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Großangelegte Studie

Wie ticken unsere Jugendlichen?

Konservative Werte für 14- bis 16-Jährige wichtig

symb_jugendliche symb_jugendgruppe Pixabay
Positiv blicken unsere Jugendliche in die Zukunft. Ängste und Sorgen haben sie kaum. Wenn dann sind Umwelt und Klima ein Thema. (SYMBOLBILD)

Wird unsere Jugend wieder konservativer? Glaubt man den Ergebnissen einer großangelegten aktuellen Jugendstudie, an der auch Salzburg beteiligt war, dann stehen Werte wie Sicherheit, Verlässlichkeit und Treue bei den 14- bis 16-Jährigen besonders hoch im Kurs.

Lebensziele, Einstellungen und Lebensbedingungen junger Menschen im Alter von 14 bis 16 Jahren standen in einer großangelegten und repräsentativen Studie der Pädagogischen Hochschulen Österreichs im Mittelpunkt. Insgesamt wurden im Zeitraum von März bis Juni 2020 – also mitten in der Corona-Zeit – 14.432 Jugendliche aller Schultypen im Alter von 14 bis 16 Jahren befragt. Aus Salzburg machten 1.800 Schülerinnen und Schüler bei der Studie mit.

Alte Werte, neue Typen

Folgt man den Antworten, so sind konservative Werte wie Sicherheit, Verlässlichkeit und Treue für die jungen Menschen in Österreich absolut relevant. Gleichzeitig besteht ein großes Interesse an Umwelt und Klima. Studienautorin Gudrun Quenzel spricht in dem Zusammenhang von einer „Wertesynthese“ – was bedeutet, dass gegensätzlich erscheinende Werte zu neuen Typen vereinigt werden.

Grob gesprochen unterscheiden die Studienautoren vier Wertetypen:

  • Materialisten (25 Prozent): sie legen verstärkt Wert auf einen hohen Lebensstandard bzw. auf Macht und Einfluss
  • Erfolgsorientierte (29 Prozent): ihnen geht es um beruflichen Aufstieg, Schule und Leistung sind sehr wichtig ist
  • Idealisten (29 Prozent): diese Gruppe macht sich vor allem Sorge um Umwelt und Klima, sie sind besonders tolerant
  • Zögerliche (18 Prozent): sie haben wenig Ziele und sind eher pessimistisch eingestellt bezüglich ihrer Gesundheit und Zukunft

PDF: Wertehaltungen

Jugendliche haben kaum Zukunftsängste

„Insgesamt schauen die jungen Leute in der heutigen Zeit sehr positiv in die Zukunft“, sagt der für Salzburg zuständige Studienverantwortliche Herbert Neureiter von der PH Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24. Zukunftsängste gibt es so gut wie keine. Sorgen machen sich die 14- bis 16-Jähriger vorwiegend um Umweltverschmutzung und die Folgen des Klimawandels. Darauf folgen die Ängste um das Zerbrechen der Familie und schwere Krankheiten. Materielle und berufsbezogene Ängste sind aktuell deutlich in den Hintergrund gerückt.

Bildungsweg vom familiären Umfeld abhängig

Als bemerkenswert ordnet der Salzburger Pädagoge ein, dass ein Viertel der Jugendlichen in sozial benachteiligten Familien keinen Platz zum Lernen haben, die Hälfte davon habe sogar nicht einmal ein eigenes Zimmer. „Das sticht gerade in Zeiten von Corona und dem verstärkten Homeschooling natürlich besonders heraus“, so Neureiter. Dies zeige außerdem deutlich, dass der Bildungsweg der Jungen stark vom familiären Umfeld mitbestimmt werde. So haben es Kinder aus Familien mit mehrfachen Benachteiligungen besonders schwer, zu einem guten Schulabschluss zu gelangen.

Die Bildungsziele der befragen Jugendlichen werden hochgesteckt: So ist bei den Mädchen der Abschluss einer Berufsbildenden höhere Schule mit 30 Prozent das Ziel Nummer eins. Darauf folgen ein Hochschulabschluss (29 Prozent) und ein  Lehrabschluss (16 Prozent). Bei den jungen Männern steht an erster Stelle ein Lehrabschluss (29 Prozent), dann eine Berufsbildende höhere Schule (27 Prozent) und ein Hochschulabschluss (18 Prozent).

PDF: Lebenswelt Schule

Internet dominiert Freizeitverhalten

Und was machen unsere Jungen so in der Freizeit? An einem Wochentag haben die meisten Jugendlichen laut Studie etwa drei bis vier Stunden freie Zeit. Dabei seien die Freizeitaktivitäten äußerst vielfältig – das mit Abstand häufigste Betätigungsfeld ist aber das Internet: zur Unterhaltung, um Kontakt zu Freundinnen und Freunden zu halten und online Musik hören.

„Im Vergleich mit den anderen Bundesländern stechen in dieser Frage die Mädchen aus Salzburg etwas heraus“, weiß Neureiter. „Sie verbringen klar weniger Zeit mit Musikhören und spielen auch weniger Computer“, erläutert der Experte.

PDF: Lebenswelt Freizeit

Geht es nach den Interessen werden die Befragten in der Studie in diese Gruppen eingeteilt:

  • Gesellige (etwas mehr als Sechstel): gehen gerne auf Partys, in Cafés und zum Shoppen
  • Sport- und Spielaffine (knappes Viertel): für sie ist Sport, sei es privat oder im Verein, besonders wichtig. Aber auch Computerspiele sind in dieser Gruppe sehr angesagt.
  • Naturaffine (weniger als ein Sechstel): diese Gruppe ist am wenigsten von allen Online, dafür gerne und oft draußen.
  • Heimisch-Kreativen (rund ein Viertel): sie sind am liebsten zu Hause, um zu lesen, zu basteln, sich mit Tieren zu beschäftigen oder einfach nur „abzuhängen“.
  • Onliner (ein Fünftel): für sie sind alle Aktivitäten jenseits des Internets nur mäßig interessant.

Schwach ausgeprägt ist übrigens bei allen befragten Jugendlichen das Interesse an Politik. Nur elf Prozent bezeichneten sich als stark interessiert, weitere 34 Prozent als zumindest etwas. 34 Prozent gaben eher geringes Interesse zu Protokoll, 21 Prozent konnten gar nichts mit dem Thema anfangen.

Zu den Detailergebnissen der Studie geht's HIER.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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