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Knockout-Szenarios

Wie ein Armband gegen K.O.-Tropfen schützt

Gefährliche Substanzen machen Party zum Albtraum

Bargetränk, Bar, Cocktail, Club, feiern Pixabay
K.O.-Mittel sind nur wenige Stunden im Blut nachweisbar. (SYMBOLBILD)

K.O.-Tropfen im Getränk und ein netter Abend mit Freundinnen und Freunden wird zum Albtraum – vor allem für Frauen und Mädchen. Nun gibt es Armbänder, die vor diesen gefährlichen Substanzen schützen sollen. Mehr dazu, lest ihr hier.

Eine genau Zahl, wie viele Opfer es von K.O.-Mitteln gibt, sei nicht bekannt. Sabrina Steinhuber vom Frauennotruf Salzburg weiß aber: "Die Dunkelziffer ist hoch." Jedes Jahr betreue die Beratungsstelle mehrere Frauen und Mädchen, sagt sie im SALZBURG24-Gespräch. Eine Initiative des Frauennotrufs Salzburg soll über K.O.-Tropfen aufklären und zur Sensibilisierung beitragen. Zudem werben sie für Armbänder, die Frauen und Mädchen vor der Verabreichung von beeinträchtigenden Mitteln schützen sollen.

Armbänder, die K.O.-Tropfen im Drink erkennen

Die sogenannten K.O.-Tropfen-Schutz-Armbänder von Xantus sollen gefährlichen Substanzen im Getränk erkennen. Erhältlich sind diese unter anderem im Drogeriehandel bei DM. Eine Packung mit jeweils zwei Armbändern gibt es dort um rund sechs Euro. "Die Anwendung ist ganz simpel: Das Getränk kurz umrühren, mit einem Finger einen Tropfen der Flüssigkeit auf einen der zwei Testpunkte geben und warten. Verfärbt sich der Testpunkt innerhalb von zwei Minuten blau, dann befindet sich Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) im Getränk", weiß Sabrina Steinhuber vom Frauennotruf Salzburg im SALZBURG24-Gespräch.

Diese Säure – auch als "liquid Ecstasy" bekannt – ist eine der am häufigsten verwendeten K.O.-Tropfen-Substanzen und anders kaum wahrnehmbar, da es farb- und geruchlos ist. "Die flüssige Substanz wirkt beruhigend und einschläfernd", erklärt Fabio Monticelli, Leiter des Fachbereichs Gerichtsmedizin und Forensische Neuropsychiatrie der Uni Salzburg und Facharzt für Gerichtsmedizin, gegenüber S24. Die gewünschte Wirkung des Täters oder der Täterin sei das Betäuben und Wehrlos machen.

Was tun, wenn einem K.O.-Tropfen verabreicht wurden?

Haben Betroffene den Verdacht, dass K.O.-Tropfen mit im Spiel sind, dann ist schnelles Handeln gefragt. Steinhuber empfiehlt sich an Freundinnen und Freunden oder an das Bar-Personal zu wenden. Die Wirkung setze bereits nach zehn Minuten ein und kann einige Stunden andauern. Anzeichen, die auf die Einnahme von K.O.-Mitteln hinweisen können, sind zum Beispiel Kreislauf- und Wahrnehmungsstörungen, Übelkeit, ein Gefühl der Willenlosigkeit, eine Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zur Regungslosigkeit als auch Blackouts und Erinnerungslücken. "Anfangs kann die Wirkung noch sehr euphorisierend sein. Ähnlich wie mit Alkohol", weiß Steinhuber. Daher sei es auch oft schwierig einzuschätzen, ob es sich tatsächlich um K.O.-Tropfen handelt.

Ärztliche Hilfe und die Abnahme von Blut- und Harnproben zur Nachweisbarkeit müssen möglichst rasch erfolgen, denn der Wirkstoff ist nur acht bis zehn Stunden im Körper nachweisbar. Monticelli hält fest: "Passiert die Handlung abends, dann wird es schwierig am nächsten Tag die Substanz im Blut nachweisen zu können." Speziell bei GHB sei dies bis zu nach acht Stunden möglich. Eine Urin-Probe sei hingegen bis zu zwölf Stunden nach der Einnahme möglich.

So könnt ihr euch schützen

"Eine sichere Variante ist es immer, aufeinander zu schauen", sagt Steinhuber. Das Getränk sollte nicht aus den Augen gelassen werden. Ist man mit Freundinnen und Freunden unterwegs, dann sei ein gemeinsames nach Hause gehen sinnvoll. Vor allem aber sei es wichtig, dass man dem Gegenüber Glauben schenkt: "Hat beispielsweise die Freundin den Verdacht, dass ihr K.O.-Tropfen verabreicht wurden, dann bitte unterstützend reagieren."

