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Positiver Nebeneffekt

Wie Bewegung Kinder "schlauer" macht

Gesundheit der Kleinsten "besorgniserregend"

Jugend_zum_Sport_Kind LMZ/Franz Neumayr
Speziell im Kindesalter sollten sich die Kleinsten viel bewegen und vor allem Koordinationsübungen machen. (ARCHIVBILD)

Bewegung – speziell im Kindesalter – gilt oft als ein Allheilmittel. Freilich: Der positive Effekt der Bewegung auf die Gesundheit ist unbestritten, doch macht es die Kleinsten auch noch schlauer? Wir haben uns mit einem Salzburger Experten darüber unterhalten.

Die Österreicher waren schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie keine Bewegungs-Weltmeister. Mediziner, Hilfsorganisationen und Co wollen gemeinsam die Jüngsten für diverse Gesundheitsthemen sensibilisieren bzw. die mentalen Grundlagen stärken. Auch das Land Salzburg und die Sportverbände widmen sich dem Thema und bieten kostenlose Programme an.

Kindergesundheit in Österreich "besorgniserregend"

Denn eines ist klar: Um die Gesundheit des österreichischen Nachwuchses ist es – speziell während der Corona-Krise – schlecht bestellt: Trotz dieses Wissens und der steigenden Wahrnehmung in der Gesellschaft ist der Anteil der "Sportmuffel“, "Couchpotatoes“ und "Bewegungsverweigerer“ erschreckend hoch.

Holger Förster SALZBURG24/Schuchter
Dr. Holger Förster in seiner Ordination in der Innsbrucker Bundesstraße in Salzburg. 

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In den "Österreichischen Empfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung“ empfiehlt der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) allen Kindern und Jugendlichen altersgerechte Bewegung zu ermöglichen. "Um die Gesundheit zu fördern sollten Kinder und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten mit mittlerer Intensität und insgesamt drei Stunden körperlich aktiv sein. Die Zahlen zeigen jedoch, dass die Gesundheit der Kinder besorgniserregend ist", erklärt Jürgen Birklbauer, "Senior Scientist" am Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften an der Uni Salzburg.

PDF: Bewegungsempfehlungen Österreich.pdf

80 Prozent schaffen keine Stunde Sport am Tag

Birklbauer betont im Gespräch mit SALZBURG24, dass es sich bei der Empfehlung um ein Mindestmaß handelt. "Das Allerwichtigste ist, dass Eltern ihren Kindern Rahmenbedingungen schaffen, um sich bewegen zu können", erläutert Birklbauer, der anstelle der Schule vor allem die Erziehungsberechtigten in die Pflicht nimmt. Dabei sei es ganz egal, um was für eine Art von Bewegung es sich handelt. "Geht einfach raus, die Kinder bewegen sich schon von selbst."

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt auf, dass 80 Prozent aller Kinder auf unserem Planeten die Bewegungsempfehlungen von täglich einer Stunde nicht erfüllen. Die negativen Auswirkungen eines inaktiven Lebens zeigen sich bereits bei Kindern auf unterschiedlichen Ebenen: Körperlich inaktive Kinder weisen oftmals geringere schulische Leistungen auf und haben neben Haltungsschäden einen höheren Fettanteil, was sich bis zur Adipositas entwickeln kann.

"Sport fördert mentale Gesundheit"

Birklbauer, der als Wissenschafter an etlichen diversen Studien rund um das Thema Bewegungslernen forscht, erklärt: "Allgemein zeigt sich, dass ein positiver Effekt der Bewegung sowohl auf die sogenannten exekutiven Funktionen, als auch auf die visuell-räumlichen Fähigkeiten nachgewiesen werden können." Sprich: Die geistigen Fähigkeiten, mit deren Hilfe unsere Emotionen, Gedanken und unser Handeln gesteuert wird, werden beim Mindestmaß an Bewegung gefordert.

symb_Übergewicht, symb_Adipositas, APA/dpa/Peter Steffen
(SYMBOLBILD)

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Bei seinen Untersuchungen, die Birklbauer an der Universität Salzburg betreibt, hat er herausgefunden, dass vor allem Ballsportarten für die geistige Leistungsfähigkeit förderlich sind. "Kinder lernen Störfaktoren auszublenden, verbessern ihr Arbeitsgedächtnis und können im jungen Alter die größte Entwicklung in puncto Koordination machen."

Testungen, welche diese exekutiven Funktionen in Kombination mit den Schulnoten messen, würden doppelt so viel Aussagekraft wie herkömmliche Intelligenztests haben. Egal welche Sportart betrieben wird: Beim Sport soll immer der Spaß im Vordergrund stehen, betont Birklbauer. "Und zudem soll immer wieder mit neuen Reize gearbeitet werden. Fordert die Kinder, aber überfordert sie nicht", lautet der abschließende Appell des Sportwissenschafters.

(Quelle: SALZBURG24)

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