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Hormonelles Auf-und-Ab

Wie Frauen ihren Zyklus nachhaltig nutzen können

Bewegung & Training an den natürlichen Rhythmus anpassen

Birgit Buchegger SALZBURG24/Privat
Birigit Buchegger hilft Frauen dabei, das Training an ihren weiblichen Zyklus anzupassen.

Den eigenen Körper zu kennen, seine Signale wahrzunehmen und danach zu handeln, wird für viele von uns immer wichtiger. Höchst individuell ist der weibliche Zyklus. Diesen richtig verstanden, kann die Frau ihr Potenzial – vor allem in Sachen Bewegung und Training – ausschöpfen. Wie das geht, erklärt uns die Salzburger Bewegungspädagogin Birgit Buchegger.

Periode, Menstruation, Regelblutung – der weibliche Zyklus galt lange Zeit als absolutes Tabuthema. Doch mehr und mehr Frauen setzen sich bewusst mit ihrem Körper und den durch die sich verändernden Hormonspiegel verursachten Höhen und Tiefen auseinander. Mit „Bewegung im Zyklus“ hat sich eine junge Salzburgerin auf die Zyklusarbeit spezialisiert. Birgit Buchegger ist 32 Jahre alt, hat drei Kinder und hilft Frauen dabei, die körperlichen Signale wahrzunehmen, richtig einzuordnen und zu verstehen. In einem zweiten Schritt werden Bewegung und Sport an den natürlichen Zyklus angepasst, um so individuelle Trainingsziele effizient und anhaltend zu erreichen.

Birgit Buchegger SALZBURG24/Privat
Birgit Buchegger hilft Frauen dabei, das Training an ihren weiblichen Zyklus anzupassen.

Zyklus-Bewusstsein schafft​ Erleichterung

„Der weibliche Zyklus ist ein großer Benefit und das Beste für unsere Gesundheit“, ist Buchegger im Interview mit SALZBURG24 überzeugt. Den individuellen Rhythmus zu erkennen und mit diesem mitzugehen, könne sowohl im Alltag als auch im Sport vieles erleichtern, so die Bewegungspädagogin. Dafür müsse man sich aber wieder viel mehr ins Bewusstsein holen, warum es den weiblichen Zyklus überhaupt gibt, nämlich um Kinder zu bekommen: Etwa ein Mal im Monat reift in den Eierstöcken eine Eizelle heran und das Gewebe der Gebärmutterschleimhaut wird für eine Schwangerschaft vorbereitet. Wird das Ei nicht befruchtet, wird es gemeinsam mit der Gebärmutterschleimhaut wieder abgebaut und verlässt mit der Regelblutung den Körper.

 

Training mit dem natürlichen Rhythmus

Dieser Vorgang wiederholt sich etwa 400 Mal im Leben einer Frau. Gesteuert wird dieser Prozess über Hormone, wie Östrogen, Progesteron oder Relaxin, die nicht nur das Befinden der Frau, sondern auch Kraft, Ausdauer und Konzentration maßgeblich beeinflussen – was sich wiederum auf die Leistungsfähigkeit im Sport auswirkt. „Es ist sehr sinnvoll, das Training oder die regelmäßigen Bewegungseinheiten auf den Menstruationszyklus abzustimmen“, erklärt Buchegger, die sich seit ihrer Jugend intensiv mit dem Thema beschäftigt. Mit ihrem Personal Training spricht die frühere Leistungssportlerin aber nicht nur Frauen an, die sich auf den nächsten Wettkampf vorbereiten möchten. „Zu mir kommen auch viele Frauen, die Probleme mit ihrem Zyklus haben oder das Abnehmen einfach nicht funktionieren will.

Und wie können Frauen nun Bewegung mit ihrem natürlichen Rhythmus verbinden? Grundsätzlich sei Krafttraining in der ersten Zyklus-Hälfe und Ausdauer-Training in der zweiten zu empfehlen, weiß Buchegger, die für ihre Kundinnen allerdings nur ganz individuell abgestimmte Trainingspläne erstellt. Denn der weibliche Zyklus sei so vielseitig und individuell wie der Mensch selbst.

 

Welches Training in welcher Menstruations-Phase?