Spaziergang mit Aufklärung durch die Stadt Salzburg

Nicht nur bei DM sind die Armbänder erhältlich. Innerhalb der Aufklärunginitiative macht der Frauennotruf Salzburg am 28. August und am 11. September einen Rundgang durch Salzburg. Im Gepäck: Die Schutz-Armbänder. "Der Weg führt uns durch die Altstadt, an der Salzach entlang, in die Bahnhofsnähe, zum Hanuschplatz und auch in die Berggasse", fasst Steinhuber zusammen. Bei dem Spaziergang werden nicht nur die Armbänder ausgeteilt, sondern gezielt Frauen und Mädchen auf der Straße angesprochen und auf die Gefahren und wie sie sich schützen können, hingewiesen. Ihr sei es wichtig – gerade nach der Corona-Zeit – wieder ein sicheres Feiern zu gewährleisten.

(Quelle: SALZBURG24)

So gefährlich sind K.O.-Tropfen

SB: K.O.-Tropfen, GABA, Benzo, APA/dpa/Nicolas Armer
(SYMBOLBILD)

Einer jungen Salzburgerin sollen in der Vorwoche beeinträchtigende Substanzen in die Getränke gemischt worden sein. Anschließend wurde sie in einer Bar vergewaltigt. Der Fall wühlt auf. Wir haben uns deshalb bei einem Experten erkundigt, wie K.O.-Tropfen überhaupt wirken, ob man sie im Getränk bemerkt und wie sich der Tag danach anfühlt.

Die umgangssprachlich bezeichneten K.O.-Tropfen sind unterschiedliche Substanzen. Man unterscheidet einerseits zwischen Medikamenten aus der Apotheke, die gegen Vorlage eines Rezepts ausgehändigt werden und im weitesten Sinne Benzodiazepine, also Beruhigungsmitteln. "Bei einer höheren Dosierung haben diese 'Benzos' einen schlafanstoßenden Effekt", erklärt Primar Hannes Bacher, der sich bei der Salzburger Suchthilfe engagiert, im S24-Gespräch. "Manche rufen zudem Erinnerungsverlust und Gedächtnislücken hervor."

Bitterstoffe in Substanzen

Mittel wie Ketamin haben neben der beruhigenden auch eine schmerzlindernde Wirkung, weshalb sie nach wie vor im Notarztdienst eingesetzt werden. In Österreich werden diese Mittel ausschließlich in Tablettenform vertrieben. Bacher erklärt, dass solche Substanzen in flüssiger Form im Darknet angepriesen werden. Diese enthalten in der Regel aber einen Bitterstoff, der bewusst von der Pharma-Industrie beigemischt wurde. "Eine unbeabsichtigte Einnahme ist damit schwer, weil man es im Bier, Wein oder Cocktail rausschmeckt“, sagt der Mediziner.

Keine Gegenwehr bei sexuellen Handlungen

Das viel größere Problem seien sogenannte γ-Aminobuttersäuren (kurz: GABA). Neben der vielfältigen Herstellungsmöglichkeit enthalten sie üblicherweise keinen Bitterstoff. "Das macht sie besonders gefährlich", warnt Bacher. "GABA ist eine stark beruhigende Substanz, die in höherer Dosierung sowohl einen Gedächtnisverlust hervorruft, als auch die Gegenwehr bei sexuellen Handlungen herabsetzt bzw. ausschaltet."

Warum GABA und Co. so gefährlich sind

GABA kommt auch im menschlichen Körper vor, deshalb wird die Substanz sehr schnell abgebaut und kann einen Tag später nicht mehr nachgewiesen werden. Der Gegenspieler ist hierbei übrigens der bekannte Geschmacksverstärker Glutamat, der zu Erregung führt und Angst sowie Panik auslösen kann.

 

Die Wirkstoffe von Ketamin und der Benzos hingegen sind körperfremd und können länger nachgewiesen werden. Alle diese Substanzen können bei Einnahme über einen längeren Zeitraum zur Abhängigkeit führen.

K.O.-Tropfen: Atemstillstand als Folge

Grundsätzlich waren diese Substanzen dazu gedacht, dass sie ein Arzt zu spezifischen Einsatzzwecken anwendet und verabreicht. "Körpergröße und das Gewicht sind entscheidende Faktoren, eine Überdosierung passiert sehr schnell", so Bacher. Kreislaufkollapse bis zum Atemstillstand sind mögliche brandgefährliche Folgen des Konsums von K.O.-Tropfen.

Traumatisierung bei Betroffenen

Betroffene klagen am nächsten Tag über einen Erinnerungsverlust. Sexuelle Handlungen seien oftmals an Spermaspuren oder Blutungen zu erkennen, erklärt Bacher. "Das Schlimme ist die komplette Ungewissheit über das, was geschehen ist." Die anschließende Traumatisierung sei mindestens genauso belastend wie die eigentliche Tat.

Wie die Polizei auf S24-Anfrage berichtet, fallen K.O.-Tropfen in der Statistik unter Körperverletzung. Deswegen gebe es auch keine genauen Zahlen über Fälle in Salzburg.

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