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Die Zügel selbst in der Hand

Wie Pferde Kindern durch die Pandemie helfen

"Stärkung des Selbstbewusstseins ist zentral"

Die Folgen der Corona-Krise für Kinder können verheerend sein: Bewegungsmangel, eingeschränkte Freizeitaktivitäten, fehlende soziale Kontakte oder der Ausfall des gewohnten Schulalltags sind nur einige davon. Wie die Arbeit mit Pferden den Kleinen wieder Mut machen kann, erklärt eine Salzburger Reitpädagogin.

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. So lautet ein altes Sprichwort, das wohl jeder von uns kennt. Aber was steckt genau dahinter?

Hofleben reduziert Alltagsstress

Kinder können besonders von dem Sport und der Arbeit mit den edlen Tieren profitieren. Diese positiven Effekte haben zahlreiche Forscher bereits aufgezeigt. Das bestätigt Annika Heyer, Reitpädagogin und Landwirtin, im Gespräch mit SALZBURG24: „Das Reiten fördert das Gleichgewicht und motorische Fähigkeiten. Aber schon das Putzen des Pferdes kann die Feinmotorik der Kinder verbessern. Sie lernen, vorsichtig mit dem Tier umzugehen.“ Außerdem helfe die Bewegung an der frischen Luft gerade in Zeiten von Distance Learning und Lockdown, zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen. Den Hof im Großgmainer Ortsteil Hinterreit (Flachgau) bewohnen sieben Pferde: „Vom Mini-Pony bis hin zum Großpferd ist für jede Größe, aber auch für jeden Charakter das Passende dabei.“ Außerdem sorgen Ziegen, Kaninchen, Hühner, Katzen und Hunde für eine willkommene Abwechslung im oft so eintönigen Corona-Alltag.

Kind_Fußball Krugfoto
Viele Kinder und Jugendliche sehnen sich nach gemeinsamem Sporttreiben. (ARCHIVBILD)

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Bessere Konzentration durch Arbeit mit Pferden

Kinder profitieren nämlich auch geistig von der Arbeit mit den Pferden. „Man merkt, dass die Konzentrationsfähigkeit in vielen Fällen nachgelassen hat und die Konzentrationsspanne zurückgegangen ist“, stellt die Reitpädagogin besorgt fest. Als Grund dafür vermutet sie, dass die Kids aus ihrem gewohnten Schulalltag herausgerissen wurden. „Gerade, wenn man frei in der Bahn reitet, bekommt man sofort eine Resonanz auf sein Handeln. Wenn man nicht aufpasst und in der Gegend herumschaut, wird das Pferd das merken und das tun, was es möchte“, erklärt Heyer. Kinder würden also lernen, sich besser und über einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. Die Übungen stimmt sie je nach Lust, Laune, Können und Tagesverfassung ihrer Schützlinge ab. Vor allem bei unruhigen Kindern würde sich etwa das Spiel "Ich sehe was, was du nicht siehst" als Konzentrationsübung eignen.

Pferde vom Pony Club Salzburg Pony Club Salzburg/Annika Heyer
Annika Heyer vom Pony Club Salzburg verfüttert gemeinsam mit einem Schützling Karotten an Pferd "Norbert". 

Kinder tanken Selbstbewusstsein

Am zentralsten sei aber die Stärkung des Selbstbewusstseins, wenn Kinder bemerken, dass sie mit ihrem Handeln etwas bewirken können: „Sie nehmen die Zügel in die Hand und gehen, wohin sie wollen. Gerade im Zusammenhang mit Corona, wenn so viel um die Kinder herum passiert, das sie nicht beeinflussen können, merken sie, dass es eben doch einige Dinge gibt, die sie selbst steuern können.“

Mit Resilienz-Training gestärkt durch die Krise

Passend dazu bietet Heyer, als eine von ganz wenigen in Salzburg, Resilienz-Training mit ihren Pferden an. Im Gegensatz zu klassischem Reitunterricht, bei dem häufig an Schwächen gearbeitet werde, soll der Resilienz-Ansatz den Kindern aufzeigen, wie sie Probleme mit jenen Ressourcen lösen können, die sie schon in sich tragen. Mit den individuellen Übungen und Erklärungen werde den Kindern das vor Augen geführt. Das Ziel dabei sei schließlich aufzuzeigen, wie man mit Krisen in der Umwelt am besten umgehen kann: „Ich nenne es das Immunsystem der Psyche. Man reagiert auf äußere Einflüsse und wächst daran, anstatt daran zu zerbrechen, indem man die eigenen Ressourcen nützt. Das fördert wiederum Mut und Selbstbewusstsein.“

 

Heyer hat mit ihrem Betrieb auch mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen: „Veranstaltungen wie Kindergeburtstage oder Ferienbetreuung sind so gut wie ausgefallen.“ Dennoch würden sich viele Eltern und Kinder für die Arbeit mit den Pferden interessieren: „Viele sportliche Alternativen sind ja auch weggefallen. Ich habe zum Beispiel einige Burschen bei mir, die ganz traurig sind, weil ihr Fußball-Training so lange ausgefallen ist. Die Eltern sind heilfroh, wenn die Kinder irgendwo hin dürfen und etwas unternehmen. Und die Kinder freuen sich auch, sie wollen ja raus und sich bewegen.“ Das Spazierengehen und Radfahren mit den Eltern hänge vielen schon zum Hals hinaus. Das Training finde auch, sobald dies altersbedingt möglich ist, ohne die Eltern statt: „Es gibt dann einfach weniger Ablenkung, denn Kinder neigen ja manchmal dazu, ihren Eltern alles vorzeigen zu wollen. Während der Zeit am oder beim Pferd sollen sie sich wirklich nur auf sich selbst, das Tier und mich konzentrieren“, erklärt die Reitpädagogin.

"Richtiger Reiter macht alles"

Die Arbeit mit Pferden kann auch dabei helfen, die Disziplin zu stärken. Denn um Unfälle zu vermeiden und sich selbst zu schützen, müssen am Gelände des Salzburger Pony Clubs gewisse Regeln eingehalten werden: „Wenn ich den Kindern zum Beispiel sage, dass sie besser nicht laufen oder schreien sollen, erkläre ich ihnen auch immer, warum. Am Hof bin ich für sie also eine Respektsperson und da hören sie gut auf mich“, stellt die Pferdeliebhaberin mit einem Lächeln auf den Lippen fest. Zur Verfügung steht neben einem Putzplatz auch ein Außenreitplatz, der zur Hälfte überdacht ist und somit witterungsunabhängig, aber trotzdem an der frischen Luft Training möglich ist. Die Kosten für eine Stunde variieren je nach Inhalt und liegen zwischen 55 und 85 Euro. Danach gehören das Versorgen, Füttern und Verabschieden des Pferdes noch dazu: „Ich erkläre ihnen immer, dass ein richtiger Reiter alles macht, sonst ist man nur ein ‚Draufsitzer‘“.

(Quelle: SALZBURG24)

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