Der erste Tag der Periode ist der Beginn des Zyklus. In dieser Zeit ist das Hormonniveau niedrig. Buchegger empfiehlt an diesem Tag keine zu hohen sportlichen Belastungen. Wenn die Blutung nachlässt, steigt auch das Östrogen langsam wieder, und damit das Energielevel. Je näher der Eisprung rückt, desto höher steigen Östrogen und Testosteron-Spiegel an. „Das Testosteron ist unter anderem für Steuerung von Zellwachstum und auch Muskelzellen zuständig. Das bedeutet also: Vor dem Eisprung hat man ein größeres Muskelwachstum. Das ist auch durch Studien belegt“, erklärt Buchegger. Gleichzeitig brauche es aber Regeneration und gute Ernährung, „sonst kann der Körper das gar nicht nehmen“.

Die nächste zentrale Zyklus-Phase ist der Eisprung selbst. Setzt dieser ein, kommt es zu einem schnell abfallenden Östrogenspiegel. „Das kann man bei guter Selbstbeobachtung auch klar beobachten, oft von einer Stunde auf die andere kommt es zu einem Energieeinbruch.“ In dieser Zeit – etwa ein bis zwei Tage – sollte hartes Training vermieden werden, da es den Körper fast überfordern würde. „Es ist oft ein richtiges Tief, in dem wir sind“. Danach sei im Training wieder leichte Bewegung und Regeneration zu empfehlen.

Die zweite Zyklus-Hälfte startet mit erhöhter Körpertemperatur und das Östrogen steigt wieder leicht an. Gleichzeitig wird Progesteron produziert, wir schwitzen schneller. „Sind Östrogen und Progesteron in einem guten Verhältnis, haben wir nochmals richtig viel Energie für intensive Trainingseinheiten, das sind etwa zwei bis drei Tage.

Die meisten Probleme treten in der vierten und letzten Zyklus-Phase auf, informiert die Bewegungspädagogin. In dieser Zeit wird das Hormon Relaxin produziert, es macht das Gewebe weich, da ja in naher Zukunft wieder eine Blutung startet. „Jetzt ist unser Verletzungsrisiko höher und die Konzentration niedriger. Die Intensität des Trainings sollte wieder runtergesetzt werden und man sollte sich in dieser Phase wirklich gut auf die Bewegungsausführung konzentrieren.“

Birgit Buchegger SALZBURG24/Privat
Birgit Buchegger hilft Frauen dabei, das Training an ihren weiblichen Zyklus anzupassen.

Mit dem Verständnis für die vier Phasen des Menstruationszyklus könne man das individuelle Körpergefühl leichter erkennen und so mit dem Zyklus trainieren, und nicht dagegen. Außerdem könne man Probleme oder Symptome, die immer wieder auftreten, vielleicht auch leichter aushalten. „Schließlich wissen wir jetzt, was es ist, dass es wieder vorbeigeht und wie wir damit umgehen können.“

Hormonelle Verhütung verhindert Auf-und-Abs

Nicht nachvollziehbar sind die unterschiedlichen Phasen des weiblichen Zyklus für Frauen, die hormonell verhüten, etwa mit Pille – und das sind immerhin vier von zehn Österreicherinnen zwischen 15 und 49 Jahren. „Wenn hormonell verhütet wird, dann fällt das Auf-und-Ab weg. Es gibt keine Höhen und Tiefen, das Niveau ist gleichbleibend“, erklärt Buchegger. Auch das sei oft ein Grund, warum Frauen die Pille nehmen, aber man müsse sich im Klaren sein, dass der von der Natur vorgegebene Rhythmus an die Pille abgegeben werde. „Wenn die Blutung dann stattfindet ist das keine Menstruationsblutung, sondern eine Abbruchblutung.“ Erst mit Absetzen der Hormone könne man das gesamte Potenzial des Körpers ausschöpfen, ist Buchegger überzeugt. „Das Größte, was man erreichen kann, ist, dass man sich selbst wieder hat. Denn mit Hormonen ist man nicht ganz Frau.“

 
(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 04.12.2022 um 01:48 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/wie-frauen-ihren-zyklus-nachhaltig-nutzen-koennen-125862796

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