Welt aus.

Fast vier Milliarden Menschen – also mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – sind heutzutage online. Zum 30. Geburtstag des World Wide Web haben wir uns mit Salzburg-Digital- und Salzburger-Nachrichten-Geschäftsführer Roman Minimayr unterhalten, der die Entwicklung hautnah miterlebt hat.

Das World Wide Web ist heute nicht mehr wegzudenken. In Genf hatte der Physiker und Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee im März 1989 seinen Vorschlag dafür entwickelt. Der heute 63-jährige Brite hatte in seinem Aufsatz damals Ideen für einheitliche Standards zur Darstellung und Übertragung von Daten und die Vision eines universellen, verbundenen Informationssystems entworfen. Auf der Grundlage entwickelte er mit anderen Web-Pionieren die Grundlage für das World Wide Web. Es ist heute einer der bekanntesten Dienste für die Übertragung von Webseiten. Nicht zu verwechseln mit dem "Internet": damit wird das weltweite Netz einzelner Computer-Netzwerke bezeichnet.

Erste Anfänge mit MS DOS

"Die ersten Schritte haben wir damals mit Salzburgs Internet-Guru Kurt Krenn gemacht", erinnert sich Salzburg-Digital-Geschäftsführer Minimayr im Gespräch mit S24. Der 61-Jährige ist seit 1976 bei den Salzburger Nachrichten (SN) und verantwortlich für die digitalen sowie technischen Abläufe und Produktionsprozesse. "Krenn kam von einer Studienreise aus den USA zurück nach Salzburg und erzählte uns von diesem Word Wide Web, das in aller Munde war." 

Die gängige Computertechnologie waren Windows-PCs mit MS DOS und erste Apple-Computer, die sogar schon einen Browser hatten. "Wir haben uns an langen Abenden die Frage gestellt, wie das funktioniert und wie man dann einsteigen könnte." Anfang der 90er-Jahre hat die Firma EUnet dann den Weg für die ersten kommerziellen Internetanschlüsse in Wien geebnet. "So einen Kasten wollten wir auch für Salzburg", sagt Minimayr. Mit einem einfachen Modem, zwei Anschlüssen und zwei dazugehörigen Drähten ging dann alles los.

Riesengroße Rechnersysteme

Eine Firma aus Florida verschickte weltweit Kataloge für Ersatzteile und Erweiterungen auf Disketten. "Damit hat es eigentlich begonnen", so Minimayr, der sich im gleichen Atemzug an den 2,20 Meter großen Firmenrechner erinnert: "Auf dem 32 Kilobytes umfassenden Speicher lief die Buchhaltung, Kundenverwaltung und Abrechnung parallel."

Dass das World Wide Web das Leben grundlegend verändern würde, das hätten Minimayr und Co. schon recht früh erkannt. Die Frage war nur die der vernünftigen Umsetzung. "Mitte der 90er-Jahre haben uns amerikanische Partner ein Mail-System im Großrechner und Redaktionssysteme eingebaut." Die ganz besondere Neuerung war die Kommunikation, die bis heute nachhaltig alles veränderte: "Über grün-schwarze Terminals haben wir mit Kollegen in den USA kommuniziert – das war ein richtig großer Aha-Effekt. Statt mit dem Faxgerät konnten nun Mails mit Anhängen versendet werden." Bei den SN beschäftigte sich man fortan intensiver mit der neuen Technologie, 1996 ging die erste Homepage online und strategisch wichtige Domains hat man sich geschnappt. Heute gibt es weltweit übrigens mehr als zwei Milliarden Webseiten. Im Land Salzburg war die erste im Jahr 1995 im Netz.

Minimayr: "Es ist noch viel zu tun"

Für Minimayr ist das World Wide Web ein "geniales Transportmittel für Informationen." Die Welt sei dadurch ein Stück weit zusammengewachsen. Doch längst ist nicht alles Gold, was glänzt. "Was wir nicht können, ist mit diesen Medien und Arten der Kommunikation vernünftig umzugehen und die Dinge so zu lenken, dass sie die Menschheit unterstützt." Der 61-Jährige beschreibt Gefahren der Sucht und Abhängigkeiten, die mit jeder neuen Entwicklung einhergehen. "Ich glaube, dass wir für viele der Entwicklungen noch gar nicht reif genug sind." Die große Aufgabe unserer Gesellschaft sei es, das World Wide Web als sinnvolles Hilfsmittel zu nutzen. "Hinter jeder Entwicklung steht eine Chance – es ist noch viel zu tun."

(Quelle: SALZBURG24)

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